Der Fall Schumacher zeigt: Skifahren ist ein Risikosport. Warum Frauen und Männer sich unterschiedliche Blessuren zuziehen und wann das Unfallrisiko am höchsten ist

München - Das Bangen um Michael Schumacher geht weiter. Der Zustand des Rekordweltmeisters ist kritisch, aber stabil. „Dies ist eine gute Nachricht für den Moment, aber nur für den Moment, weil seine Verletzungen sehr schwer sind“, sagte Schumachers Managerin Sabine Kehm am Mittwoch.

Am Donnerstag sollte es von offizieller Seite keine weiteren Informationen geben. Am Freitag wird das Sport-Idol 45 Jahre alt. Familie, Freunde und Fans haben nur einen Wunsch: Dass Schumacher wieder gesund wird.

Der Fall hat das Unfallrisiko beim Skifahren wieder in den Fokus gerückt. In der vergangenen Saison verletzten sich zwischen 41000 und 43000 Freizeitsportler. 3550 Skifahrer mussten sich stationär im Krankenhaus behandeln lassen. Die meisten, die beim Skifahren stürzen, erleiden Verletzungen am Knie oder an der Schulter. Kopfverletzungen gehen dank der wachsenden Akzeptanz eines Skihelms zurück. Die meisten Skifahrer seien bereits mit einem Kopfschutz unterwegs, teilt der Verband Deutscher Sportfachhandel (VDS) mit.

Interessant ist, dass sich Männer und Frauen unterschiedlich verletzen. Männliche Skifahrer ziehen sich vermehrt Blessuren an der Schulter und auch Kopfverletzungen zu. Der Grund ist die Fahrweise: Sie fahren schneidiger, sind risikobereiter und stürzen dadurch eher nach vorne.

Frauen dagegen neigen den Oberkörper auf dem Ski weiter zurück, die Gefahr, dass sich die Bretter verkanten, ist größer. Bei einem Sturz fallen sie eher nach hinten. Daher erleiden Frauen häufiger Knieverletzungen (49,6 Prozent) – bei den Männern sind es nur 29,8 Prozent. Den Experten zufolge sind die Skibindungen bei Frauen in den meisten Fällen zu fest eingestellt (womöglich auch deswegen, weil sie bei der Angabe des Körpergewichts weniger realistisch sind als Männer): Beim Sturz gehen sie später auf.

Auch die körperlichen Voraussetzungen tun ihr Übriges: Die Muskulatur ist bei Frauen weniger ausgeprägt, Martin Burtscher von der Universität Innsbruck sieht auch im Hormonhaushalt die höhere Gefahr für Knieverletzungen: Östrogen vermindere die Bänderstabilität. Skiunfälle lassen sich nicht nur anhand der Geschlechter auflisten.

So steigt die Zahl der Unfälle gegen elf und nochmal gegen 15 Uhr an: Die Sportler wollen zur Brotzeit auf die Hütte oder später am Nachmittag ins Tal, sie sind körperlich ermüdet und die Konzentration lässt nach.

Zwar ist die Zahl der Kollisionen auf der Piste gestiegen, aber Hauptursache für gefährliche Unfälle bleiben individuelle Fehler. Viele überschätzen das eigene Können und fahren zu schnell.

Hundertprozentigen Schutz vor einem Ski-Unfall gibt es nie. Dennoch kann jeder das Risiko mindern: Untrainiert oder gar krank sollte sich niemand auf die Bretter stellen. Alkohol ist nur beim Après-Ski angebracht. Übermut kann auf der Piste gefährlich werden und Rücksicht auf andere ist Pflicht.