Newsblog nach Amoklauf in München Freund (16) des Amokläufers aus U-Haft entlassen!

, aktualisiert am 25.07.2016 - 16:46 Uhr
Der 18-Jährige hat seinen Amoklauf am OEZ seit langer Zeit geplant. Foto: dpa

Tag drei nach dem Attentat von Ali David S. in München. Die Polizei hat am Montag einen Freund des 18-Jährigen festgenommen. Es soll kurz vor der Tat zu einem Treffen gekommen sein. Alle Entwicklungen im AZ-Newsblog.

  • Der 18-jähriger Ali S. schießt am Olympia-Einkaufszentrum um sich.
  • Er tötet neun Menschen, verletzt 35 weitere, zehn davon schwer. Danach erschießt er sich selbst.
  • Der Deutsch-Iraner soll sich Waffe im Darknet besorgt haben.
  • Festnahme eines vermeintlichen Mitwissers (16).
  • Debatte um Verschärfung der Waffengesetze läuft an.

 

Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen nach dem Amoklauf in München im AZ-Newsblog:

+++ 16-jähriger Freund des Amokläufers wieder frei +++

Wie die Staatsanwaltschaft am Montagnachmittag bestätigte, ist der wegen Mitwisserschaft festgenommene Freund von Ali David S. wieder auf freiem Fuß. Der Haftrichter sieht keinen Grund, den 16-Jährige weiter in U-Haft zu behalten. Die Staatsanwaltschaft München I hat Beschwerde gegen die Entscheidung des Haftrichters einlegen.

+++ Attentäter traf sich unmittelbar vor Amoklauf mit Freund +++

Wie bereits erwähnt, haben Spezialkräfte der Polizei am Sonntagabend gegen 19:15 Uhr einen 16-jährigen Afghanen festgenommen. Dabei handelt es sich um einen Freund des Amokläufers, der womöglich Kenntnis von der bevorstehenden Bluttat hatte.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft haben der spätere Amokläufer und sein Freund sich im Sommer 2015 in einer stationären Psychiatrie kennengelernt. Seitdem pflegten sich intensiven Kontakt zueinander, unter anderem wurde viel über WhatsApp gechattet. Dabei ging es wohl bereits seit den Tagen in der Psychiatrie auch um das Thema Amok.

Genau einen solchen Chat führten die beiden offenbar auch noch kurz vor dem Amoklauf. Die Polizei konnte einen gelöschten Chatverlauf rekonstruieren, aus dem sich ergibt, dass der 16-jährige Afghane und Ali David S. sich offenbar unmittelbar vor der Tat noch in der Nähe des OEZ trafen.

Die Polizei geht davon aus, dass der 16-Jährige wusste, dass sich Ali David S. eine illegale Glock 17 besorgt hat und vermutet, dass er auch von dem bevorstehenden Amoklauf wusste. Deshalb wird nun wegen des Nichtanzeigens einer bevorstehenden Straftat ermittelt.

+++ Freund beschreibt Amokschützen als spielsüchtig +++

Laut der Aussage des 16-jährigen Afghanen soll der Amokschütze Ali David S. "gamesüchtig" gewesen sein. Sich selbst stuft der 16-Jährige ebenfalls so ein. Videospiele seien die primäre und nahezu einige Freizeitbeschäftigung von Ali David S. gewesen.

In der Therapie und danach sollen beide gemeinsam exzessiv Egoshooter wie Counterstrike gespielt haben.

+++ Vater erkannte Schützen auf Video +++

Der Vater von Ali S. erkannte seinen Sohn auf dem McDonald's-Video, das sich schnell via Facebook und Twitter im Internet verbreitete. Er ging daraufhin sofort zur Polizei und äußerte seinen Verdacht.

Die Angaben des Vaters halfen der Polizei jedoch nicht, den Schützen schneller aufzuspüren. Wo sich sein Sohn aktuell aufhielt, konnte der Mann nicht sagen.

+++ Auf Parkdeck nachgeladen +++

Ein mittlerweile weltweit bekanntes Video zeigt den Attentäter auf dem Parkdeck des OEZ, wie er sich ein Wortgefecht mit einem Anwohner liefert. Offenbar nutzte der Täter die Zeit auf dem Parkdeck auch, um seine Waffe nachzuladen.

Nach Erkenntnissen der Polizei hatte Ali S. für seine Glock zwei Magazine mit einer Kapazität von jeweils 17 Schuss dabei. Da er insgesamt 57 Schüsse abgegeben hat, muss er die Magazine zwischendrin per Hand nachgeladen haben.

Das tat er vermutlich auf dem Parkdeck, da die Polizei dort mehrere (unverschossene) Patronen fand. Man geht davon aus, dass sie Ali S. herunterfielen, als er eilig neue Geschosse in seine Magazine drückte.

+++ Täter litt an "sozialer Phobie" +++

Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Polizei war Ali S. im Jahr 2015 für zwei Monate in einer stationären Psychiatrie untergebracht, anschließend folgte eine ambulante Behandlung.

Behandelt wurde er neben Depressionen vor allen Dingen auch wegen einer sogenannten "sozialen Phobie". Dabei entwickeln die Betroffenen Angstzustände, wenn sie mit anderen Personen in Kontakt kommen.

+++ Herkunft der Tatwaffe wird noch ermittelt +++

Wie bereits berichtet, hatte sich Ali S. offenbar eine ursprünglich unbrauchbar gemachte Glock 17 Pistole als Tatwaffe besorgt. Dafür nutzte er wohl das Darknet, darauf deutet ein Chatverlauf hin, der auf seinem Computer gefunden wurde. Der Verkäufer sitzt demnach wohl in Osteuropa, genauere Erkenntnisse zum Verkäufer liegen aber noch nicht vor.

+++ 58 Patronenhülsen sichergestellt +++

Die Polizei konnte im Rahmen der Ermittlungen insgesamt 58 Patronenhülsen sicherstellen. Dabei wurden 57 der Waffe des Täters zugeordnet und eine einer Polizeipistole. Das deckt sich mit den sonstigen Ermittlungsergebnissen, dass die Polizei einmal auf Ali S. schoss, ihn jedoch verfehlte. Alle weiteren Schüsse wurden vom Täter selbst abgegeben.

Damit ist bestätigt, dass es sich definitiv nur um einen Schützen handelte und dass ursprüngliche Augenzeugenberichte von sogenannten Langwaffen, also Gewehren, falsche Beobachtungen waren.

+++ Ali S. verfasste ein Manifest, bevor er seinen Amoklauf startete +++

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt wurden weitere Ermittlungsergebnisse rund um den Amoklauf am OEZ bekanntgegeben.

Demnach hatte der Täter die Mittelschule abgeschlossen und ging derzeit zur FOS. Es ist bekannt, dass er in der Schule oft gemobbt wurde und es 2012 sogar mal Ermittlungen gegen drei Mitschüler gab, weil sie Ali David S. auf dem Heimweg nach der Schule gehänselt hatten. Die drei Schüler sind jedoch nicht unter den Opfern der Schießerei, ebenso wie andere ehemalige oder aktuelle Mitschüler.

Ali S. hatte sich offenbar seit rund einem Jahr auf seine Tat vorbereitet – seit er den Tatort von Winnenden besucht hatte. Darauf deuten Dokumente hin, die auf seiner mehrere Terabyte großen Festplatte gefunden wurden.

Anders als zunächst vom LKA angegeben, fand man auf dem Computer nicht das Manifest des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik, sondern eines, das Ali S. selbst verfasst hat. Darin befasst er sich offenbar mit Amokläufen und seiner bevorstehenden Tat.

Warum der Täter ausgerechnet jetzt und ausgerechnet am OEZ sein Blutbad anrichtete, ist weiterhin unklar.

+++ SZ: Ali S. schoss mit einer umgebauten Theaterwaffe +++

Wie die Süddeutsche Zeitung aus Ermittlerkreisen erfahren haben will, soll sich der 18-jährige Amokläufer seine Waffe illegal im Darknet besorgt haben. Bei der Glock 17 soll es sich demnach um eine Theaterwaffe handeln, die wieder schussfähig gemacht worden ist. Offenbar stammt die halbautomatische Pistole aus der Slowakei.

+++ Drei Opfer noch immer in Lebensgefahr +++

Drei Menschen schweben nach dem Amoklauf vom Freitag noch immer in Lebensgefahr. Das teilte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München mit. Zehn Menschen hatten bei dem Amoklauf am Freitag schwere Verletzungen erlitten, vier unter ihnen hatten Schussverletzungen. Insgesamt wird die Zahl der Verletzten mit 35 angegeben.

+++ Drei der Opfer stammen doch nicht aus einer Familie +++

Korrektur vom Roten Kreuz: Drei der neun Todesopfer stammen zwar aus dem Kosovo, allerdings nicht wie zunächst berichtet aus einer Familie. Die jungen Menschen kamen aus Familien, die sich lediglich sehr nahe standen. Das teilte der Münchner Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes jetzt mit. Das BRK korrigierte somit seine anfängliche Mitteilung, es handele sich um drei Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren aus einer einzigen Familie.

+++ Debatte um Waffengesetze rückt in den Fokus +++

In den Blickpunkt der politischen Diskussion rücken reflexartig die Waffengesetze: Innenminister Thomas de Maizière sagte der Bild am Sonntag, zunächst müsse ermittelt werden, wie der Amokläufer an die Tatwaffe gelangt sei. "Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob und gegebenenfalls wo es noch gesetzlichen Handlungsbedarf gibt." Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel betonte im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Waffenkontrolle ist ein wichtiger Punkt. Wir müssen weiter alles tun, um den Zugang zu tödlichen Waffen zu begrenzen und streng zu kontrollieren." Der SPD-Politiker sagte zudem, Staat und Gesellschaft müssten bei psychisch instabilen Menschen "hinsehen und intervenieren - gerade bei Jugendlichen". Mehr dazu lesen Sie hier.

 

+++ LKA: Zahl der Verletzten nach Amoklauf weiter erhöht +++

Die Zahl der Verletzten hat sich weiter erhöht. Momentan sei von 35 Verletzten auszugehen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München. Zehn von ihnen gelten weiter als Schwerverletzte. Unter den 35 Menschen seien auch welche, die am Freitagabend bei den panikartigen Szenen in Teilen der Münchner Innenstadt verletzt worden waren. 

+++ Innenminister De Maizière besucht Tatort am OEZ +++

Knapp 24 Stunden nach dem Amoklauf besuchte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Tatort. Gemeinsam mit seinem bayerischen Amtskollegen Joachim Herrmann informierte er sich am Samstag gegen 17.40 Uhr vor Ort im Münchner Olympia-Einkaufszentrum über die Bluttat.

"Einen Tatort zu begehen, geht ins Mark. Um die Eltern zu wissen, die um ihre Kinder weinen, die Freunde, die um ihre Schulkameraden trauern. All das ist bitter", sagte de Maizière. Mit seinem Besuch wolle er die Anteilnahme der Bundesregierung übermitteln und den Münchnern wie den Sicherheitskräften Respekt zollen.

+++ Drei Opfer stammen aus einer Familie +++

Nach Angaben des Roten Kreuzes stammen gleich drei der neun Todesopfer aus einer Familie. Das teilte der Münchner Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Samstag mit. Auf dessen Homepage heißt es weiter, es handele sich um drei Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren aus einer Münchner Familie, die aus dem Kosovo stamme. BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Familie vom Roten Kreuz psychologisch betreut werde. Bei dem Amoklauf tötete der 18-Jährige Täter neun Menschen und sich selbst.

+++ Täter verwendete eine Pistole der Marke Glock +++

Der 18-Jährige hat offenbar eine Pistole der Marke Glock mit einem 9-Millimeter-Kaliber verwendet. Außerdem soll er nach bisherigen Informationen in seinem roten Rucksack rund 300 Schuss Munition bei sich gehabt haben sollen.

+++ Facebook-Fanseite für Pressesprecher der Münchner Polizei +++

Ein Mann hat es geschafft, nach dem Amoklauf von München etwas Ruhe zu verbreiten: Marcus da Gloria Martins, der Pressesprecher der Münchner Polizei. Jetzt wird er im Netz für seine souveränen Auftritte gefeiert. Mehr dazu hier.

+++ 100 Menschen suchten Zuflucht in Staatskanzlei und Ministerien +++

Staatskanzlei, Innenministerium und Finanzministerium in München haben in der Nacht des Amoklaufs etwa 100 verunsicherte Menschen vorübergehend aufgenommen. Das sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Samstag auf Anfrage. Allein in der bayerischen Regierungszentrale wurden demnach etwa 20 bis 30 Menschen aufgenommen, Ältere und Kinder mit Getränken versorgt.

Alle drei Regierungsgebäude liegen in der Nachbarschaft des Münchner Odeonsplatzes, auf dem am Freitagabend das Bierfest der bayerischen Brauer stattfand. Nachdem die Behörden die Bürger aufgerufen hatten, wegen einer akuten Terrorlage öffentliche Plätze zu meiden, saßen viele Menschen in der Innenstadt fest, weil auch die U-Bahn nicht mehr fuhr.

+++ Ermittler geben keine Nationalitäten bekannt +++

Die Münchner Ermittler wollen vorerst keine Nationalität der Opfer nennen. "Ich halte mich an die Grundsatzlinie, dass wir die Nationalitäten erst angeben, wenn dies abschließend mit den Familienangehörigen abgesprochen ist", sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am Samstag. "Opferschutz hat hier allerhöchste Priorität."

+++ De Maiziére: Täter nicht polizeilich in Erscheinung getreten +++

Der Amokläufer von München war nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. "Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt", sagte er am Samstag in Berlin. Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. "Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person."

De Maizière bestätigte, dass der 18-jährige Deutsch-Iraner nach bisherigen Informationen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als Einzeltäter gehandelt habe.

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