Präsident Uli Hoeneß hofft, dass Mehmet Scholl sich seinen Rückzug vom FC Bayern noch einmal überlegt. „Er ist in einen Unruhezustand geraten.” Nicht nur die Fans wundern sich über Karl-Heinz Rummenigges kühle Reaktion.

München - Am Montag war Uli Hoeneß mal wieder als Präsident und Freund gefragt, was ja, wie der Fall Jupp Heynckes gezeigt hat, eine knifflige Aufgabe ist. Und Vermittler musste er auch noch sein, nach der kühlen Reaktion von Karl-Heinz Rummenigge auf Mehmet Scholls angekündigten Rückzug als Trainer von Bayern 2. „Das ist nicht so wichtig für uns”, hatte der Vorstandsboss über Scholls Demission gesagt, was nicht nur die Fans verwundert hat. „Ein falscher Zungenschlag” sei in die Debatte gekommen, sagt Scholl-Freund Hoeneß,

Rummenigge habe es nicht so gemeint. Schließlich sei er überrascht gewesen vom Trennungs-Volzug: Scholl hatte Hoeneß und Sportvorstand Sammer (per SMS) in Kenntnis gesetzt; dass der Vorstandsboss dann in der Zeitung lesen musste, „dass Mehmet zuerst den Aufsichtsrat informiert hat, das hat ihn natürlich irritiert” – sagt Hoeneß, der Präsident. Inzwischen gab es eine Annäherung zwischen Rummenigge und Scholl, Hoeneß spricht von einem „stabilen Kontakt”.

In der Sache hat sich nichts geändert. Noch nicht. Scholl will im Sommer seinen Vertrag von Bayern 2 zum Sommer auflösen. Der Präsident Hoeneß sagt abgeklärt: „Wir müssen das zur Kenntnis nehmen”, der Freund ergänzt verwundert: „Es besteht doch gar keine Not, jetzt seinen Rückzug zu erklären. Es ist doch noch ein halbes Jahr hin bis zum Sommer.”

Es war wohl ein Solo, der Scholl-Rückzieher. Unberechenbar wie einst auf dem Platz, wo er 15 Jahre im Bayern-Dress die Fans verzauberte, ist er auch nach seiner aktiven Laufbahn geblieben. Trainerschein, Radio-Moderator, TV-Experte, Plattenlabel-Boss: Mehmet Scholl ist auch mit 42 noch in der Findungsphase, er ist und bleibt ein Suchender, der sich nur schwer in Schemata pressen lässt. Ob er mit den Erwartungen Probleme hatte, seit Rummenigge gefordert hat, Scholls Mannschaft „muss aufsteigen, basta!” Der Präsident sagt: „Das ist doch normal, wenn ich beim FC Bayern arbeite, da ist immer Druck.” Ob Scholl, der Freigeist, sich nicht sicher ist, ob ein Cheftrainer-Posten das Richtige ist für ihn, weil er sich selbst nicht als Karrierist sieht? „Der FC Bayern ist nicht die richtige Spielwiese, um das rauszufinden”, sagt Hoeneß und ärgert sich über die Frage, ob er sich Scholl denn als Assistenten von Pep Guardiola hätte vorstellen können: „Jetzt hört doch alle mal auf mit diesem Co-Trainer-Mist! Erst Raul, jetzt Scholl, als nächstes bringt einer Dirk Nowitzki ins Spiel – diese Frage stellt sich doch heute gar nicht, das ist doch ganz egal.”

Hoeneß glaubt, dass Scholl die vom FC Bayern bis 2014 geduldete Doppelfunktion als TV-Experte und Trainer seit der Gomez-Kritik bei der EM („wund gelegen!”) zugesetzt habe, „er ist im Fernsehen nicht mehr so locker, er überlegt jetzt immer zweimal”. Und wenn er dann zurück an die Säbener gekommen sei, habe er „sich oft isoliert gefühlt – dabei gab es gar keinen Grund dafür”. Scholl sei „in einen Unruhezustand geraten” und habe, so wie er es als Spieler gern tat, „jetzt mal einen rausgehauen” – seine Kündigung.

Dass die Türe zu ist, glaubt Hoeneß nicht. „Jeder weiß doch um Mehmets Verdienste für den FC Bayern. Aber das muss der Vorstand entscheiden”, sagt der Präsident. Und ergänzt: „Wir sollten jetzt mal Zeit ins Land gehen lassen. Aber ich hoffe, dass wir ihn noch überzeugen können. Ich kenn’ doch meinen Mehmet.” Das sagt dann wieder der Freund.

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