"Schmerzhaften Folgen" Rente mit 63: Jetzt klagen die Firmen

Nach 45 Beitragsjahren ist es für Arbeitnehmer möglich, mit 63 abschlagsfrei in Rente zu gehen. Foto: imago

Tausende Arbeitnehmer sind abschlagsfrei in den Ruhestand gegangen – mit "schmerzhaften Folgen" für Arbeitgeber. Was diese nun fordern:

Seit Sommer 2014 haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren mit 63 abschlagsfrei in den Ruhestand zu wechseln. Ab Jahrgang 1953 steigt diese Altersgrenze wieder schrittweise an. Laut aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegen, haben bis Februar dieses Jahres rund 723.000 Menschen einen Antrag auf die abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt.

Der allergrößte Teil dieser Begehren wurde bewilligt, insgesamt rund 687.000 Stück.

Genau dieser Run hat aus Sicht der Arbeitgeber dazu geführt, dass sich der Fachkräftemangel verschärft. "Das hat für Betriebe und Beitragszahler schmerzhafte Folgen", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, dem RND. "Die Rente ab 63 entzieht den Betrieben dringend benötigte Fachkräfte", sagt Kramer. "Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen Milliarden aufbringen, um die abschlagsfreie Rente zu finanzieren."

Vor Kurzem hatte bereits der CDU-Wirtschaftsrat vor weiteren Belastungen der Rentenkasse gewarnt. "Ich bin gegen jegliche Rentengeschenke, weil ich glaube, dass in dieser Legislaturperiode schon zu ausgiebig Rentengeschenke verteilt wurden", sagte der Generalsekretär des Verbandes, Wolfgang Steiger, mit Blick auf die Rente ab 63.

Deutschland brauche eine Zuwanderung wie in den 50er-Jahren

Er nannte es "schlimm", würde der jungen Generation nach diesem Rentenpaket noch mehr aufgelastet. Um das Rentensystem abzusichern, müsse das steigende Lebensalter mit der Lebensarbeitszeit gekoppelt werden, forderte Steiger.

Das würde bedeuten, dass die Menschen in der Regel länger arbeiten müssen. "Eine Erhöhung des Rentenbeitrags wäre arbeitsplatzgefährdend", warnt Steiger. "Und eine Senkung des Rentenniveaus für die Empfänger wäre auch nicht gerechtfertigt, weil viele Menschen es schwer haben, mit der Rente zurechtzukommen."

Die Arbeitgeber verlangen mit Blick auf die Rentenkasse nach der Bundestagswahl eine Zuwanderungspolitik, die sich am Arbeitsmarkt orientiert. "Damit meine ich nicht allein Zuwanderung aus fernen Drittstaaten, die Fachkräfte können auch aus den europäischen Nachbarstaaten kommen – wo die Arbeitslosigkeit höher ist als bei uns", sagte Kramer.

Der Politik müsse schnell klarwerden, dass Deutschland Zuwanderung brauche, so wie in den 50er- und 60er-Jahren. Denn bis zum Jahr 2030 fehlten sechs Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter.

"Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und Deutschland muss sich dieser Situation bewusst sein", sagt der Arbeitgeberpräsident.

Er räumt aber ein, dass dies nicht leicht sei in einer Zeit, "wo zumindest am rechten Rand noch Missbehagen wegen der zurückliegenden Flüchtlingskrise" bestehe.

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