So frisch wie hier kommt das Essen sonst nirgends auf die Teller: In den Lokalen rund um den Schlachthof speisen die Gäste direkt an der Quelle. Heute: Die Cafés der Großmarkthallen

Ein Putenschnitzel in der Semmel bitte und einen Kaffee“, ordert ein junger Mann im Café und Stehimbiss Weihrauch. Das Weihrauch ist eines von zwei Cafés in Halle 1, der Obsthalle am Großmarkt in München-Sendling. „Zum Hier-Essen?“, fragt die Bedienung. „Ja. Haben Sie auch Mayo?“

Der Gast kriegt seine Mayonnaise auf die Semmel, stellt sich an den Stehtisch und beißt genüsslich in sein Schnitzel. Und das morgens um 7Uhr. Am Nebentisch verputzen Arbeiter Wurstsalat. Viele Händler haben jetzt schon einen halben Arbeitstag hinter sich. Lieferanten aus Holland oder Italien kommen in aller Herrgottsfrüh und bringen ihre Ware.

Die haben nach langer Fahrt Lust auf was Deftiges: „Bei mir gibt’s starken Kaffee, aber auch bayerisches Fast-Food“, sagt Peter Weihrauch. Seit 17 Jahren führt er das Weihrauch. Täglich sperrt er um 2.30 Uhr auf, um 13 Uhr ist Feierabend.

Direkt nebenan, im Café Armbrüster sperrt Ingrid Armbrüster (51) schon morgens um 1 Uhr ihr Geschäft auf. Die resolute Frau mit blondem Kurzhaarschnitt hat den Stand in der Obsthalle seit 1996 gepachtet. „Bei mir gibt’s Kuchen, Teilchen, Gebäck, aber auch warme Snacks. Der Klassiker: Warmer Leberkäse“. Der kostet 2 Euro, ein Haferl Kaffee 1,90 Euro. „Die ersten Kunden kommen nachts um 1 Uhr. Holländer ordern immer eine Leberkässemmel. Das gibt’s bei denen nicht.“ Hier leben die Menschen einen anderen Tagesrhythmus: „Um 12 Uhr kommen die Leute zum Feierabendbier“, erzählt Armbrüster, während sie anfängt ihr Café zu putzen.

Wer keine Lust hat, seinen Cappuccino in der Halle einzunehmen, wo sich Obst- und Gemüsekisten links und rechts bis zu zwei Meter hoch stapeln, der biegt bei Halle 1 links ab und geht ins Café Boungiorno. Der Besitzer heißt Robert Buttner. In der Großmarkthalle kennen ihn alle aber nur als „Robby“, er besitzt den Trockenfrüchteladen „Robby Snacks“ nebenan und ist offenkundig kein Italiener.

Doch der Vorbesitzer war einer, erzählt er. Und was es dort gab, wollte er, als er es übernahm, fortführen: Ein Cafè, das Treffpunkt ist für alle in der Großmarkthalle. Eines, das dieses gewisse südländische Flair versprüht. Im Café Buongiorno gibt guten sizilianischen Espresso (1,60) aus der fauchenden Industriemaschine, Panino (2,50) oder Coretto con crema für 1,60 (frisch bestäubt mit Puderzucker wie in Italien üblich). „Einen Doppio?“, fragt Fadila, die seit Eröffnung des Cafes vor über zwei Jahren hinter der Bar steht, einen ihrer Stammkunden, als er zur Tür rein kommt. „Si, wie immer“.

Viele, erzählt Fadila, kommen mehrmals am Tag. Bei gutem Wetter stehen sie draußen an den drei Stehtischen, ansonsten drängen sie sich um die kleine Theke. Dann ist es hier ein wenig wie jenseits des Brenners. Mitten in Sendling.


 Schäftlarnstraße 10, Café Buongiorno Speditionsboxe 1b, östlich der Hallen mit Freifläche, 74 68 90 96, Mo. bis Fr. 4.30 Uhr bis 13 Uhr; Kaffeestube Ingrid Armbrüster Halle1, Stand E, 77 64 47, Mo. bis Fr. 1 Uhr bis 14 Uhr; Weihrauch Café Halle 1, Stand D, 72 54 607, Mo. bis Fr. 3Uhr bis 14 Uhr