So frisch kommt das Essen sonst nirgends auf die Teller: Die Gäste im Schlachthof speisen an der Quelle. Heute: Bei den Bussones

Auf der kleinen Straßeninsel am Großmarkt, an der Thalkirchner Straße 126, wirkt Sendling wie ein kalabresischer Vorstadtort. Dafür sorgen die Bussone-Brüder mit ihrer Trattoria und ihrer Pasticceria, in der es ein wenig zugeht wie in der Nähe von Neapel, woher ihre Eltern stammen. Die kamen in den 1960er Jahren nach München und hatten in der nebenan liegenden Großmarkthalle einen Obst- und Gemüsestand.

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Die Eltern sind längst wieder zurück in ihre alte Heimat. Die Brüder sind geblieben. Gennaro, der besser bairisch redet als manch ein Münchner, betreibt seit fast 20 Jahren die Trattoria Bussone, viele sagen es sei eine der besten der Stadt. Die Pasta ist hausgemacht, der Büffelmozzarellakäse kommt wöchentlich frisch von einem Lieferanten aus Neapel und ist handgedreht (und damit cremiger als das, was es sonst so im Supermarkt unter dem Namen zu kaufen gibt), die wagenradgroßen Pizzen sind sehr dünn, wie in Italien üblich.

Die Karte wechselt alle zwei Tage und ist saisonal: Im Moment dominieren Steinpilze, Pfifferlinge und Sommertrüffel das Angebot. Ein Renner, das ganze Jahr über: die „Spaghetteria“ – für drei bis sechs Personen gibt es einen Topf Nudeln, entweder schlicht mit Knoblauch und Öl, mit Tomaten und Mozzarella oder mit Salsicca. Eine Handvoll junger Leute sitzen um eine gigantische Schüssel herum – das hat was von italienischer Großfamilie.

Hier packt die Familie noch mit an. Bussones Schwager steht hinter der Bar, sein Onkel ist die rechte Hand. Drei italienische Köche stehen für Bussone in der Küche – Franco aus den Abruzzen, Leo aus Apulien, Maurizio aus Kalabrien – und alle drei hatten sie vorher eigene Lokale. Das Konzept scheint aufzugehen. Mittags wie abends kann es eng werden – das Stammpublikum rückt aber gern zusammen. Kein Wunder: Der Branzino vom Grill mit Salat (16,50 Euro) ist ein Gedicht, der irische Lammrücken (16,50) zart und mit einer raffinierten Thymian-Zitronenkruste überzogen, die dem Fleisch eine interessante säuerliche Note verleiht. Und das Pfefferminz-Semifreddo (3,90) ist nicht nur an heißen Sommertagen eine herrlich-süße Erfrischung.

Der kleine Bussone nebenan, von Bruder Felice geführt, versprüht hingegen den Charme eines Arbeiterlokals. Hierher kommen die Arbeiter und trinken morgens um 5Uhr ihren ersten Espresso, bevor es mit der Schufterei losgeht, essen in der Pasticceria eine ofenwarme Brioche oder ein paar Biscotti. Mittags gibt's Pizza und einfache italienische Gerichte. Bayerische Gemütlichkeit trifft auf italienischen Genuss – wer das in München sucht, ist bei den Bussone-Brüdern garantiert richtig.


 Trattoria Gennaro Bussone, Thalkirchner Straße 126, Küche tgl. 11 bis 23 Uhr www.bussone.de, Tel. 7211229; Pasticceria Felice Bussone, Thalkirchner Straße 126, tgl. 5 – 1Uhr