Schleichende Entgrünung der Stadt 14.000 Bäume in München verschwunden

Eigentlich noch recht neu: der Pasinger Bahnhofsplatz in neuer Gestalt. Bäume und Sträucher haben die Architekten jedoch so gut wie nicht eingeplant. Foto: imago

In München verschwindet immer mehr Grün. Dagegen regt sich Protest – und im Westen der Stadt gibt es handfesten Streit.

Pasing - Stolze 800.000 Bäume hat die Stadt. Das klingt zunächst nach viel. "Doch schleichend werden es immer weniger", sagt Rüdiger Schaar, der für die SPD im Bezirksausschuss (BA) Pasing-Obermenzing sitzt. Tatsächlich weist München eine Minusbilanz auf: In nur sechs Jahren sind laut Bund Naturschutz 14.000 Bäume verschwunden.

Umfangreiche Bautätigkeiten in der Boom-Town München und die Nachverdichtung grüner Grundstücke am Stadtrand sind schuld. Für die Baugruben und Tiefgaragen werden die Gärten oftmals "ausgeräumt", beklagt der Bund Naturschutz. Dazu gibt es Baumkrankheiten. Als Ersatz gepflanzte Bäume auf Privatgrund verkümmerten gelegentlich, ohne dass die Untere Naturschutzbehörde das registrieren würde – und Neupflanzungen verlange.

Privateigentümer sollen stärker in die Pflicht genommen werden

"Mehr Bäume in München" heißt das Positionspapier mit 20 Punkten. Der Bund Naturschutz will, dass die Stadt die Vorschläge übernimmt – und will sich deshalb mit den 25 Bezirksausschüssen verbünden. Der Bund fordert unter anderem:

Ein Plus an Bäumen soll München vor dem Klimawandel schützen: "Die Bedeutung von Bäumen für ein gutes Stadtklima steigt", sagt Stadtviertelpolitiker Rüdiger Schaar.

Eigentum verpflichtet: Die Stadt selbst pflanzt viel, loben Stadtviertelpolitiker. Es sind die Münchner Privateigentümer, die beim Baumschutz stärker in die Pflicht genommen werden müssten. München sollte restriktiver agieren und die Anzahl an Bäumen bei Neubauten exakt vorschreiben: "Ähnlich der Stellplatzvorgabe für Kfz soll eine Pflanzvorgabe für Bäume entsprechend der Grundstücksfläche eingeführt werden", formulieren das BN und Vertreter aus den BAs.

"Schleichende Entgrünung" sorgt für Ärger in Politik

Teurere Fällung: Die Ausgleichszahlung von 750 Euro pro Baum, die Bauherren und Privatleute bisher bei einer Fällung an die Stadt zahlen, reiche nicht. Denn: "Bei den gegenwärtigen Immobilienpreisen können die Zahlungen von Ablöse für zehn Bäume durch nur einen zusätzlichen Quadratmeter Wohnungsfläche kompensiert werden", so die schriftliche Begründung.

Münchens schleichende "Entgrünung" – sie wird auch im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing in allen Fraktionen beklagt. Ärger gibt es trotzdem. Winfried Kaum (CSU) wetterte auf der jüngsten Sitzung: "Diese Pläne zum Baumschutz stammen aus dem sozialistischen Giftschrank." Rüdiger Schaar von der SPD entgegnete, das sei eine "unzulässige Unterstellung."

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Pasings BA-Vorsitzender Romanus Scholz (Grüne) sagte zur Befriedung: "Ich hoffe, dass wir beim Baumschutz zu einem einvernehmlichen Beschluss kommen." Danach sieht es bislang aber nicht aus.

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