Schlechte Karten Kieferbruch beim Fußball: Sechs Wochen Suppe

In der Kreisliga kam es zu einem folgenschweren Zusammenstoß. (Symbolfoto) Foto: dpa

Nach einem brutalen Tritt, der ihm einen dreifachen Kieferbruch bescherte, verklagte ein Kreisliga-Stürmer seinen Gegenspieler. Wer haftet?

München - Es passierte schon in der fünften Spielminute der Kreisliga-Partie: Nach einem Freistoß will Stürmer Paul C. (28, Namen geändert) den Ball per Hinterkopf verlängern oder aufs Tor bringen. Und beugte sich dafür leicht nach vorne. Dann der Filmriss. Als der Amateurfußballer aus dem Kreis Landsberg wieder zu sich kam, merkte er sofort, dass etwas nicht stimmt: Mehrere Zähne wackeln und er hat Probleme zu schlucken. An den Tritt ins Gesicht kann er sich nicht erinnern.

Das Spiel wurde unterbrochen, der verletzte Spieler per Helikopter in die Klinik geflogen. Diagnose: dreifacher Kieferbruch. Paul C. wurde operiert und blieb eine knappe Woche im Krankenhaus. Paul C. berichtet vor Gericht wie er danach sechs Wochen lang nur flüssige Nahrung zu sich nehmen konnte. Der Strohhalm für die Suppe passte gerade so durch eine Zahnlücke, die durch den Tritt aufgebrochen war.

Schlechte Karten für den Kläger

Der 28-Jährige hat seinen Gegenspieler wegen Körperverletzung angezeigt und klagt am Landgericht auf 15 000 Euro Schmerzensgeld. Gegenspieler Hans T. (21) hatte ihn damals beim Abwehrversuch getroffen. "Ich habe nur auf den Ball geschaut", erklärt dieser. Der Schiedsrichter ließ das Spiel erst einmal weiterlaufen. Erst als Paul C. am Boden liegenblieb, pfiff der Unparteiische. Und entschied nachträglich auf indirekten Freistoß wegen gefährlichem Spiel.

Doch für eine Haftung reicht das nicht aus. Richter Benjamin Kertai macht klar, dass die Rechtsprechung des BGH ziemlich eindeutig ist. Fußball ist ein Kontaktsport. Wenn die Chance bestand, an den Ball zu kommen, ist ein Schädiger für Verletzungen des Gegenspielers nicht haftbar zu machen. Schlechte Karten für den Kläger. Seine Entscheidung will der Richter am 30. November bekannt machen.

Ob er denn wieder Fußball spiele, wird Paul C. vom Richter noch gefragt. Die Antwort: "Ja, aber nicht mehr so gerne." Er spiele, damit sein Team einen Mann mehr auf dem Platz hat. Freude am Spiel hört sich tatsächlich anders an.

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