Im Lokal "Kebab & More" in der Münchner Bayerstraße prügeln sich zwei Studenten mit dem Wirt und Kellner. Jetzt ist der kuriose Fall vor Amtsgericht gelandet.

München - Mitten in der Vernehmung wendet sich der Kebab-Wirt Saiti H. (40) den beiden Angeklagten im Münchner Amtsgerichtssaal zu und hält ihnen eine Standpauke: „Spaß beiseite. Ihr müsst für eure Fehler geradestehen. Ihr habt mir den ganzen Laden zusammengehauen und ich habe an dem Abend 1000 Euro Umsatz verloren. Was macht ihr für Geschichten?“

Drei Euro für ein Bier ist den Brüdern Philipp (23) und Sebastian Sch. (26) laut Anklage zu teuer gewesen. Im Streit um den Bierpreis bricht Sebastian Sch. mit einem Faustschlag dem Wirt die Nase. Sein Bruder kugelt Kellner Aktan E. (42) den Mittelfinger aus, nachdem ihm der Kellner einen Dönerspieß ans Bein schlägt. Jetzt stehen sie wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Es ist der 3. Oktober 2013. Nach der Wiesn kehren die Brüder gegen 23 Uhr auf einen Absacker im Lokal „Kebab & More“ in der Bayerstraße ein. Aus dem Kühlschrank holen sie zwei Flaschen Bier zum mitnehmen. Aktan K. sagt: „Das macht sechs Euro.“

Sebastian Sch. behauptet vor Gericht: „Auf die Frage, ob wir das Bier nicht ein bisschen billiger haben können, ist der Wirt gleich ausgerastet. Der ist groß und 120 Kilo schwer. Er hat mich direkt am Kragen gepackt. Dann sind wir durchs ganze Lokal gestolpert. Wir wollten nur raus.“

Sein Bruder Philipp schildert den Fall ähnlich: „Wir wollten fünf Euro für die beide Biere zahlen. Der Wirt sagt gleich, schleichst euch. Er ist total aggressiv geworden. Was mit meinem Bruder und dem Wirt passiert ist, habe ich nicht genau gesehen.“

Dann soll sich Aktan E. eingemischt haben. Philipp Sch. sagt: „Der kam mit einem Dönerspieß auf uns zu. Er hielt ihn in der Hand und schrie: ,Wollt ihr noch mehr?’ Dabei hat er mich am rechten Bein getroffen. Es war tagelang blau.“

Als Beweis legen die Strafverteidiger Anwälte Alexander Eberth und Klaus Woryna ein ärztliches Attest vor. Wirt Saiti H. gibt vor Gericht offen zu, dass er den Bierpreis zur Wiesn immer anhebt: „Das macht jeder in der Straße. Wenn man nicht mitspielt, gibt es Ärger. 50 Cent mehr pro Flaschen ist ja nicht viel. Die beiden waren angetrunken und wollten nur Stress machen. Nachdem sie die Flaschen auf dem Boden haben fallen lassen, wollte ich sie aus meinem Lokal drängen. Der Sebastian hat gleich zugeschlagen. Sie sind zu zweit auf mich los. Wir sind durch den ganzen Laden geflogen. Ich habe geschlagen. Die haben geschlagen. Dann kam Aktan dazwischen.“

Schließlich gelingt es Saiti H., die Schläger aus dem Lokal zu drängen. „Draußen haben sie dann rumgeschrien. Ich bin an die Tür. Da zerren sie mich raus und schlagen zu. Ich war an dem Tag körperlich nicht gut drauf, sonst hätte es anders ausgeschaut“, so der Wirt.

Erst als sie eine Polizeisirene hören, rennen sie davon. Saiti H. läuft hinterher. Als er auf eine Polizeistreife trifft, bittet er sie um Hilfe. Die Studente Sebastian und Philipp Sch. legen erst ein Geständnis ab, als Richter Alexander Metz ihnen eine Geldstrafe wegen Körperverletzung in Aussicht stellt. Sebastian Sch. muss 1950 Euro (130 Tagessätze) in Raten abstottern. Sein Bruder 1200 Euro.