Salzburger Festspiele: Peter von Winters „Das Labyrinth”, eine Fortsetzung von Mozarts „Zauberflöte”

Begraben liegt er auf dem Alten Südlichen Friedhof. Als Hofkapellmeister war er ein Vorgänger von Kent Nagano. Der aktuelle Generalmusikdirektor dirigierte im letzten Dezember eine Arie und ein Oboenkonzert aus seiner Feder, als die Musikalische Akademie ihr 200-jähriges Jubiläum feierte. Denn die von ihm mitgegründete Institution lebt bis heute in den Konzerten des Bayerischen Staatsorchesters fort.

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Peter von Winter heißt der wackere Kleinmeister. Die Salzburger Festspiele zeigten nun seine Oper „Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen”. Kaum jedoch wegen der Musik, sondern weil der Ur-Papageno Emanuel Schikaneder 1798 den Text als zweiten Teil von Mozarts „Zauberflöte” zusammengeschustert hat.

Im „Labyrinth” beginnt die Geschichte noch einmal von vorn: Die Königin der Nacht schickt den nächsten Prinzen, Papageno lernt endlich seinen Vater kennen, die Priester prüfen munter weiter. Nur Sarastro schwafelt nicht mehr so salbungsvoll, weil der revolutionsfürchtige Kaiser das Freimaurern in Österreich inzwischen verboten hatte.

Die Handlung ist haarsträubend, aber letztlich unwichtig. Schikaneder hatte mittlerweile ein neues Theater mit bester Bühnentechnik gebaut. Deshalb werden Prospekte und Maschinen nicht geschont. Es gibt fliegende Schwerter, ein Schiff, das sich in eine Wolke verwandelt, geharnischt aufmarschierende Armeen, Vulkanausbrüche und einen Luftspaziergang Paminas, zu dem Winter das Flötensolo aus Mozarts Feuerprobe zitiert.

Nur: Was soll man heute mit diesem Stück Action-Kino vor Erfindung des Kinos anfangen? Die Regisseurin Alexandra Liedtke hatte die nette Idee, zur Ouvertüre eine Wanderbühne zu beschwören. Dies verplätschterte bald, und der Rest des Abends wurde mehr oder weniger halbszenisch bemüht vor einer Leuchtbirnchenwand dargeboten (Bühne: Raimund Orfeo Voigt). Der Ballon im Rücken der Zuschauer blieb unbenutzt, bei der entscheidenden Luft-Prüfung guckte Tamino (Michael Schade) durch ein paar Schlitze. Aber die Regisseurin ist halt Gattin des Wiener Burgtheaterdirektors...

Auch der Musik tat die Aufführung keinen Gefallen. Ivor Bolton animierte gestenreich das vorzügliche Mozarteum Orchester zu einem rauschenden Klang. Der wurde von der lausigen Akustik des Residenzhofs wieder verflacht. Nach der Pause, bei zugezogenem Regendach, tönte es etwas besser. Die Sicht ist bei kaum ansteigender Tribüne ebenfalls schlecht. Frühere Festspiele hatten diese Probleme besser im Griff.

Winters Musik ist typische Wiener Klassik im Stil des späten Haydn, heroisch im Ton, mit kraftvollen Chorszenen und einer opulenten Massenszene nach dem finalen Schwertkampf zwischen Tamino und Tipheus. Die Arien der Pamina (Malin Hartelius) sind schwierig und mindestens so dramatisch wie jene der nächtlichen Königin (Julia Novikova). Nur zu Papageno (Thomas Tatzl) fiel Winter nur blanke Routine ein.

Gesungen wird ganz anständig. Insgesamt ist die Aufführung aber dazu angetan, die Wiederbelebung vergessener Werke bei den Festspielen zu diskreditieren. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass es weit interessantere Opern aus der Ära zwischen Mozart und Weber gibt. Oder sollte es sich gar um eine verkappte Huldigung an den Genius loci handeln?

Wieder am 9., 14., 16., 21., 24. und 26. August. Karten unter www.salzburgfestival.at

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