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Tod in der Badewanne Whitney Houston: Die letzte Diva

Katrin Kuntz, vom 12.02.2012 17:37 Uhr
Whitney Houston: Sie hat 170 Millionen Alben, verkauft und mit ihrer Stimme zahlreiche Fans berührt - doch ihr Leben bekam die Sängerin nicht in den Griff. Foto: dapd
Whitney Houston: Sie hat 170 Millionen Alben, verkauft und mit ihrer Stimme zahlreiche Fans berührt - doch ihr Leben bekam die Sängerin nicht in den Griff. Foto: dapd
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Sie war die Pop-Queen der Achtziger und Neunziger, dann ruinierte sie sich selbst: Nun ist Whitney Houston in einem Hotel in Beverly Hills gestorben. Eine Geschichte von Aufstieg und Absturz.

Los Angeles - Der Soul in ihrer Stimme sorgte für Gänsehaut, ihr Song „I Will Always Love You“ wurde zur Liebeshymne in deutschen Partykellern. Als sie bei einem Football-Spiel die amerikanische Nationalhymne sang, tauchte diese kurz darauf zum ersten und einzigen Mal in den Pop-Charts auf. Abseits der Bühne verlief Whitney Houstons Leben weniger glamourös. Immer wieder kämpfte sie mit Drogenproblemen, führte eine desaströse Ehe, bei ihren letzten Konzerten strömten Fans aus den Sälen. Am Samstag ist die US-Sängerin in ihrem Hotelzimmer in Beverly Hills gestorben, mit nur 48 Jahren.

Houston war in Los Angeles, weil sie die diesjährige 54. Grammy-Gala besuchen wollte. Bei der Verleihung der wichtigsten Musikpreise der Welt, von denen sie selbst sechs hat, sollte sie geehrt werden. Während im Ballsaal des „Beverly Hilton“ die letzten Vorbereitungen für die Vorab-Party laufen, findet ein Bodyguard Houston gegen 15 Uhr Ortszeit bewusstlos im vierten Stock des Hotels. Kurze Zeit ist die Polizei da. Rettungssanitäter versuchen, Houston wiederzubeleben. Sie können nichts mehr tun. Um 15.55 Uhr wird die Sängerin für tot erklärt. Das ist gegen 1.00 Uhr nachts deutscher Zeit. Im Untergeschoss beginnt wenig später die Feier.

Warum Houston so jung starb, ist noch nicht geklärt. Sicher ist jedoch: Amerikas Queen of Pop hatte seit Jahren mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen, erst im letzten Jahr musste sie wieder in eine Entzugsklinik eingeliefert werden. Dass Houstons Tod mit einem Verbrechen zu tun hat, glaubt die Polizei nicht: „Wir haben keinen Hinweis auf eine Straftat von außen. Wir untersuchen noch, aber offenkundige Hinweise auf Gewalteinwirkung gibt es nicht“, sagte Ermittler Mark Rosen. Ob Drogen im Spiel gewesen seien, könne er nicht sagen. „Wir konnten im ersten Moment keine Hinweise finden, wir stehen aber noch ganz am Anfang unserer Untersuchung.“

Die Polizei bestätigte, dass Houston bewusstlos in der Badewanne gefunden worden sei. Möglicherweise sei sie ertrunken, spekuliert der Online-Dienst TMZ. Zudem habe die Polizei Pillendosen gefunden. Nun soll Houstons Leiche untersucht werden. Ein Termin für die Obduktion stand gestern noch nicht fest.

„Ich bin mein größter Feind“, hatte Houston schon vor zehn Jahren in einem Interview bekannt. Ihr Tod kam unerwartet, für viele aber nicht überraschend. Dennoch hat er Freunde und Fans auf der ganzen Welt erschüttert. Vor ihrem Hotel in Beverly Hills versammelten sich Trauernde, sie stellten Kerzen auf und hielten selbstgemalte Transparente hoch. Auch Houstons Tochter Bobbi Kristina, 18, sei vor dem Hotel aufgetaucht, so das Onlinemagazin TMZ. Sie hätte das Hotelzimmer ihrer Mutter aber nicht betreten dürfen.

Aufstieg und Fall der Souldiva lassen sich eindrucksvoll anhand zweier Youtube-Clips nachvollziehen. In einem vom April 1983 sieht man Houston bei ihrem allerersten TV-Auftritt in einer US-Talkshow. Sie knetet nervös ihre Hände, singt mit umwerfender Stimme. Das Publikum tobt, am Ende beklatscht Houston schüchtern sich selbst. Es war der Auftakt einer rasanten Karriere, während der die Sängerin mehr als 170 Millionen Alben, Singles und Videos verkaufte und zur erfolgreichsten R&B-Diva der Geschichte wurde.

Ihr Talent wurde ihr dabei buchstäblich in die Wiege gelegt. Houston wurde am 9. August 1963 in Newark bei New York geboren. Ihre Mutter Cissy Houston war eine erfolgreiche Gospelsängerin, Soul-Queen Aretha Franklin war ihre Patentante, ihre Cousine ist Dionne Warwick. Houstons Erfolg stellte bald alle in den Schatten: Der Produzent Clive Davis entdeckte die damals Zwanzigjährige in einem Club, war hingerissen von ihrer Schönheit und Unschuld – und von ihrer Stimme, die drei Oktaven umspannt.

Vier Studioalben veröffentlichte sie in den Achtzigern und Neunzigern. Ihr Debüt-Album „Whitney Houston“ (1985) mit Hits wie „Saving All My Love for You“, „How Will I Know“ verkaufte sich 25 Millionen Mal und brachte ihr einen Grammy ein. Das zweite Album „Whitney“ (1987) stieg gleich auf Platz Eins der Charts ein. Insgesamt hatte sie sieben Nummer-Eins-Hits in Folge – und übertraf damit sogar den bisherigen Rekord der Beatles und der Bee Gees. Das Soundtrackalbum zu dem Film „Bodyguard“ von 1993, in dem Houston als Sängerin an der Seite von Hollywood-Star Kevin Costner stand, brachte drei Grammys und sieben Oscars ein. Es verkaufte sich – auch dank des Riesenhits „I Will Always Love You“ – 44 Millionen Mal.

Houston war mit ihrer Stimmgewalt, Bescheidenheit und Vielfältigkeit die erste Frau, die einen solchen Blitzstart hinlegte. Doch mit zunehmendem Erfolg begann Houstons Absturz. Sie nahm Marihuana, Crack, Kokain. 1992 heiratete sie den Rapper Bobby Brown, ihre Ehe wurde zu einem desaströsen, öffentlichen Spektakel. 2004 bekannte sie sich zu ihrer Sucht. „Ich habe mir die Seele aus dem Leib gefeiert.“ Drei Jahre später ließ Houston sich scheiden, wollte einen Neustart.

Doch Entziehungskuren und Comeback-Versuche scheiterten. Auf Konzerten hagelte es Buh-Rufe und Pfiffe. Die Drogen hatten Houston ruiniert. Zuletzt wurde sie als Jury-Mitglied der Talent-Show „The X-Factor“ gehandelt. Auf Youtube ist ein Video zu sehen, das sie am Vorabend ihres Todes in einem Nachtclub zeigt. Houston steht mit Kelly Price auf der Bühne, singt den Gospel-Klassiker „Jesus Loves Me“. Ihre Stimme krächzt, das Gesicht ist aufgedunsen. Danach wankt sie auf die Straße, wirkt völlig entrückt. Stunden später stirbt Houston in ihrem Hotelzimmer, alleine. Die Grammy-Veranstaltung auf der sie einst so oft im Mittelpunkt gestanden hatte, sollte wie geplant stattfinden. Jennifer Hudson singt zu ihren Ehren. Die Show geht weiter.

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