Sie erhält im ersten Wahlgang über 60 Prozent der Stimmen. Für den langjährigen Bürgermeister ist das eine bittere Pleite.

MÜNCHEN Die Stimmzettel waren schnell ausgezählt. Weil das Ergebnis gar so deutlich ausfiel. Im parteiinternen Ringen um die OB-Kandidatur bei den Münchner Grünen hat sich Sabine Nallinger durchgesetzt. Bei der Mitgliederbefragung erhielt sie im ersten Wahlgang 60,67 Prozent der Stimmen. Mit einem so klaren Ergebnis hatte kaum jemand gerechnet. Auch Nallinger nicht: „Ich gebe zu, dass es meine Erwartungen übertroffen hat.“ Die Stichwahl wurde gar nicht ausgezählt.

Bürgermeister Hep Monatzeder (60) landete mit 30,76 Prozent auf dem zweiten Platz, der Ex-Stadtvorsitzende Nikolaus Hoenning (40) erhielt 8,24 Prozent der Stimmen. 1200 Grüne – viele davon erst seit kurzem in der Partei – waren aufgefordert, den Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl 2014 zu bestimmen. Die Beteiligung an der Befragung lag bei bloß 48,6 Prozent. Was beim vorigen Mal aber nicht anders gewesen war. Exakt 597 Menschen hatten binnen zwei Wochen ihre Stimme abgegeben.

Im Stadtbüro der Grünen herrschte am Mittag Hochstimmung. Nallingers Parteifreunde standen Spalier und warteten auf ihre Kandidatin: Die kam ein paar Minuten zu spät zur Pressekonferenz. Partei-Chef Sebastian Weisenburger verkürzte die Wartezeit mit einem Scherz. Mit Blick auf sein Handy behauptete er: „SPD twittert: Reiter (roter OB-Kandidat, d. Red.) zieht zurück: ,Gegen Nallinger habe ich eh keine Chance!’“ Ein Spaß – und doch auch Ausdruck für das strotzende Selbstvertrauen der Grünen.

Anzeige

Mit ihrer Entscheidung für Nallinger sind sie die einzige Partei, die bei der OB-Wahl auf eine Frau setzt. SPD und CSU haben noch nie eine Kandidatin ins Rennen geschickt.

Für Nallinger ist es der Höhepunkt einer rasanten Karriere in der Stadtpolitik. Sie ist erst seit 2008 im Rat und hat sich rasch nach vorn gearbeitet. Die zweifache Mutter hatte den bisherigen Platzhirsch Monatzeder mehr und mehr aus der Favoritenrolle gedrängt. Überdeutlich war das bei den OB-Foren geworden – einem öffentlichen Schaulaufen der drei Bewerber. Da war Nallingers Fanclub unüberhörbar.

Auch die SPD zeigte erste Anzeichen von Nervosität. Nallinger hatte gefordert, die Stadt solle mehr Wohnungen bauen. Daraufhin warfen die Roten ihr öffentlich vor, die Stadtpolitik schlecht zu reden. Gestern aber, so berichtete Nallinger, sei SPD-Parteichef Uli Pfaffmann einer der ersten Gratulanten gewesen.

Bitter war der gestrige Tag für Hep Monatzeder. Zu deutlich seine Niederlage. Seit 16 Jahren ist er Bürgermeister. Jetzt wollte er nochmal ran. „Ich habe gezeigt, dass ich's kann“, hatte der 60-Jährige betont und auf seine Popularität verwiesen. Zuletzt gab er aber nicht immer eine gute Figur ab – ob als Aufsichtsrat der maroden Stadtkliniken oder des Deutschen Theaters, bei dem die Baukosten explodieren. Auch dass er anfangs die OB-Foren torpediert hatte, weil zunächst ein Publikumsvotum am Schluss geplant war, kam nicht bei allen in der Partei gut an.

Nallinger betonte aber, das Ergebnis sei „ganz klar kein Misstrauensvotum“ gegen Monatzeder. „Seine Verdienste werden nachhaltig in München zu spüren sein.“ Klang ein bisserl nach Abgesang. Ist es ja auch. Monatzeder will sich 2014 aus der Stadtpolitik zurückziehen. Mit Nallinger (48) haben die Grünen auf einen Neuanfang gesetzt.

Wie erklärt die sich ihren Erfolg? „Ich bin eine Teamplayerin“, sagt sie. „Und ich kann Menschen für Politik begeistern.“ Was ist mit dem Frauen-Bonus? „Ich glaube, dass das nicht das ausschlaggebende Argument ist – aber sicher nicht hinderlich."

Und wie reagieren die Mitbewerber?

Josef Schmid (42), Oberbürgermeister-Kandidat der Münchner CSU: "Mit der Wahl Sabine Nallingers stehen nun alle Oberbürgermeister-Kandidaten für die Wahl 2014 fest. Sabine Nallinger ist eine persönlich angenehme Kollegin. Jetzt freue mich auf den Wettbewerb um die besseren Konzepte für Münchens Zukunft.“

Dieter Reiter, OB-Kandidat der SPD: „Dieses Ergebnis hat mich persönlich nicht überrascht, nachdem ich die Stimmung bei den Grünen mitbekommen habe. Jetzt wird es spannend, aber ich habe vor keinem Gegner Angst. Ich gratuliere ihr und freue mich auf eine konstruktive Auseinandersetzung mit Sabine Nallinger.“