Alles andere als die Goldmedaille wäre eine Überraschung: Der deutsche Achter liegt nach 35 gewonnen Rennen in Serie auf Sieg-Kurs. „Jetzt wollen wir das Ding bei den Hörnern packen”.

LONDON - „Es kann nur einen geben!” Das Highlander-Motto passt perfekt auf den schier unbezwingbaren Deutschland-Achter bei diesen Olympischen Spielen. 35 Rennen en suite hat das deutsche Flagschiff vor dem Olympia-Finale (11.30 Uhr) gewonnen, es kann also nur einen geben, ganz oben auf dem Treppchen. Das sieht sogar die Konkurrenz so, die schon fast vor dem Start kapituliert hat.

„Wir sind in einer guten Ausgangslage – für die Silbermedaille”, sagt Schlagmann Constantine Louloudis von Vize-Weltmeister und Hauptkonkurrent Großbritannien. Zu dominant trat das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) seit dem Schiffbruch von Peking 2008 auf, zu überlegen fuhr die Crew von Trainer Ralf Holtmeyer zu drei WM-Titeln in Folge. „Bisher waren wir die Super-Favoriten, jetzt sind wir die Super-Super-Favoriten. Das wollen die Jungs aber gar nicht hören, wir konzentrieren uns nur auf unser Ding, was die anderen machen, ist deren Sache”, kommentierte Holtmeyer. Das Selbstvertrauen ist vor dem olympischen Finale schier grenzenlos.

„Die Amerikaner sind sicherlich eine Unbekannte. Wir brauchen uns aber nicht künstlich einen Gegner aufzubauen. England ist der größte Konkurrent. Jetzt sind wir kurz davor, jetzt wollen wir das Ding bei den Hörnern packen”, sagt Holtmeyer.

Im Vorlauf hielt das seit 1450 Tagen ungeschlagene DRV-Paradeboot den britischen Achter mit einer dreiviertel Länge sicher auf Distanz. Zudem ließen die Finalgegner mit Ausnahme der USA im Hoffnungslauf wertvolle Körner. Die deutsche Mannschaft um Schlagmann Kristof Wilke (Radolfzell) verfolgte den kräftezehrenden Kampf um die Finaltickets entspannt von der Tribüne aus. „Es hat sich gezeigt, dass wir den stärkeren Vorlauf hatten. Und es war schön zu sehen, wie sich die anderen anstrengen müssen”, sagte Holtmeyer.

Die Mission ist klar – Gold. Erstmals seit 24 Jahren, seit Olympia 1988 in Seoul will der Deutschland-Achte sich wieder mit dem edelsten aller olympischen Metalle dekorieren. Es wäre der sechste Gold-Triumph des deutschen Achters. Auch damals war Holtmeyer der Trainer, der den Achter zu Gold coachte. „Das war ein großartiger Tag”, erinnert sich Holtmeyer.

Das DRV-Paradeboot schickt sich an, den mit dem letzten Platz von Peking 2008 verloren gegangenen Ruf als nationales Erfolgssymbol zurückzugewinnen. Nicht zuletzt aufgrund der bisher dürftigen Medaillenausbeute der gesamten deutschen Olympiamannschaft steht der Achter mehr denn je im Rampenlicht. „Langsam steigt die Anspannung. Aber die werden wir im Rennen brauchen, wenn wir gewinnen wollen”, sagte Steuermann Martin Sauer (Berlin), „und das wollen wir definitiv!”

Ähnlich cool und selbstbewusst reagierte Erfolgscoach Holtmeyer auf die wenig erfreulichen Wetterprognosen der Meteorologen für die Wettkämpfe in London. Demnach könnte das Rennen am Mittwoch zu einer Windlotterie werden. Ein Perfektionist wie Holtmeyer hat auch solche Unwägbarkeiten eingeplant: „Wir beschäftigen uns nicht mit Dingen, die wir nicht ändern können, die wir nicht in der Hand haben. Wir haben zum Ende der Vorbereitung extra in Ratzeburg trainiert, um uns auf solche Windverhältnisse einzustellen.”