Der Flachbau an der Fraunhoferstraße Ecke Baaderstraße wird bald abgerissen. Lange aßen die Münchner hier im Santorini Spaghetti, jetzt feiert bis zum Schluss die „Rubybar: Jockeyclub“

Es ist schön zu sehen, dass wir wohl den Zeitgeist getroffen haben“, sagt Robinson Kuhlmann. Bei bitteren Minusgraden bibberte eine endlos lange Schlange stylischer Leute vergangenes Wochenende vor dem U-förmigen Flachbau an der Isar, um reinzukommen und mitzufeiern – bei der Neueröffnung der „Rubybar“. Die Rubybar ist ein Projekt von Kuhlmann (Robinsons Bar, Attentat Griechischer Salat), Robi Gränitz (Hey Luigi, Niemeyer) und Gomma-Labelbetreiber Mathias „Munky“ Modica.

Sie hat kein festes Zuhause und bleibt nie lang: Seit neun Jahren taucht die Rubybar immer wieder auf, immer an Orten, die der Abrissbirne geweiht sind. Am Jakobsplatz fing alles an: Wo jetzt das Yum2Take steht, war früher ein alteingesessener Grieche. Vor der Kernsanierung sprühte das Ruby-Team bunte Punkte an die Wände und lud zum Umtrunk. „Diese einstöckigen Gebäude haben in der Innenstadt keine Chance mehr – irgendwie blutet einem das Herz, aber es geht ja weiter“, sagt Robinson Kuhlmann. „Wir wollen ihnen die letzte Ehre erweisen und einen würdigen Abschied bescheren.“

Dort, wo über zehn Jahre lang Gäste in der Osteria Santini speisten und sich später eine Reihe erfolgloser Gastro-Projekte versuchten, sollen Wohnhäuser mit Gewerbe errichtet werden. Aber erst in zwei Monaten. Und so lange feiert die Rubybar hier frei nach dem Motto „Jockeyclub“. „Als wir hier reinkamen, dachten wir, sieht das krass aus, wie geplündert – aber es hat trotzdem Charme“, sagt Kuhlmann.

Mitten im Laden steht jetzt ein knallrot lackiertes, lebensgroßes Pferd. Rotes und grünes Licht setzt bekritzelte Betonwände in Szene. Eine kleine Bar am Eingang gibt Flaschenbier aus, an der großen ist die vereinigte Bar-Kompetenz von Robinsons Bar und Hey Luigi am Werk. Das Line-Up, das Modica hinter das DJ-Pult holt, ist eines, das man aus szenigen Nacht-Spots kennt; diesen Freitag legt Benny Röder auf, am Samstag die Kill the Tills. Eine Tanzlocation ist die Rubybar trotzdem nicht, die Leute drängen an der Bar, stehen trinken, ratschen, lachen, sitzen in Nischen.

Und dann? Sitzt jeder einmal auf dem roten Pferd. 


Fraunhoferstraße 43, Fr./Sa. ab 21 Uhr, Eintritt 3 Euro, facebook.com/rubybar