Unseren Internet-Kolumnisten erinnert die Geschichte des Internets irgendwie an die Eroberung des Wilden Westens

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Manchmal, wenn ich über das Internet nachdenke, versuche ich mir vorzustellen, wie das wohl damals gewesen sein muss, als Amerika entdeckt wurde. Die ersten Siedler, oft romantisiert als Abenteurer und Pioniere, machten sich auf, das Terra Incognita zu erschließen.

In Wahrheit handelte es sich oft um Geeks und Nerds, um Außenseiter und Glücksritter, die nichts zu verlieren hatten, ihrer Heimat den Rücken kehrten, um ihr Glück in der neuen Welt zu suchen. Keine 200 Jahre ist es her, da wurden die ersten Eisenbahn-Trassen verlegt. Abraham Lincoln war es, der 1862 den Auftrag erteilte, Kalifornien, die spätere Heimat von Apple, Google und Facebook, mit den Staaten an der Ostküste zu verbinden.

Ein regelrechter Wettkampf zwischen den Bahngesellschaften brach aus, wem es wohl als erstes gelingen sollte, ein flächendeckendes Netz zu besitzen. Vom Westen aus begann die Central Pacific Railroad Company damit, sich ihren Weg in den Osten zu sprengen, vom Westen aus arbeitete sich die Union Pacific in die umgekehrte Richtung. Weil das Rennen um Marktanteile so groß war, dass man mit der Produktion einfach nicht hinterher kam, tat man das, was man in solchen Situationen gerne tut: Man rekrutierte hundertausende Chinesen.

Dank der Gastarbeiter aus Fernost (hier: Fernwest) gelang es, an die zehn Kilometer Schienenstränge pro Tag zu verlegen. 1869 war der große Tag: An einer großen Schlucht in Utah standen sich die beiden Bahngesellschaften plötzlich gegenüber. Man beschloss, die beiden Bahnstücke, Ost und West, miteinander zu verbinden und sich fortan den Profit zu teilen. Der Profit, den die Bahngesellschaften auf diesem Wege machten, war derart gewaltig, dass die US-Regierung 1887 die Interstate Commerce Commission ins Leben rief, um die Abzocke zu beenden.

Aus der ICC wurde später die Federal Trade Commission, die heute Apple, Google, Amazon und Facebook auf die Finger haut, wenn einer der Big Four des Webs mal wieder seine Marktführerschaft ausnutzt. Epilog: Die großen Bahngesellschaften von einst sind übrigens alle pleite gegangen. Einer der Gründe dafür kam ausgerechnet aus der Alten Welt: Ein Deutscher meldete am 29. Januar 1886 das Reichspatent mit der Nummer 37435 an. Der Name des Mannes war Carl Friedrich Michael Benz.