Das Magazin des Deutschen Museums zeigt am Samstag eine Auswahl seiner zahlreichen Kostbarkeiten.

München - Diese Schatzkammer bekommen Menschen, die nicht forschen oder anderweitig wissenschaftlich tätig sind, eher selten zu sehen: das Archiv des Deutschen Museums. Diesen Samstag jedoch, am bundesweiten "Tag der Archive", präsentiert das Magazin im Bibliotheksbau auf der Museumsinsel einige besondere Schmankerl.

Und davon gibt es reichlich: In 4,7 Regal-Kilometern lagern rund 300 Nachlässe, 22.000 Handschriften, 11.000 Porträts von Wissenschaftlern und Ingenieuren, 120.000 Pläne, Zeichnungen Stiche oder Grafiken sowie 1,4 Millionen Fotografien.

Manche werden nur äußerst selten gezeigt: Gewöhnlich ruhen die wertvollen Dokumente bei 14 bis 18 Grad im Dunkeln, und müssen nach drei Monaten Ausstellungszeit 15 Jahre verwahrt werden, damit sie nicht beschädigt werden. Bevor Archiv-Leiter Wilhelm Füßl und sein Stellvertreter Matthias Röschner die kostbaren Originale aus den Umschlägen nehmen, streifen sie weiße Handschuhe über, damit die Stücke keine "Dapper" bekommen, wie Füßl sagt.

Ein besonders heiß begehrtes Stück – "das könnten wir jede Woche ausleihen, was wir aber nicht tun", sagt Füßl und lacht –, eine Original-Werkstattzeichnung von Otto Lilienthal für den "Normal-Segelapparat", hat trotzdem Öl- und Schmierflecken. Allerdings vom Zeichner selbst.

Das Dokument mit den vom häufigen Anpinnen ausgefransten Ecken stammt aus der Werkstatt des Luftfahrt-Pioniers. Die "Dapper" könnten, sagt Wilhelm Füßl, von Lilienthals ölverschmierten Fingern stammen – oder von seiner Wurstsemmel.


Das älteste Dokument

Das älteste Dokument im Archiv des Deutschen Museums wurde ungefähr um 1280 verfasst: eine Pergament-Handschrift von Albertus Magnus, deutscher Gelehrter und Bischof von Regensburg, in lateinischer Sprache. Sein Titel: "Physicorum Libri VIII".

"Der Inhalt dreht sich um physikalische Grundlagen", sagt Archiv-Leiter Wilhelm Füßl. "Diese physikalisch-mathematische Handschrift ist ein Kompendium des mittelalterlichen Wissens."
Bemerkenswert: Wie noch heute üblich, hat auch schon im 13. Jahrhundert ein Wissenschaftler Bleistift-Notizen an den Rändern einzelner Seiten hinterlassen.


Einsteins Briefe

"Hochgeehrter Herr Kollege!", beginnt Albert Einstein seinen Brief, den er am 25. Juni 1913 an den österreichischen Physiker Ernst Mach schreibt. "Dieser Tage haben Sie wohl meine Arbeit über Relativität und Gravitation erhalten", notiert er. Dann lobt Einstein Machs "geniale Untersuchungen zu den Grundlagen der Mechanik" und nimmt ihn gegen die "ungerechtfertigte Kritik" Max Plancks in Schutz. Er verabschiedet sich mit den Worten "Ihr ergebener A. Einstein".

Archiv-Leiter Wilhelm Füßl freut sich sehr, dass er gleich mehrere Korrespondenzen des berühmten Nobelpreisträgers mit Wissenschaftlern seiner Zeit im Fundus hat: "Einstein hat einfach wunderbar geschrieben." Der abgebildete Brief stammt aus dem Nachlass Ernst Machs (1838 – 1916).


Nobel, nobel

Im Jahr 1909 wird der Elektrotechniker Karl Ferdinand Braun (1850 – 1918) für seinen Beitrag zur Entwicklung der drahtlosen Telegrafie mit dem Nobelpreis geehrt. 1954 schenkt seine Familie dem Museum die Urkunde und die 330 Gramm schwere goldene Nobelpreis-Medaille.

Sie ist nicht die einzige im Deutschen Museum. Auch die Auszeichnung der Königlich Schwedischen Akademie für den Physiker Philipp Lenard (1862 – 1947) aus dem Jahr 1905 wird auf der Museumsinsel aufbewahrt.

Heute sind die Goldstücke sehr viel Geld wert: Ende 2014 wurde die Medaille des Medizin-Nobelpreisträgers James Watson in New York für 4,76 Millionen Dollar versteigert.


Das Spionage-Tagebuch

Im Auftrag der bayerischen Regierung reist der Erfinder und Ingenieur Georg von Reichenbach (1771 – 1826) im Jahr 1791 nach England, um sich einen Überblick über den Stand der technischen Wissenschaften im Königreich zu verschaffen.

Oft muss er sich für seine "Betriebsspionage" heimlich Zugang zu den Fabriken verschaffen. Den Pförtner bei "Boulton und Watt" besticht er – stilecht – mit Tabak und Whisky. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion zeichnet er daraufhin die größte Errungenschaft des Unternehmens ab: die Dampfmaschine.

Wenige Jahre später fängt auch in Bayern ein solches Wunderwerk der Technik an zu schnaufen.


Hitchcocks Vögel

Der Musik-Pionier Oskar Sala (1910 – 2002) erfand Anfang der 30er Jahre ein Instrument, das aussieht wie eine Orgel, aber heute als Vorläufer des Synthesizers gilt: das Trautonium, von dem Experten bis heute behaupten, die Bandbreite der elektronisch erzeugten Klänge sei weitaus größer als die seines modernen Nachfolgers.

Alfred Hitchcock war von der klanglichen Vielfalt fasziniert – und engagierte Sala 1961 für seinen Thriller "Die Vögel". Der Deutsche spielte auf seinem Trautonium nicht nur die Filmmusik dazu ein, er produzierte damit auch das furchteinflößende Kreischen der gefiederten Angreifer. Später setzte man auch bei Edgar-Wallace-Filmen auf den elektronischen Grusel-Effekt.

Salas Studio und mehrere Trautonien sind in der Objekt-Ausstellung des Museums zu sehen. Der übrige Nachlass des studierten Physikers, darunter hunderte Tonbänder, werden im Archiv aufbewahrt.

Das Foto zeigt Alfred Hitchcock (l.) und Sala bei den Arbeiten zum Film-Soundtrack, natürlich am Trautonium. Schade: Nach Salas Tod war niemand mehr in der Lage, sein Wunderinstrument zu spielen.


Zukunftsvisionen

U-Bahnen, die Geschoss-gleich durch den Untergrund surren, fliegende Busse und selbst fahrende Autos: So stellte sich der Münchner Grafiker Theo Lässig (1928 – 2015) Mitte der 70er die Zukunft vor.

Bereits vier Jahrzehnte vorher hatte dasselbe Thema schon die Zwillingsbrüder Hans und Botho von Römer (1896 – 1970/1980) beschäftigt, die ebenfalls Illustrationen ihrer Visionen schufen: von Lufttaxis, die auf Dächern landen; von pfeilschnellen Stratosphären-Verkehrs-Flugzeugen; von Ozean-Riesenflugzeugen, die an gewaltige Katamarane mit Airbus-Bauch erinnern.

Auch diese Grafiken sind am Samstag beim Tag der Archive zu sehen.