Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [5.00/2]

Rauchverbot Ein Jahr Rauchverbot: Das sagen Münchner Wirte

akk, vom 31.07.2011 17:06 Uhr
Siehe auch

Seit genau einem Jahr gilt das Rauchverbot. Manche Kneipen müssen wegen Umsatzeinbußen schließen. Andere haben tagsüber mehr Familien zu Gast – und nachts Ärger mit den Nachbarn

München - Ein Jahr qualmfrei – und ein Jahr Ärger mit Anwohnern. Auf diesen Nenner lässt sich das Rauchverbot in Bayern verknappen.

Die Meinungen darüber, wie gut das Verbot klappt, gehen auseinander. „Es ist gut angenommen worden, vor allem in Speisewirtschaften“, sagt etwa Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats. Das KVR verhängt bis zu 1000 Euro Ordnungsgeld, wenn ein Wirt erwischt wird, wenn er seine Gäste im Lokal rauchen lässt. Die Probleme hielten sich laut Schlegel aber „sehr in Grenzen“.

Auch Großgastronom Marc Uebelherr hat mit dem Verbot gute Erfahrungen gemacht. „Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen“, sagt der Wirt von Lokalen wie „Zoozie’s“, „Ocui“, „Ksar“ oder „Salotto“ – lauter angesagte Lokale, die auch nachts gut gefüllt sind. Die befürchteten Umsatzeinbußen habe er nicht: „Im Gegenteil. Das Frühstücks- und Nachmittagsgeschäft läuft besser, weil wieder mehr Familien kommen.“

Auch Arne Brach von der Bar „Jennifer Parks“ mag sich nicht über ausbleibende Gäste beschweren: „Aber ich habe 1000 Euro mehr Ausgaben pro Monat, weil ich Türsteher bezahlen muss, die draußen für Ruhe sorgen.“ Sonst gebe es Ärger mit den Nachbarn. Brach: „Mehr Nichtraucher kommen auch nicht, wie so oft prophezeit wurde.“ Getroffen hat das Rauchverbot vor allem kleine Kneipen und Boazn, in denen gekartelt wurde.

„Die Schafkopf- und Kartenspielrunden verlegen sich in den privaten Bereich. Das ist schade für die bayerische Wirtshauskultur“, sagt Franz Bergmüller, Wirt und Landesvorsitzender des Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur.

Den Volksentscheid hatte der heutige ÖDP-Vorsitzende Sebastian Frankenberger initiiert. Bis heute bekommt er nach eigener Aussage Beschimpfungen und Morddrohungen. Entmutigen lässt er sich nicht. „Wir brauchen eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland, am besten für ganz Europa.“

AZ-Meinung: Rauchzeichen

 

Georg Thanscheidt, Vize-Chefredakteur der AZ, über das Rauchverbot.

Einvernehmlich qualmen und sparen

Rauchen in Münchner Kneipen – das hat was von Whiskey trinken im Chicago der 20er Jahre: Es ist verboten, trotzdem machen es (immer noch) viele. Nach meinen subjektiven Erfahrungswerten als Nichtraucher wird in mindestens einem Drittel der Münchner Wirtschaften gequalmt: meist erst nach 0 Uhr, mancherorts ganztägig.

 

Zur Klarstellung: Mich amüsiert das, und ich halte das noch nicht einmal für so verdammenswert wie Falschparken. Denn meist wird im kompletten Einvernehmen gequalmt: Wenn zu vorgerückter Stunde eh nur Stammgäste da sind, kommen die Aschenbecher auf die Tische. Die Raucher bekommen leuchtende Augen, und wir können weiter quatschen, ohne dass jemand raus muss. Das passiert jeden Abend in dieser Stadt.

In einigen wenigen Wirtschaften wird einfach immer gepafft. Ein findiger Wirt hat sogar ein Sparschwein auf den Tresen gestellt – für jede Kippe eine kleine Spende. So will er irgendwann mal die fällige Strafe zahlen.

 

 

Kommentare (34)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
AUG
10
15:59 Uhr, geschrieben von Bluto
Grad wie in Palermo
Lieber Herr Thanscheidt, die Idee mit dem Sparschwein ist so neu nicht: Wenn sich viele Gesetzesbrecher zusammentun, um im Fall der Verurteilung eines einzelnen dafür zu sorgen, dass es ihm und seiner Familie weiterhin gut geht, er also die Folgen seines Tuns nicht zu tragen hat, dann machen sie den Gesetzesbruch zu "unserer Sache". Auf italienisch "Cosa Nostra" Die Idee ist ja ausbaufähig: z.B. könnten sich hunderte Münchener zusammentun und für jede unbezahlt aus einem stummen Verkäufer entnommene AZ 10 Cent in eine gemeinsame Kasse einzahlen, aus der dann die Strafe bezahlt werden, wenn einer erwischt wird. Ist das nicht auch findig?
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
-3
Kommentar bewerten
AUG
05
15:06 Uhr, geschrieben von moritz22
Die "armen" Nichtraucher
Aus vielen Beiträgen in diesem Forum schlägt mir Hass und Frust ent- gegen, das hat mit der Sache nichts mehr zu tun. Beleidigungen wie "Rauchergschwerl" NikotinJunkie und als Raucher blöd zu sein, das ist Provokation der übelsten Art. Wer derart gehässig und bösartig argumentiert schiebt einen Lebensfrust vor sich her, vielleicht könnte da eine Zigarette helfen!! Die Nichtraucher sollten auch mal über die Einnahmen die über die Tabaksteuer dem Staat zufliessen nachdenken, auch sie profitieren davon, Deutschland ohne Raucher, Kramolt müsste sich nicht mehr aufregen, Sybille könnte ohne morgens schon kotzen zu müssen zur S-Bahn gehen, sofern noch eine fährt.Ich rauche gerne und ich rauche auch weiterhin, selbst wenn ich damit die intoleranten Nichtraucher mit finanziere, wenn das nicht tolerant ist? Wer sich "AntiraucherGOTT" nennt, sollte über eine Therapie nachdenken.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
3
Kommentar bewerten
AUG
04
20:38 Uhr, geschrieben von Rolf aus München
Wieso ging der Volksentscheid so aus
Hallo liebe Raucher und Nichtraucher, für alle die sich immer auf den Volksentscheid berufen: Ich kann Euch erklären warum das Ergebniss für die Raucher doch so niederschmetternd war und warum meiner Meinung nach dieser Volksentscheid fragwürdig ist. Erstens: Wochen vor dem Volksentscheid lief auf vielen Radiosendern eine Wahlwerbung der ÖDP in der behauptet wurde, dass bald überall wieder geraucht werden darf, wenn mit "Nein" gestimmt wird. Definitiv ein Falschaussage und Irreführung. Schon vor dem Volksentscheid waren Gaststätten zu 70 % rauchfrei ! Wahlspots der Raucher waren nicht erlaubt. Das ist Fakt! Zweitens: Alle fanatischen Nichtraucher gingen zur Wahl. Und der Bayer mit seiner Gemütlichkeit und seinem Vertrauen an seinen Freistaat hätte den Ausgang der Wahl niemals so erwartet und sparte sich den Gang zur Wahlurne. Ein Fehler sicherlich, aber wir sind hier in Bayern, wo man gewohnt ist leben und leben zu lassen. Aber spätestens jetzt wissen wir, dass uns andere nicht leben lassen wollen.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
20
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  12
nächste
Bub (6) auf Schnellrestaurant-Toilette missbraucht
Am Pissoir eines Schnellrestaurants in Obersendling berührt ein Mann einen sechsjährigen Bub unsittlich. Die Polizei sucht den Täter.
Simone Rethel: Ich dachte, er lebt immer
Simone Rethel spricht in der AZ zum ersten Mal darüber, wie es ist, ohne ihren geliebten Jopie aufzuwachen – und weiterzumachen.
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
11:52   Regierung über Spielsucht an Automaten und im Internet besorgt
11:32   Fitch senkt Kreditwürdigkeit Japans auf "A+"
11:19   Trillerpfeife gegen Werbeanrufe - Prozess
10:54   Peter Altmaier neuer Bundesumweltminister
10:48   IAEA: Einigung auf Untersuchung von Irans Atomforschungen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
AZ-Pflegekompass

Konzert Tickets

Interaktiv
  • Umfrage
Start_dpa

Edmund Stoiber setzt sich nach dem Düsseldorf-Skandal erneut für Sicherheitszäune in Stadien ein - der richtige Ansatz?

 
Ja, nur so kann man die Chaoten unter den Fans kontrollieren.
Nein, das ist ein Rückfall in alte Zeiten - die Fans dürfen nicht "eingesperrt" werden.
Es muss sich etwas im Fanverhalten ändern - aber das ist die falsche Maßnahme.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video