Ratgeber "Stressmanagement" Der Krankmacher Stress, seine Folgen - und Auswege

Dauerstress - oder "chronischer Stress", wie es in der Medizin heißt - macht Körper und Seele krank. Foto: pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)

Die Menschen fühlen sich heute gestresster als früher. Dies gilt mittlerweile als Gemeinplatz. Häufig finden Wissenschaftler die Gründe für einen erhöhten Stresspegel am Arbeitsplatz und in der dort sehr hohen Leistungsmentalität. Nicht seltener, aber dafür weniger publik sind Gründe, die in der Familie oder der persönlichen Situation liegen.

München - Unabhängig davon, woher der Stress kommt, kann er vor allem in einem Resultat münden: Krankheit. Grund genug dieses „Stress-Bakterium“ und seine Folgen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Auslöser sind ganz individuell, die Reaktion jedoch folgt einem Muster.

Während sich der Mitarbeiter durch die Arbeitssituation gestresst fühlt, fühlt der Prüfling dasselbe, wenn er an die Prüfung denkt. Die Tatsache, dass zwei Komponenten aufeinander prallen ist gleich, nur der Auslöser ist ganz individuell verschieden, wie auch dieses Praxisbeispiel zeigt: Während das Autofahren in der Großstadt für die Landbevölkerung zum Stressfaktor werden kann, artet ein Ausflug mit der Bahn für denjenigen in Stress aus, der nur ausnahmsweise auf öffentliche Verkehrsmittel baut und den es völlig aus der Spur wirft, wenn eine Bahn nicht so fährt, wie das im Fahrplan geschrieben steht.

Unabhängig davon, was der individuelle Auslöser von Stress ist, lassen sich doch stets vier Stressphasen definieren:

1.) Die Vorphase. Den Betroffenen bleibt sie häufig als Schrecksekunde im Kopf. Körperlich betrachtet wird der Stoffwechsel minimiert, um alle Kräfte für die Aktivierung zur Verfügung zu haben.

2.) Die Alarmphase. Durch die Ausschüttung von Adrenalin bekommt der Körper Energie. Der körperliche Motor (Herz, Muskeln, Blutdruck) läuft auf Hochtouren.

3.) Die Handlungsphase. Während die Vorfahren vor dem Feind flohen, fährt der stressgeplagte Autofahrer rechts an den Rand und versucht sich zu beruhigen. Alternativ macht er seinem Ärger mit lauten Beschimpfungen Luft.

4.) Die Erholungsphase. Fällt der Stressfaktor ab, erschlafft der Körper förmlich. Es folgt ein Erschöpfungszustand, der auch dazu dient, die Energiereserven im Körper zu erneuern.

 

Stress macht langfristig krank

 

Bereits beim Stichwort „Adrenalinausschüttung“ in Phase 2 sind wahrscheinlich einige Leser hellhörig geworden, denn: Adrenalinausschüttung belebt den Körper ungemein. Wichtig ist dies beispielsweise in einer Prüfungssituation. Dabei kann Stress zum Motor werden, der den Prüfling Höchstleistungen erbringen lässt. Im Körper passiert dann Folgendes: Das Stresshormon HPA wird in der Akutphase aktiviert. Damit werden ganz akribisch gehortete Energiereserven urplötzlich wieder verfügbar. Ähnliches ist häufig im Falle eines Unglücks zu beobachten: Der Stressfaktor lässt die Menschen schier Unmögliches erreichen. Ohne den Energielieferanten Stress wäre ihnen dies nie möglich gewesen.

Das Problem ist nur die „Dosis“ des Stresses. Während gelegentlicher Stress sogar als positiv beschrieben wird, ist eine dauernde Hab-Acht-Stellung des Körpers langfristig gesundheitsgefährdend. In der Medizin nennt sich dieser Zustand dann „chronischer Stress“. Und dieser wird häufig mit den falschen Strategien bekämpft, heißt es in einem Fachartikel im Spiegel: „Doch die Kompensationsstrategien, die er (der Mensch) ergreift, führen häufig zu noch längeren Bürozeiten, Wochenendarbeit und abendlichen E-Mail-Checks. Eine Scheidung, Arbeitslosigkeit, die längere Pflege eines kranken Angehörigen, Marathonlaufen oder eine chronische Erkrankung wie Typ-2-Diabetes können ebenfalls chronischen Stress verursachen. (...) Fehlernährung, Bewegungsmangel und Gewichtszunahme können ebenso Folge von Dauerstress sein wie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.“

Folgen körperlicher und seelischer Natur


 Wen der Stress um den Schlaf bringt, der muss die Reißleine ziehen und handeln, bevor ernsthafte Erkrankungen folgen. Foto: pixabay.com © Wokandapix (CC0 Public Domain)

Die Liste der Folgen, die auf chronischen Stress zurückzuführen sind, ist lang und zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen die körperlichen Erkrankungen, die auf Dauerstress zurückzuführen sind. Das sind beispielsweise bekannte Herz-Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen), Verdauungsprobleme (Erbrechen, Sodbrennen und Durchfall) oder Magen-Darmerkrankungen (Schleimhautentzündungen, Geschwüre). Ein geschwächtes Immunsystem, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Virus- und Hauterkrankungen (Herpes, Neurodermitis, Allergien, Asthma) sowie Stoffwechselstörungen können ebenfalls die Folge von Dauerstress sein. Doch auch die menschliche Seele leidet darunter, dauerhaft in Alarmbereitschaft zu sein und reagiert mit Angst, Tinnitus, Depressionen, Konzentrationsstörungen, Nervosität, ADHS und Burnout.

Handelt es sich um eine krankhafte, chronische Stress-Erkrankung, sollte der Stress als Auslöser erkannt und bekämpft werden. Dies funktioniert am ehesten mit ärztlicher Unterstützung. Um die innere Ruhe wiederzufinden, helfen viele Wirkstoffe aus der Natur. Wer online recherchiert, kann sich einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Wege verschaffen, wie der Organismus so beruhigt werden kann, dass kein gefährlicher Schlafentzug entsteht. Während die einen in punkto Selbstmedikation auf Beruhigungstees aus Johanniskraut oder Baldrian setzen, haben andere Mittel entdeckt, die genau in der Panikphase schnelle Wirkung erzielen.

Stress-Management funktioniert auf verschiedenste Art und Weise


 Ein Ausgleich muss her, um den gefährlichen Stress im Keim zu ersticken. Foto:   pixabay.com © geralt (CC0 Public Domain)

Chronische Stresssituationen langfristig zu bekämpfen, muss das erklärte Ziel sein mit Blick auf die lange Liste an Krankheiten, die sonst drohen könnten. Doch wie kann der Stressfaktor kontrolliert werden? Mentale Stärke ist das, was hilft, um sich langfristig vom Stress-Dämon zu befreien. Wer die innere Balance und Stärke besitzt, in Stresssituationen ruhig zu bleiben, wer den Stress nicht zum Dauerbegleiter bei Tag und Nacht werden lässt, der hat es geschafft, Stress als temporären Motor anzuwenden, ohne sich von ihm überrollen zu lassen.

Ein effektives und dabei realistisches Zeitmanagement kann helfen, das Aufflammen von Stress zu unterbinden, denn keiner muss in Stress geraten, wenn genügend Zeit da ist, um die gestellten Aufgaben zu bewerkstelligen. Experten raten zu einem schriftlichen Tagesplan, der allerdings nur zwei Drittel der verfügbaren Zeit belegt. So bleibt ein kleiner Zeitpuffer für unvorhersehbare Eventualitäten. Daneben sollte pro Stunde eine fünfminütige Pause eingeplant werden.

Ein bewusster Umgang mit Stress bzw. die Kenntnis von ganz persönlichen Stressauslösern kann dabei helfen, den Stresslevel einzudämmen – indem die Stresssensoren minimiert werden. Wichtig ist auch, einen Ausgleich zu schaffen, der ein gesundes Gegengewicht zum Stress darstellt. Regelmäßiger Sport, Entspannungsübungen oder bewusst ausgelebte Hobbys können dabei helfen, den Stress zu nützen, ohne sich von ihm überrennen zu lassen.

 

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