Queen Esther Marrow Ron Williams über das Abschiedskonzert

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Der Entertainer Ron Williams über Queen Esther Marrows Abschiedskonzert mit den Harlem Gospel Singers in der vollen Münchner Philharmonie

Ich selbst bin mit Queen Esther vor wenigen Jahren getourt, und damit natürlich befangen. Aber ich glaube jeder hat am Montagabend im Gasteig etwas Besonderes gespürt: Wie sich die nicht besonders geeignete Philharmonie plötzlich in einen fantastischen Gemeinschaftsraum verwandelt hat – egal ob Queen Esther den Südstaatensong „Georgia“ sang, etwas von Chicago oder „Amazing Grace“. Es ist diese warme, starke Stimme, die aus der Tiefe eines erfahrungsvollen Lebens kommt, die – ohne sich vorzudrängen – allem eine klare Farbe von „Glaube, Liebe und Hoffnung“ gibt.

Mich haben Besucher gefragt, warum auf der Leinwand hinter der Bühne neben Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Chè Guevara auch Adenauer, Johannes Paul II. und Ronald Reagan zu sehen waren. Ich glaube, es ging Queen Esther einfach darum, Männer zu zeigen, die Großes bewegt haben.

Das ist Würde!

Ein Reagan-Fan war sie – trotz seiner Aussöhnung mit der Sowjetunion – aber sicher nicht. Und das führt zu dem überwältigenden Schluss des Konzerts im Gasteig, als sie davon gesprochen hat, dass der Kampf tausend Mal weitergeht, dass man zusammenhalten, menschlich bleiben muss und vor allem: Dass man aufstehen muss und handeln! – und das alles zum Song „Reach out and touch somebody’s hand, make this world a better place, if you can.“

Das ist Queen Esther: klar, kämpferisch, aber ohne zu direkt politisch zu sein oder Donald Trump beim Namen zu nennen. Das ist Würde!

Die gute Nachricht

Der musikalisch stärkste Moment war für mich, als a cappella klassische Gospels gesungen wurden. Gospel kommt von „Good Spell“, also „Gute Nachricht“ – das gleiche, was ja auch das Wort Evangelium bedeutet. Hier war das Konzert am spirituellsten. Aber die Kunst so einer Show ist es, niemanden zwanghaft zu missionieren. Es geht einfach darum, eine für Gospelsänger selbstverständliche spirituelle Atmosphäre zu erzeugen. Queen Esther kommt ja von Jazz her, singt auch Soulsongs, selbst Prince war ja auf dem Programm, aber sie macht alles atmosphärisch zum Gospel.

Das schafft eine ganz besondere Beseeltheit – da wird „Glaube, Liebe, Hoffnung“ transportiert ohne jeden Kitsch oder Geschmacklosigkeit. Mich selbst hat das alles unglaublich bewegt – natürlich auch, weil ich mich als Amerikaner aus dem kalifornischen Oakland für gute zwei Stunden plötzlich wieder ganz zu Hause gefühlt habe. Denn natürlich hilft es, die ganze Geschichte der Schwarzen in Amerika als dunklen Hintergrund zu kennen und zu spüren. Und ich bin auch ein bisschen wehmütig, dass wir Queen Esther in Europa nicht mehr mit ihren Gospelkonzerten erleben werden.

Ich vermisse sie!

Ich fahre zum letzten Konzert am 31. Januar noch einmal nach Köln und sage ihr, wie sehr wir sie vermissen – und vielleicht kommt sie ja noch einmal wieder, dann vielleicht als fantastische Jazz-Sängern, die sie ja auch ist. Auch in diesem Fall gilt – nicht nur im gesellschaftlichen Sinne, wie sie es an das Ende ihrer Show gestellt hat: „Keep Hope alive!“

 

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