Pumuckl Seine Mütter feiern Versöhnung

Sind wieder versöhnt: Barbara von Johnson und Ellis Kaut mit ihrer Tochter Barbara Bagnall. Foto: Peter Weissflog

Nach jahrelangem Streit raufen sich Autorin Ellis Kaut (92) und Zeichnerin Barbara von Johnson (70) endlich wieder zusammen.

München - Manchmal finden Münchner Geschichten ein Happy End, wie selbst das Fernsehen es kaum besser hinbekommt. Genau so ist das mit der Beziehung zwischen Ellis Kaut (92) und Barbara von Johnson (70). Über Jahre haben die beiden Pumuckl-Mütter kein Wort miteinander gesprochen. Jetzt haben sich Kaut, die Autorin, und von Johnson, die Zeichnerin, endlich wieder versöhnt – und sogar ein Comeback des populären Klabauters steht nun bevor: „Wir wollen jetzt nach vorne schauen und den kleinen Kobold mit lustigen Geschichten und neuen Streichen wiederbeleben.“

 Die Erfolgsgeschichte der beiden beginnt früh. 1963 gewinnt von Johnson, die eine Ausbildung zur Gebrauchsgrafikerin macht, den von Ellis Kaut an der Akademie für das Grafische Gewerbe in München ausgeschriebenen Wettbewerb zur Visualisierung von Pumuckl. Bis 1978 illustriert sie für Kaut zehn Pumuckl-Bücher und 33 Plattenhüllen. Neben der Zusammenarbeit mit Kaut arbeitet sie erfolgreich als Kinder- und Schulbuchillustratorin.

Ab 1983 ist sie als freie Künstlerin tätig und zieht drei Söhne groß. Ellis Kaut betreut beim Bayerischen Rundfunk Kindersendungen und widmet sich der Malerei und Fotografie. Ihr Pumuckl wird zum Selbstläufer. Kaut hat eine Tochter, die in ihre Fußstapfen tritt: Uschi Bagnall (68), die mit ihrem Mann Brian seit 1970 die „Bagnall Studios“ für Cartoon, Karikatur, Illustration, Malerei und Texte, betreibt. Obwohl Barbara von Johnson ab 1992 keinen Einfluss mehr auf die grafische Gestaltung des Pumuckl hat, bleiben sie Freunde.

Vor allem mit der fast altersgleichen Uschi Bagnall pflegt sie eine enge Verbindung. Deren Gatte Brian Bagnall ist für die zeichnerische Weiterführung von Pumuckl verantwortlich. 1998 lernt von Johnson den Kaufmann Wolfgang Krause (62) kennen. Zwei Jahre später werden sie ein Paar. Rückblickend sagt Barbara von Johnson: „Wolfgang ist so ein Ellenbogentyp. Ein völliger Gegensatz zu mir. Ich habe das damals bewundert – aber später bereut.“

Denn danach kommt der Bruch. Wolfgang Krause – so sieht von Johnson das heute – habe Pumuckl-Streitereien zwischen ihr und Ellis Kaut durch alle juristischen Instanzen vom Zaun gebrochen. In einem Interview hat Krause einmal eingeräumt: „Seit 2001 habe ich die kaufmännischen Angelegenheiten allein geführt.“ Auch weil Barbara, seine Lebensgefährtin, so „innig verbunden mit der Esoterik-Szene“ sei. Vor Gericht erstreitet Krause etwa, dass von Johnson rechtmäßig als die „optische Mutter und Urheberin des Pumuckl“ gilt.

2007 schlägt Ellis Kaut zurück. Sie verbietet einen Kinder-Malwettbewerb, den Barbara von Johnson unter dem Motto „Eine Freundin für Pumuckl“ ausrichten will. Kauts Begründung: „Eine Geschmacklosigkeit. Gespenster heiraten nicht!“ Den daran anschließenden Prozess verliert Kaut allerdings.

Ihr Lebensgefährte, so von Johnson, sei es gewesen, derwegen Pumuckl Gott und die Welt verklagt habe. Sogar auf Schreinermeister Armin Krattenmacher ging er los, weil der auf 40 Quadratmetern ein Pumuckl-Mini-Museum in Ohlstadt bei Murnau betreibt. Weihnachten 2011 ist Barbara von Johnson davon nervlich zermürbt. Ihr Lebensgefährte habe sie ausgenutzt „und einen Keil zwischen mich und meine Söhne getrieben“, sagt sie heute.

„Ich habe meinen ,Außenminister’ – so habe ich Wolfgang immer genannt – vor die Tür gesetzt. Alle glaubten, ich sei so streitbar.“ Nach der Trennung denkt von Johnson viel nach. Schließlich schreibt sie Ellis Kaut einen Brief: „Liebe Ellis. Pumuckl wird 50. Ich gratuliere. Vieles hat der kleine Kerl erlebt und durchgemacht. Jetzt trennt er Gutes vom Schlechtem (Midlife-Krise). Auf eine friedliche Zukunft freut er sich und hat noch viele Ideen (Altersweisheit).

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch wir uns auf eine friedliche Zukunft freuen können. Deine Barbara.“ Der Brief bleibt nicht unbeantwortet. Einen Monat später treffen sich die Pumuckl-Mütter endlich wieder. „Wir lagen uns heulend in den Armen“, sagt von Johnson. Ellis Kaut ist zwar gesundheitlich fit. „Aber geistig nicht mehr so sehr. Sie vergisst viel“, sagt Tochter Uschi Bagnall; ihre Mutter fühle sich der Öffentlichkeit nicht mehr gewachsen.

Uschi Bagnall und Barbara von Johnson wollen jetzt eng zusammenarbeiten. Neue Bücher, neue Hörspiele oder eine neue TV-Reihen sind im Gespräch. „Wir haben viele Ideen“, sagen die wiedervereinten Freundinnen. „Konkret können wir noch nichts sagen, weil noch einige Rechtsfragen geklärt werden müssen.“ Es wird aber schon ein Happy End geben. Ganz bestimmt.

 

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