Acht Monate nach dem Amokalarm an einer Memminger Schule hat am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess gegen den inzwischen 15 Jahre alten Schützen begonnen. Hinter einer eigens für ihn aufgebauten Schutzwand wurde der Schüler streng abgeschirmt in den großen Sitzungssaal des Memminger Landgerichts geführt

Memmingen - Der Prozess vor der Jugendkammer in Memmingen ist wegen des Alters des Angeklagten nicht öffentlich. Dem Schüler werden vor der Jugendkammer des Landgerichts Memmingen unter anderem Nötigung, unerlaubter Waffenbesitz und zwölffacher versuchter Totschlag zur Last gelegt.

Der zur Tatzeit noch 14-jährige Achtklässler soll im Mai vergangenen Jahres aus dem Waffenschrank seines Vaters Pistolen genommen und in seiner Schule einen Schuss abgefeuert haben. 280 Schüler verschanzten sich mit ihren Lehrern in ihren Klassenzimmern. Dann verschwand der Mitschüler mit seinen Waffen. Einige Stunden später tauchte er auf einem Sportplatz wieder auf und schoss um sich. Stundenlang widersetzte er sich seiner Festnahme. Es gab keine Verletzten.

Liebeskummer soll das Motiv für den simulierten Amoklauf an der Memminger Schule gewesen sein. Die 13-jährige Freundin des Täters habe am Tag zuvor Schluss gemacht, sagte ein Justizsprecher am Dienstag im Landgericht Memmingen. „Er hat sich von ihr ungerecht behandelt gefühlt.“ Zum Prozessauftakt habe der 15 Jahre alte Angeklagte in der nicht-öffentlichen Verhandlung die Tat eingeräumt und auf das Ende der Beziehung verwiesen.

Im Falle einer Verurteilung droht dem Schüler eine bis zu zehnjährige Jugendstrafe. Für den Prozess wurden fünf Verhandlungstage angesetzt. 80 Zeugen und fünf Sachverständige sind geladen.