Mützen-Bommel, Mantelkrägen, Stiefelfutter: Tierschützer sind entsetzt über die Rückkehr von Fell-Accessoires in der Mode.

München - Jahrelang waren Pelze weitgehend aus den Bekleidungsgeschäften ver-schwunden – doch jetzt erleben sie eine Renaissance: als Bommel an Mützen, Kragenbesatz, als Stiefelfutter, als Jacke oder gleich als Mantel.

Für Judith Brettmeister und ihre Mitstreiter ist diese Entwicklung das blanke Grauen: „Für jeden Pelz stirbt ein Lebewesen auf grausamste Weise“, sagt die Sprecherin des Münchner Tierschutzvereins. Allerdings sei das Bewusstsein dafür, dass es sich um tierische Produkte handeln könnte, bei den Verbrauchern kaum noch vorhanden – „und vielen ist das auch einfach wurscht.“

 

Tiere verstümmeln sich selbst

 

Doch jedes Jahr werden weltweit eine Milliarde Kaninchen in Pelzfarmen gezüchtet und für die Mode-Industrie getötet – dazu Millionen Nerze, Füchse, Waschbären Chinchillas, Hunde und Katzen. Ihr kurzes Dasein müssen diese Tiere oft unter schrecklichen Bedingungen fristen.

„Die Qual und das Leiden, die das Leben im Käfig auslöst, führen dazu, dass sich Füchse, Waschbären und andere Tiere selbst verstümmeln und sich Beißwunden an Haut, Schwänzen und Füßen zufügen“, heißt es dazu in einem Bericht der Organisation „Peta“. „Sie werden zu Kannibalen, die ihre Artgenossen im Käfig aufessen.“

Lesen Sie hier: Erschütternde Tierquälerei - 86 Meerschweinchen in der Badewanne

Auch ihr Tod ist qualvoll: Damit das Fell nicht beschädigt wird, werden die Tiere erschlagen, erdrosselt oder vergast. Manche der Vierbeiner verlieren allerdings nur das Bewusstsein – und kommen wieder zu sich, wenn ihnen die Haut unter unvorstellbaren Schmerzen vom Körper abgezogen wird.

 

Tod per Elektroschock

 

Andere Züchter setzen auf eine effektivere, aber ebenso grausame Tötungsmethode: den Exitus per Elektroschock, bei dem den Tieren je eine Elektrode in Maul und After eingeführt wird. Das Geschäft mit der Tierqual ist lukrativ. „Ein echtes Hundefell aus China ist viel billiger als ein gut gemachter Webpelz“, sagt Judith Brettmeister.

Rund 85 Prozent aller Felle für die Pelzindustrie stammen aus dem Reich der Mitte. Der Import von Hunde- oder Katzen-Fellen nach Deutschland ist zwar verboten. „Aber eine klare Deklarierungspflicht für Pelzprodukte gibt es bei uns nicht – anders als etwa in der Schweiz. Deshalb ist es für den Verbraucher kaum erkennbar, von welchem Tier ein Pelz stammt“, sagt Brettmeister. „Katzen- und Hundefelle sind zudem oft bunt eingefärbt, was die Unterscheidung noch schwieriger macht.“

Lesen Sie hier: Hai als Stoßstange - Tierschützer sind entsetzt

Manche Händler würden auch Fantasie-Namen für ihre Pelzprodukte erfinden, um deren Herkunft zu verschleiern. Brettmeister: „Hinter der Bezeichnungen Gaewolf oder Korsac-Fox verbirgt sich in Wahrheit Hunde-Fell. Lipi und Maopee steht für Katze.“

In Deutschland gab es früher rund 200 Pelzfarmen. Nach massiven Protesten, immer neuen Auflagen und Gesetzen, ist ihre Zahl auf neun gesunken.

Geht es nach Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, sind auch deren Tage gezählt: Er will die Haltung von Nerzen, Iltissen, Chinchillas, Rot- und Polarfüchsen sowie Marderhunden zur Gewinnung von Pelz oder Öl verbieten. Bei einem Verstoß sollen bis zu 30 000 Euro Strafe drohen.

 

Wie erkennt man echten Pelz? Tipps für Tierfreunde

 

Herauszufinden, ob der Bommel einer Mütze oder der Kragenbesatz aus echtem Fell oder Kunstpelz besteht, ist relativ einfach. Die Organisation „Soko Tierschutz“ empfiehlt folgendes Vorgehen:

  • Greifen Sie zwischen die Haare. Sprießen diese aus Leder und nicht aus einer Textilmatte, hat man es höchstwahrscheinlich mit echtem Pelz zu tun.
  •  Auch sanftes Blasen ins Fell bringt schnell Aufschluss: Synthetikfasern sind unflexibel – feine Tier-Haare hingegen lassen sich leicht „umpusten“.
  • Ebenfalls möglich: Zünden Sie ein Härchen an. Der Geruch nach verbranntem Horn verrät das Echt-Fell.