Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [5.00/3]
Bilder

Protest gegen Alkoholverbot Massen-Besäufnis in der S-Bahn

AZ, vom 08.12.2011 17:00 Uhr
Szenen, die es so auch in München geben wird: Jugendliche stürmen am 30. September die S-Bahn in Hamburg, um gegen das Alkoholverbot zu protestieren. Foto: dapd

Für Samstagabend haben sich tausende junge Leute über die Social Media-Plattform Facebook im Internet zu einer feucht-fröhlichen Demo auf der Stammstrecke verabredet.

München - Der Zug ist rappelvoll, sie singen trotzdem „Einer geht noch rein!“ Innen recken sie ihre Bierflaschen und Dosen zur Decke, draußen am Bahnsteig Jungfernstieg drängen und drücken sich hunderte an die Waggons und skandieren: „Scheiß HVV!“ Es ist der 30. September, Hamburgs Jugend hat die S-Bahn besetzt – weil die dortigen Verkehrsbetriebe Alkohol verboten haben.

In München wollen sie das am Samstag toppen. Ab dem Fahrplanwechsel am Sonntag gilt das Alkoholverbot in der S-Bahn (s. Kasten). Tausende Münchner wollen dagegen protestieren. „Wir brauchen nicht noch mehr unsinnige Verbote und Gesetze“, heißt es auf der Facebook-Seite „MVV-Abschiedstrinken“. Dort ruft man dazu auf, sich um 20 Uhr am Stachus-Brunnen zu treffen, eine S-Bahn zu stürmen und zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof hin- und her- zu pendeln.

„Bringt ordentlich Alkohol, Pfeifen und Protestplakate mit!“, schreiben die Initiatoren. Den Hamburger Protest haben sie sich als Beispiel genommen – und als Herausforderung. „Lass uns mal Hamburg überbieten!“, schreibt ein Fan auf der Seite. Oder: „Das müssen wir übertoppen.“ Die Chancen dafür stehen offenbar nicht schlecht. Eine Statistik am Rand der Seite zeigt: Über 8000 sind eingeladen,  knapp 1000 überlegen noch, etwa 1700 wollen sicher kommen. In Hamburg waren rund tausend beim – friedlichen – Protest dabei.

Wie’s auch kommt – es wird garantiert das letzte größere Besäufnis in der Münchner S-Bahn sein: Weil seit Jahren immer mehr Jugendliche in der Bahn trinken, fühlen sich immer mehr Fahrgäste von „aggressiv und bedrohlich wirkenden“ Trinkern belästigt, sagt S-Bahn-Chef Bernhard Weisser. Gerade am Wochenende und im Umkreis von Kultfabrik und Optimolwerke sei es schlimm. Die gleichen Probleme waren auch der Grund für das Konsumverbot in der U-Bahn, das seit August 2009 gilt. Laut MVG-Sprecherin Bettina Hess wurde es zur „Stärkung der Sicherheit und des subjektiven Sicherheitsgefühls unserer Fahrgäste“ eingeführt.

Und das mit Erfolg: „Bisher hat sich das Konsumverbot bewährt“, so Hess. Die „große Mehrzahl“ sei „einsichtig“, größere Auseinandersetzungen habe es nicht gegeben. Laut Befragungen unterstütze die Mehrzahl der Fahrgäste das Verbot. Pläne, Alkohol zu verbannen, gab es nicht nur im Nahverkehr: Anfang Mai überlegte der Chef des KVR, Wilfried Blume-Beyerle, öffentlich, ob man das Trinken auf dem Gärtnerplatz verbieten könne. Elf Tage später forderte der Chef der Polizei, Wilhelm Schmidbauer, ein Verkaufsverbot von hartem Alkohol ab Mitternacht.

Reaktion in beiden Fällen: ein Aufschrei. Im weitesten Sinne protestieren die Jugendlichen auch gegen solche Überlegungen – und weil es in der Natur der Sache liegt, dass am Samstag viel Alkohol fließen wird, stellt sich die zuständige Bundespolizei schon auf den Protest ein. Ein Sprecher sagt, man werde sich verstärken, aber nur eingreifen, wenn der S-Bahn-Betrieb gestört werde, Fahrgäste belästigt würden oder Gefahr für Leib und Leben bestehe.

Die Demonstranten wollen friedlich bleiben. Ein User schreibt auf der Facebook-Seite: „Solange wir sehr viele Leute sind, die einfach nur laut sind und nichts kaputt machen, bin ich mir sicher, dass uns die Polizei in Ruhe lässt!“

 

 

Kommentare (18)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
DEZ
12
15:54 Uhr, geschrieben von Heinz @Holzwurm
Besäufnis in S-Bahn
Naja du mußt es ja wissen. Jeder läuft mit einer Bierflasche in der Hand herum. Besäufnis in der S-Bahn . Wer kontrolliert die besoffenen Autofahrer oder Radfahrer.??? Gerade diese Sorte regt sich über diesen Bericht auf. Alles stört Das sind halt die Weltverbesserer.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
-2
Kommentar bewerten
DEZ
12
15:44 Uhr, geschrieben von PaSch
Massen-Besäufnis in der S-Bahn
Massen-Besäufnis in der S-Bahn Wie in der Abendzeitung vom 12.12.2011 veröffentlicht: Die Polizei hätte stets die Situation unter Kontrolle gehabt. Bei 50 beschädigten Zügen und ca. 100 000 Euro Sachsaden!! Ich möchte nicht das wissen, wie es den ausgegangen wäre, hättte die Polizei die Situation nicht unter Kontrolle gehabt (-: PaSch
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
1
Kommentar bewerten
DEZ
10
15:53 Uhr, geschrieben von realo
@holzwurm
das tun aber nur fünf von hundert der rest benimmt sich wie man sich halt benimmt wenn man besoffen ist.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
-1
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  6
nächste
Sechsjähriger auf Toilette missbraucht
Am Pissoir eines Schnellrestaurants in Obersendling berührt ein Mann einen sechsjährigen Bub unsittlich. Die Polizei sucht den Täter.
Simone Rethel: Ich dachte, er lebt immer
Simone Rethel spricht in der AZ zum ersten Mal darüber, wie es ist, ohne ihren geliebten Jopie aufzuwachen – und weiterzumachen.
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
11:52   Regierung über Spielsucht an Automaten und im Internet besorgt
11:32   Fitch senkt Kreditwürdigkeit Japans auf "A+"
11:19   Trillerpfeife gegen Werbeanrufe - Prozess
10:54   Peter Altmaier neuer Bundesumweltminister
10:48   IAEA: Einigung auf Untersuchung von Irans Atomforschungen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
AZ-Pflegekompass

Konzert Tickets

Interaktiv
  • Umfrage
Start_dpa

Edmund Stoiber setzt sich nach dem Düsseldorf-Skandal erneut für Sicherheitszäune in Stadien ein - der richtige Ansatz?

 
Ja, nur so kann man die Chaoten unter den Fans kontrollieren.
Nein, das ist ein Rückfall in alte Zeiten - die Fans dürfen nicht "eingesperrt" werden.
Es muss sich etwas im Fanverhalten ändern - aber das ist die falsche Maßnahme.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video