Preise ziehen weiter an Wohneigentum: Wer kann sich das noch leisten?

Die Wandschmiererei in Giesing spricht für sich. Foto: Symbolbild dpa

Wohneigentum ist in München so teuer wie noch nie. Auch heuer haben die Preise noch einmal deutlich angezogen – und ein Ende ist nicht in Sicht. Für den Normalverdiener sind die Zahlen betrüblich bis niederschmetternd.

München - Der Münchner Immobilienmarkt kann ganz schön frustrierend sein. Deshalb zur Aufmunterung vielleicht eine gute Nachricht vorneweg: Wer sich rund um Weihnachten 2010 in München eine Eigentumswohnung gekauft hat, der kann sich freuen: Seitdem hat sich der Wert seiner Immobilie nämlich verdoppelt – und das in nur sieben Jahren.

Der Rest an Zahlen, den der Immobilienverband IVD nun in seinem neuen Marktbericht vorgestellt hat, ist für den Normalverdiener betrüblich bis niederschmetternd. Denn die Preisspirale kennt weiter nur eine Richtung: nach oben. Im Frühjahr sind die Experten noch davon ausgegangen, dass der Markt sich nun langsam selbst einbremsen wird.

"Diese Prognose ist aber offenbar nicht eingetreten", sagt IVD-Chef Stephan Kippes. Die Immobilienpreise in München ziehen nämlich ungebremst weiter an. "Minuszeichen gibt es nicht", sagt Kippes. Bei gut gelegenen Neubauten – egal, ob Eigentumswohnung, Doppelhaushälfte oder Reihenhaus – muss man jetzt im Herbst noch einmal 6,7 Prozent mehr hinlegen als im Frühjahr.

Der Baugrund für ein Einfamilienhaus hat sogar um 9,1 Prozent angezogen. Und auch für Bestandsbauten sind die Preisanstiege kaum niedriger. Wer schon Eigentum hat, für den ist das natürlich eine sensationelle Nachricht. Das Vermögen vermehrt sich dadurch schließlich ganz von selbst.

Eigentumswohnung

Auch eine Nummer kleiner ist's schwierig

Wer sich allerdings momentan mit dem Gedanken trägt, eine Immobilie zu kaufen, dem dürften bei den neuesten Zahlen schmerzhaft die Ohren klingeln. Das freistehende Einfamilienhaus kostet im Schnitt derzeit fast 1,48 Millionen Euro. Für eine neue Doppelhaushälfte muss man mit 1,28 Millionen rechnen. Und auch das neu gebaute Reihenhaus ist mit durchschnittlich 935.000 Euro alles andere als ein Schnäppchen.

Wer sich angesichts dieser Preise nun denkt: Okay, dann mache ich es eben eine Nummer kleiner – der wird am Markt recht schnell verzweifeln. Denn auch Eigentumswohnungen sind für kleines Geld nicht mehr zu bekommen. Bei Neubauwohnungen kostet der Quadratmeter inzwischen 8.000 Euro.

Doppelhaushälfte

Bittere Pille für die ganz normale Familie

Bei Bestandswohnungen ist der Preis mit 6.200 Euro zwar deutlich geringer. Rein rechnerisch bedeutet das aber: Auch für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern muss man inzwischen mindestens 372 000 Euro hinlegen. Nun kann man bei diesen Preisen freilich die berechtigte Frage aufwerfen: Wer kann sich das noch leisten? Die normale Familie ist es jedenfalls nicht. "Die fällt als Käufer leider vollkommen aus", sagt Immobilienmakler Günther Gültling.

Weil gemessen an den monströsen Kaufpreisen aber selbst das hohe Mietniveau in der Stadt noch nicht hoch genug ist für eine ordentliche Rendite, ist München auch für geldige Investoren nicht mehr das richtige Pflaster. Nach Erfahrung der hiesigen Makler sind es immer noch vornehmlich die einheimischen Privatleute, die kaufen. Die müssen allerdings ordentlich Kohle mitbringen: Zwei Einkommen und am besten auch noch eine Finanzspritze in Form einer Erbschaft.

Reihenhaus

Kaum ist ein Objekt da, ist es wieder weg

"Mit nur einem Einkommen allein kann sich selbst ein Gutverdiener München nicht mehr leisten", sagt Immobilienmakler Gültling. Von diesen finanziell gut gestellten Doppelverdiener-Haushalten mit elterlicher Mitgift scheint es im Raum München aber immer noch sehr viele zu geben. Zumindest leidet die Immobilienbranche nicht unter Absatzproblemen.

Was an Objekten auf den Markt kommt, ist auch recht schnell wieder weg. Von einem Selbst-Einbremsen oder einem Abschwächen des Preisanstiegs ist unter Immobilienexperten nach den neuesten Zahlen übrigens keine Rede mehr. IVD-Chef Stephan Kippes ist sich mittlerweile recht sicher, dass es auch kommendes Jahr noch einmal nach oben gehen wird.

Wollte man die Preisspirale durchbrechen, müsste man mehr bauen, sagt Kippes. Oder man müsste die Baukosten senken, etwa durch eine Kürzung der Grunderwerbssteuer. So aber braucht man beim Hauskauf schon einen sehr dicken Geldbeutel.

Einfamilienhaus

Das rät der Experte

Sich Wohneigentum zu kaufen, ist in München eine finanziell herbe Herausforderung. Wer auf die eigenen vier Wände aber nicht verzichten will, für den hat IVD-Chef Stephan Kippes zwei Tipps.

  • Beim Kredit unbedingt auf eine möglichst lange Bindung achten. Momentan sind die Zinssätze zwar günstig. Aber wer weiß schon, wie es in fünf Jahren aussieht?
  • Zügig tilgen: Je schneller der Kredit abbezahlt ist, umso geringer ist die Gefahr für einen unerwarteten Zins-Schock.

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