"Pregau"-Schauspieler im Interview Maximilian Brückner: Tuba, Schafe und Schuhplattln

Maximilian Brückner im AZ-Interview: "Ich lebe mein Leben, mache meine Filme und ziehe mich dann wieder aufs Land zurück." Foto: dpa

Maximilian Brückner, aktuell als Polizist im ARD-Vierteiler "Pregau" zu sehen, über sein Leben auf dem Dorf in Oberbayern – und seine Rolle als Ältester von acht Geschwistern.

Der (eigene) Anspruch ist erheblich: Als "Krimi-Opus" bewirbt die ARD ihren Weihnachts-Vierteiler "Mörderisches Tal – Pregau". Dessen letzter Teil läuft am Mittwoch um 21.45 Uhr. Die AZ hat mit dem bayerischen Schauspielstar Maximilian Brückner (er spielt den Kleinstadtpolizisten Hannes Bucher) gesprochen.

AZ: Herr Brückner, geht es in Ihrer Chiemgauer Heimat auch so vogelwild zu, wie im Pregauer Tal?
MAXIMILIAN BRÜCKNER. Nein, in meiner Heimat geht es wesentlich friedlicher zu. Zumindest sind mir keine größeren Dramen bekannt, aber man kann ja nicht hinter alle Kulissen schauen. Das ist ja das Spannende am Pregauer Tal, dass es da nicht nur vor den Kulissen, sondern auch dahinter gewaltig brodelt. Ich finde die Mischung aus Krimi, Drama und Liebesfilm einmalig, etwas Vergleichbares hat es noch nicht gegeben. Der Film hat eine ganz eigene Kraft und Qualität, fast schon wie eine griechische Tragödie.

Sie geben den sympathischen Kleinstadtpolizisten Hannes Bucher, der sich von seiner minderjährigen Nichte verführen lässt und damit eine Spirale von Ereignissen auslöst, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Können Sie das nachvollziehen?
Klar, man muss nur einmal im Leben die falsche Abzweigung nehmen, einen Fehler machen, ob groß ob klein, und plötzlich entwickelt sich eine Eigendynamik, die man nicht mehr aufhalten kann. Hannes’ erster Fehler war, dass er seine Frau geheiratet hat, eigentlich hat die Talfahrt für ihn da schon begonnen. Aber Menschen wollen selten den Tatsachen ins Auge blicken, die meisten verleugnen die Realität bis zum Schluss.

Wie sieht denn Ihre Realität seit dem Ausscheiden aus dem Tatort aus? Trauern Sie dem Kommissar Kappl nach?
Eine Tür geht zu und eine andere dafür auf. Ich bin in solchen Sachen nicht nachtragend und hege auch keinen Groll. Mein Motto lautet: Warum fällt man hin? Um wieder aufzustehen! Außerdem habe ich eine Familie, die immer für mich da ist. Ich habe ein Netz mit doppeltem Boden, das mir ein gutes Sicherheitsgefühl gibt.

Wie sieht Ihr Familienleben aus?
Die ganze Familie lebt unter einem Dach, vom Großvater bis zum Enkel. Aber auch wenn ich es als große Bereicherung empfinde, mit der Großfamilie zusammen zu leben, so darf man das nicht romantisieren. Es gibt nämlich viel Arbeit. Wir haben Schafe, Kühe, Enten und Ziegen, die versorgt werden wollen, auch an Sonntagen. Andere schlafen aus und gehen in die Muckibude oder auf den Golfplatz.

"Die Kommunikation zwischen Alt und Jung ist besonders wichtig"

Was ist der Vorteil so eines Generationenhaushaltes?
Die Familie und das Miteinander stehen im Mittelpunkt. Wir essen zum Beispiel meist alle zusammen zu Mittag und tauschen uns aus. Das ist wichtig, damit man weiß, was beim anderen los ist. In anderen Familien kommen Kinder oft erst nach einer Ganztagsbetreuung nach Hause, weil die Eltern beide berufstätig sind. Ich finde es toll, wenn sich die Familie um die Kinder kümmert. Vor allem die Kommunikation zwischen Alt und Jung ist wichtig, die bewusste Auseinandersetzung mit dem Alter gibt es ja sonst heute kaum noch. Bei uns zu Hause funktioniert das sehr gut.

Welches bayerische Klischee trifft auf Sie zu?
Wahrscheinlich alle (lacht). Aber eigentlich gibt’s das Klischee heute nicht mehr, denn welcher Bayer kann schon noch – wie ich – Schuhplattln und Tuba spielen? Seit meinem 13. Lebensjahr spiele ich die Tuba, anfangs fand ich es etwas uncool, aber mittlerweile finde ich, es passt zu mir, weil es echt ist und nicht aufgesetzt.

Haben Ihre Eltern diese Aktivitäten forciert?
Nein, die hatten damit nichts zu tun. Das ist eine normale Entwicklung, wenn man in einer kleinen bayerischen Gemeinde aufwächst. Aber meine Eltern sind dafür verantwortlich, dass ich Schauspieler geworden bin.

Wie lief das ab?
Ich hatte als Jugendlicher zwar etwas Theater gespielt, wollte daraus aber nie einen Beruf machen. Mir schwebte eher ein Medizinstudium vor. Meine Eltern waren jedoch von meinen kleinen Bühnenauftritten so angetan, dass sie mir empfahlen, mich an der Otto-Falckenberg-Schule in München zu bewerben. Ich konnte das anfangs gar nicht nachvollziehen. In meinen Augen war Schauspielerei damals kein richtiger Beruf, und von der Schauspielschule hatte ich auch noch nie gehört. Nach gutem Zureden habe ich es dann probiert und habe auch sehr schnell Blut geleckt.

Und heute sind Ihre Eltern Ihre größten Fans?
Die sind ganz zufrieden mit dem, was ich mache. Ich bin ihnen sehr dankbar für ihre Wegweisung. Manchmal haben die Eltern eben doch ein besseres Gefühl dafür, was für ihr Kind gut ist.

Sind Sie sehr freigeistig erzogen worden?
Sicherlich, aber es war nicht so, dass wir Kinder alles machen konnten, was wir wollten. Mein Vater ist Rechtsanwalt, und wir sind eine stinknormale Familie mit ganz bürgerlichen Vorschriften und Regeln. Ich verstehe bis heute nicht so ganz, wie meine eigentlich ziemlich bürgerlichen Eltern auf die Idee kamen, mich in diesen Beruf zu schicken.

Wie ist das, als Ältester von acht Geschwistern aufzuwachsen?
Das hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite bist du für alles verantwortlich, und auf der anderen Seite bekommst du dafür alle Sachen neu und musst keine gebrauchten Klamotten tragen. Aber wehe irgendeiner hat sich wehgetan, dann war immer ich schuld (lacht).

"Ich mag es gerne etwas bodenständiger"

Sind Sie dadurch früher erwachsen geworden?
Vielleicht etwas pflichtbewusster als andere Gleichaltrige, aber ich hatte trotzdem eine traumhafte Kindheit. Ich bin wohl auch deswegen Schauspieler geworden, weil in mir immer noch ein kleines Kind wohnt. Ich glaube, das ist die Grundvoraussetzung für jeden Schauspieler.

Welche Werte wurden Ihnen in der Kindheit zu Hause vermittelt?
Respekt voreinander, Anstand, Höflichkeit – ganz normale Umgangsformen halt. Der einzige Unterschied zu einer Familie mit nur zwei Kindern war, dass wir von klein an teilen lernten und materielle Besitztümer keine Rolle spielten. Dadurch wurde ich wahrscheinlich besser sozialisiert als ein Einzelkind, das nie was teilen muss.

Inwiefern hat die Kindheit in der Großfamilie Ihr späteres Leben beeinflusst?
Das erdet einen sehr, und ich bin bis heute niemand, der viel Aufhebens um seine Person macht. Ich mag es gerne etwas bodenständiger und ziehe es vor, auf dem Land zu leben. Ich lebe mein Leben, mache meine Filme und ziehe mich dann wieder aufs Land zurück.


AZ-Interview mit Maximilian Brückner: Der Schauspieler (37) ist dem Münchner (Bühnen-) Publikum vor allem aus dem Volkstheater bekannt – und aus vielen TV-Rollen, etwa dem ARD-Vierteiler "Pregau" (21.45 Uhr).

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