Wie bei Alfred Hitchkock: Weil ein Junges aus dem Nest gefallen ist, werden die Tiere aggressiv. Die Feuerwehr greift ein. Eine Frau wird mit dem Schnabel am Kopf erwischt

MÜNCHEN - Es erinnert ein wenig an eine Szene aus Alfred Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“: Im Lehel-Hinterhof an der Tattenbachstraße 7 stürzt sich ein Krähenpaar immer wieder auf spielende Kinder und Anwohner. Sie wollen ihr Junges verteidigen, dass aus dem Nest gefallen ist.

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Der kleine Franz (5) spielt mit Freunden und seiner Mutter Kerstin Sch. (36) auf dem Rasen Fußball. Dabei entdeckt er in der Nähe der Müllhäuschen einen ganz strubbeligen dunklen Vogel am Boden: „Ich wollte mir den Vogel anschauen, bin ganz dicht zu ihm hin. Plötzlich saust aus der Luft eine Krähe auf mich zu.

Beinahe wäre sie auf meinem Kopf gelandet.“ Aus Angst, dass ihrem Kind etwas passiert, bringt die angehende Fachlehrerin Kerstin Sch. ihren Sohn schnell in die Erdgeschoss-Wohnung. Sie sagt: „Mich hat eine Krähe mit dem Schnabel genau an der Stirn erwischt. Zum Glück ist nichts weiter passiert.“

Nachbarin Margitta R. (47) alarmiert bereits am Samstag die Polizei: „Ich habe meinen achtjährigen Sohn in Sicherheit gebracht. Mich hat eine Krähe direkt im Nacken getroffen. Zum Glück habe ich mir dabei keine Verletzung zugezogen.“ Die Polizei ist schnell am Einsatzort und ruft die Feuerwehr zur Unterstützung.

Ohne Schutzkleidung und Helm nähert sich ein Feuerwehrmann dem Jungen. Eine Krähe greift ihn an und erwischt ihn am Kopf. Feuerwehr und Polizei rücken wieder ab – mit dem Ratschlag an die Hausbewohner: „Halten Sie Abstand zu den Vögeln.“

Kerstin Sch. sagt: „Die Nachbarn sind nur noch mit Regenschirmen über dem Kopf in den Hinterhof gegangen, um ihren Abfall weg zu bringen.“ Sie selbst traute sich nicht mehr in den Hof: „Der Müll hat sich in unserer Wohnung inzwischen gestapelt.“

Am Pfingstsonntag spielen die Krähen noch verrückter, nachdem ein zweites Jungtier aus dem Nest in einem Baumwipfel gefallen ist. Dessen Verbleib ist allerdings unklar. Gegen 19.30 Uhr trifft die Feuerwehr Oberschleißheim mit einem Drehleiterwagen ein.

Die Feuerwehrmänner ziehen zur Sicherheit Schutzanzüge und Helme an. Mit einem speziellen Tierfangkasten wird das Junge, dass inzwischen auf dem Dach des Müllhäuschens sitzt, eingefangen. Durch die Tiefgarage tragen sie die kleine Krähe zum Feuerwehrauto, um es zur Aufzucht in eine Vogelstation zu bringen.

Kerstin Sch.: „Uns wurde gesagt, dass man den Vogel extra verdeckt durch die Tiefgarage abtransportiert hat, damit die Eltern die Verfolgung nicht aufnehmen könne.“ Wenn die Jungkrähe groß genug ist, kommt sie wieder in Freiheit.

 

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