Die Uni Innsbruck erkennt Dominic Stoiber in erster Instanz den akademischen Grad ab.

München/Innsbruck Der Sohn des bayerischen Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wird wohl bald ohne seinen Doktor-Titel auskommen müssen. Die Universität Innsbruck hat dem CSU-Kommunalpolitiker Dominic Stoiber (32), der auch als künftiger Landrat von Bad Tölz im Gespräch ist, in erster Instanz den akademischen Grad aberkannt. Im Plagiatsverfahren gegen ihn wurde ein Bescheid erlassen. Das bestätigte ein Sprecher der Universität gegenüber der AZ.

Stoiber soll dagegen Berufung eingelegt haben. Über die muss nun der Senat der Uni entscheiden. Erst dann ist der Entzug des Doktor-Titels rechtskräftig. Bis zum Herbst soll das Verfahren abgeschlossen sein. Insider gehen davon aus, dass der Senat den Bescheid der ersten Instanz nicht aufheben wird. Auch seiner Schwester Veronika Saß war vor einem Jahr der Doktor-Titel aberkannt worden. Sie hatte laut Universität Konstanz „mindestens ein Drittel“ des gesamten Textes ihrer Dissertation abgeschrieben. Vor dem Verwaltungsgericht versuchte sie, sich ihren Doktor zurückzuholen und gab der Uni die Schuld. Die habe sie nicht richtig betreut. Die Stoiber-Tochter unterlag im Titelkampf.

Offensichtlich liegt das Abschreiben in der Familie. Ihr kleiner Bruder Dominic erwarb seinen Titel 2010 an der Universität Innsbruck. Daheim in Bayern hatte er zuerst sein BWL-Studium geschmissen und dann an der Hochschule für Politik in München einen Abschluss gemacht. Im Nachbarland promovierte er über das Lieblingsthema seines Vaters, als der noch regierte: den Föderalismus. Der Titel seiner Arbeit: „Föderalismusreform I der Bundesrepublik Deutschland“. Als Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner kopierten Doktorarbeit aufflog, gerieten auch die Stoiber-Kinder ins Visier der Plagiatsjäger. Die Tiroler Tageszeitung hat Dominic Stoibers 287 Seiten starke Doktorarbeit vom Plagiatsexperten Stefan Weber überprüfen lassen. Das Ergebnis: Der Jung-Politiker, der die CSU im Bezirkstag von Oberbayern vertritt, hat aus der Seminararbeit eines Studenten im dritten Semester abgeschrieben, die vor 15 Jahren verfasst wurde und im Internet stand.

Die Uni Innsbruck leitete im März nach Paragraf 89 des Unigesetzes ein Plagiatsverfahren gegen Stoiber ein. Zuständige Behörde ist in Österreich der sogenannte Studienleiter. Diese Funktion hat der Vize-Rektor für Lehre und Studierende der Uni Innsbruck, Professor Roland Psenner. Er ließ das Stoiber-Werk von Gutachter unter die Lupe nehmen.

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Stoiber geht auf Tauchstation. Eine Stellungnahme gibt es von ihm nicht. Gegenüber der Tiroler Tageszeitung allerdings brach Stoiber sein Schweigen - betont einsilbig. Auf die Frage, ob er den Doktortitel deshalb nicht mehr verwendet, weil er ihm von der Universität aberkannt wurde, antwortet Stoiber: „Ich führe den Titel unverändert.“

Offensichtlich baut er aber schon vor.  Als Web-Spezialist wechselte er heuer von Pro Sieben/Sat 1 zu BMW. In seinem neuen Job firmiert der Stoiber-Filius nicht mehr mit seinem Doktor-Titel.  Nur bei seinem Web-Auftritt als Bezirksrat glänzt er noch als Dr. Dominic Stoiber. Den allerdings hat er seit seiner Wahl 2008 nicht mehr aktualisiert.