Die Dissertation von Hubert Haderthauer, dem Mann der bayerischen Sozialministerin, ist nur zehn Seiten kurz. Die Universität Würzburg untersucht das Schriftstück jetzt.

Würzburg - Hubert Haderthauer, Ehemann der bayerischen Sozialministerin und leitender Landgerichtsarzt, muss nun auch noch um seinen Doktortitel bangen. Wie ein Sprecher der Universität Würzburg bestätigte, wird seine Dissertation derzeit auf mögliche Plagiate hin untersucht.

Die Doktorarbeit aus dem Jahr 1986, die sich mit dem Verhalten von Enzymen in den Nieren weiblicher Ratten beschäftigt, ist selbst unter dem allgemein bekannten Gesichtspunkt, dass Doktorarbeiten aus dem Fachbereich Medizin eher nicht durch Umfang bestechen, bemerkenswert dünn. Ganze zehn Seiten, auf denen auch noch großzügige Illustrationen den Textkörper deutlich minimieren, ist das Werk Haderthauers stark.

Das in braunen Karton gebundene Werk, das Haderthauer zu akademischen Würden in Form des Doktortitels verhalf, war vorher schon einmal in der „Zeitschrift für mikroskopisch-anatomische Forschung“ auf den Seiten 763 bis 772 abgedruckt. In diesem Fall taucht neben Hubert Haderthauer auch noch sein Doktorvater, Professor Peter Kugler, als Autor auf. Diese Veröffentlichung, einschließlich der Seitenangaben, ist im 1:1-Verhältnis die Dissertation von Hubert Haderthauer. Der Name von Professor Peter Kugler taucht in diesem Fall nicht als Autor auf.

Dr. Georg Kaiser, Sprecher der Universität Würzburg, stellen sich bei dieser Praxis die Nackenhaare auf. „Aber“, erklärt er, „bei experimentellen medizinischen Arbeiten war das früher gängiger Usus an allen Universitäten.“ In Würzburg, so der Unisprecher, habe man vor einigen Jahren darauf mit neuen Regelungen reagiert, um Derartiges zu verhindern.

Die jetzt hochgekommenen Plagiatsvorwürfe gegen Haderthauer, der wegen umstrittener Privat-Geschäfte mit psychisch kranken Straftätern ohnehin stark unter Beschuss steht, haben mit der lange geduldeten, eher lockeren Umgangsweise mit angehenden Doktoranden nichts zu tun.

Worum es geht, wurde in dieser Woche bei einer Diskussionsveranstaltung beim „Bund für Geistesfreiheit“ in Erlangen deutlich. Dort beschäftigte man sich mit den Möglichkeiten, den schwarzen Schafen bei der Erstellung ihrer Dissertationen auf die Spur zu kommen, erläutert an Beispielen wie Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg oder Bildungsministerin Annette Schavan, die über Plagiate stolperten. „Allein in der letzten Woche haben wir bei Universitäten fünf Anzeigen wegen Plagiatverdachts erstattet“, berichtete dort der Aktivist einer Internet-Plattform, die sich auf die Entlarvung von Plagiateuren konzentriert.

Anhand großflächig projizierter Wiedergaben einzelner Seiten von Dissertationen und bunten Markierungen darauf, sollen verdächtige Stellen anschaulich dokumentiert werden. Im Publikum kursieren dazu passende Doktorarbeiten. Eine davon ist die von Hubert Haderthauer.

Von der in Erlangen geäußerten Einschätzung, dass in der umfänglich mageren Dissertation Haderthauers auch noch abgeschrieben wurde, ist die Universität Würzburg noch ein ganzes Stück entfernt. „Der Plagiatsvorwurf muss von den zuständigen Stellen und Gremien sehr genau geprüft werden. Vorher lässt sich nichts dazu sagen“, erklärte Würzburgers Uni-Sprecher. Er kann derzeit auch nicht abschätzen, wie lange die Prüfung dauern könnte.

Die Würzburger Hochschule war erst vor wenigen Jahren in die Schlagzeilen geraten, weil der Medizinhistoriker Professor Gundolf Keil gegen finanzielles Entgegenkommen bei Doktorarbeiten half. In einem Strafverfahren wegen Vorteilsannahme wurde er 2007 zu 90 Tagessätzen (rund 15000 Euro) verurteilt.