Immer mehr Menschen stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Was tun, wenn es einen Pflegefall in der Familie gibt? Sollte die betreffende Person Zuhause gepflegt werden, oder doch lieber in einer speziellen Einrichtung? Ein gründliches Abwägen der Vor- und Nachteile beider Pflegeformen ist in jedem Fall notwendig, da das Wohlergehen der betroffenen Person in erheblichem Maße davon abhängt.

Nicht selten spielen moralische Aspekte eine große Rolle, wenn es um das Thema Pflege geht. Ist es doch schon schlimm genug, den körperlichen und geistigen Abbau der eigenen Eltern mit anzusehen, so steht man dann auch noch vor der Entscheidung, diese in ein Heim zu bringen oder zu Hause zu pflegen. Einige Menschen treibt dies an die Grenzen ihrer Kräfte.

Pflege- und Senioreneinrichtungen

Pflegeeinrichtungen gelten nach wie vor als eine Art Abstellgleis. Aus diesem Grund ist die Wahl für ein solches unter Umständen mit negativen Konsequenzen verbunden. Oftmals haben ältere Menschen Angst davor, in ein Pflegeheim zu ziehen und wollen bereits nach wenigen Tagen wieder zurück ins eigene Zuhause. Aufgrund der benötigten intensiv-medizinischen Versorgung ist dies allerdings meist nicht mehr möglich. Angehörigen macht dies schwer zu schaffen, sodass sie von Selbstvorwürfen und Zweifel geplagt werden.

Hinzu kommen seit geraumer Zeit Berichte über verheerende Zustände in Pflegeeinrichtungen, wonach Bewohner falsch oder gar nicht betreut werden. Selbst von Misshandlungen war in den Medien schon die Rede. Immer wieder kommen neue erschütternde Details aus dem Pflegealltag ans Licht, die eine menschenunwürdige Behandlung der Bewohner vor Ort belegen. Doch auch wenn es sich hierbei um Ausnahmen handelt, schürt dies die bei vielen Angehörigen die Angst vor der Wahl einer Pflegeeinrichtung.

In vielen Fällen überwiegen allerdings dann doch die Vorteile der Pflege in einer professionellen Einrichtung. Insbesondere an Demenz erkrankte ältere Menschen haben spezielle Bedürfnisse, die von geschultem Pflegepersonal besser erkannt werden können. Im Notfall kann außerdem aufgrund der medizinischen Ausrüstung schneller und gezielter eingegriffen werden.

Pflege zu Hause

Sei es aus moralischen oder auch anderen Gründen: Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Pflege zu Hause. Doch die Entscheidung, eine Person in den eigenen vier Wänden zu betreuen, sollte nicht voreilig getroffen werden, denn nicht für jeden stellt diese Form der Pflege die bessere Lösung dar. Wer sich für dieses Konzept der Pflege entscheidet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies sehr wahrscheinlich Auswirkungen auf die gesamte Lebensgestaltung haben wird.

Oftmals müssen Angehörige ihren Beruf aufgeben und mit starken Einschränkungen in der Freizeit rechnen. Darüber hinaus spielt auch der Kostenfaktor eine wesentliche Rolle. Für die Pflege benötigte Utensilien wie beispielsweise ein verstellbares Bett oder auch Medikamente müssen im Vorfeld angeschafft werden und hinterlassen nicht selten eine große Lücke in der Haushaltskasse.

Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich logischerweise nicht jeder zum Kranken- und Altenpfleger eignet. Dass die Pflege einer Person mit vielen kraftaufwendigen Aufgaben verbunden ist, können diese vor allem für gesundheitlich angeschlagene oder Menschen von schmaler Statur zu unüberwindbaren Hürden werden.

Doch neben der physischen Belastung darf auch der psychische Aspekt der Pflege daheim nicht unterschätzt werden. Wer sich 24 Stunden am Tag um eine kranke Person kümmert, kommt schnell in die Verlegenheit, sein eigenes Wohl hinten anzustellen und gefährdet somit seine Gesundheit. Erschöpfungszustände bis hin zum Burnout können die gravierende Folge sein.

Festzuhalten bleibt, dass beide Formen der Pflege – sowohl zu Hause als auch in der Einrichtung, Vor- und Nachteile haben. Bei der Entscheidung sollte in jedem Fall überlegt werden, was das Beste für die pflegebedürftige Person ist, doch auch das eigene Wohl und das der Familie sollte in den Überlegungen nicht zu kurz kommen. Außerdem sollte stets bedacht werden, dass man es in den seltensten Fällen allen recht machen kann. Das bedeutet nicht, dass die Entscheidung auf die leichte Schulter genommen werden kann, aber auch wenn es schwerfällt: Ist die Wahl erst einmal getroffen, wird sich ein Gefühl der Erleichterung einstellen.