Penthouse für vier Millionen Erhardstraße: Die nächsten Luxuswohnungen für München

Idyllisch an der Isar liegt der Neubau an der Erhardstraße – freilich, viel Verkehr (auf der Visualisierung nicht zu sehen) gibt’s hier auch. Foto: Visualisierungen: Thomas Kröger Architekten, Euroboden

In der Grube in der Erhardstraße entstehen 24 neue Luxuswohnen – das stört erstaunlich wenige im Viertel.

Isarvorstadt - Woran fehlt’s im Gärtnerplatzviertel am nötigsten? An Kita-Plätze, Hebammen, Mülleimern, Gemüsestandln, Scherbenaufsammlern: Das alles wäre sinnvoll. Da das Leben aber kein Wunschkonzert ist, und die Stadt sich nicht bedarfs-, sondern profitorientiert entwickelt, bekommt das Viertel, was es sich in den vergangenen Jahren durch kernsanierte Straßenzüge und aufgehübschte Hinterhöfe erarbeitet hat: einen neuen Sichtbeton-Glas-Palast, voll mit Luxuswohnungen.

Wer das Penthouse will, muss vier Millionen Euro hinlegen

Die neue Immobilie entsteht in exponierter Lage an der Erhardtstraße 10, eingebettet in historische Bauten aus der Gründerzeit und mit Blick aufs Isarufer und die gegenüberliegende Museumsinsel zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke. „Die historischen Gebäude werden in zeitgenössischer Form neu interpretiert und erweitert“, heißt es in der Broschüre des ausführenden Büros Euroboden.

Das Unternehmen hat den Nachkriegsgebäude mit sieben Wohneinheiten und Grundstück 2015 von einer Erbengemeinschaft gekauft. Die früheren Bewohner wurden entmietet, das alte Anwesen ist abgerissen. Fehlender Brandschutz und Altlasten im Rückgebäude, verursacht durch eine früher dort ansässige Lackfabrik, waren die Gründe.

In dem Neubau, der bis 2020 in der jetzigen Baulücke entsteht, wird es 24 Wohnungen geben. Sie sollen zwischen 55 und 335 Quadratmeter groß sein. 840 000 Euro kostet das kleinste Appartement, etwas mehr als vier Millionen das Penthouse mit Dachterrasse. Dafür bekommen die neuen Bewohner was geboten: Aufzüge bringen sie direkt aus dem Foyer im Erdgeschoss oder der dreistöckigen Tiefgarage in ihr Domizil. Großflächige, bodentiefe Fenster bringen Licht ins Gebäude.

Damit das Rauschen der Isar oder eben der Lärm von der viel befahrenen Erhardtsraße nicht an die Ohren der neuen Eigentümer dringt – immerhin die Querverbindung zwischen Mittlerem und Altstadtring – werden die Fenster dreifach verglast. Gehen werden die Käufer später wahlweise über Eichenparkett in Flecht- oder Hexagonmuster oder gleich Naturstein. Und wenn sie keine Lust auf den Blick rüber zum Deutschen Museum haben, wenden sie sich nach hinten in den uneinsehbaren runden Gartenhof (in Anlehnung an die alten Werkshöfe).

Euroboden ist für seine spektakulären Bauprojekte bekannt: Einen alten Hochbunker wandelten sie zum Büro- und Wohnturm um, in Riem wurde ein alter Bauernhof unter Denkmalschutz zum Zweifamilien-Haus, eine Villa im Herzogpark lassen sie zugunsten eines Chipperfield-Neubaus abreißen.

Was ihnen in der Architektenszene Lorbeeren einbringt, kommt bei den Anwohnern nicht immer so gut an. Die Villa in der Kolbergstraße zum Beispiel konnte nur gegen massiven Protest der Bogenhauser umgeplant werden – die fürchteten um ihre Morgensonne und wichen erst durch die Zahlung einer Abfindung von der Klage ab.

In der Isarvorstadt hat sich Euroboden mit dem Berliner Architekten Thomas Kröger zusammengetan. Der konzipierte neben Privathäusern Kunstgalerien und Museumsbauten. Das ist in den Planungen der Erhardtstraße sichtbar. Licht und Schatten sind die dominierenden Elemente.

Gegen die Glockenbachsuiten regte sich noch Protest

Protest gegen das Projekt gibt es bislang wenig. Der Bezirksausschuss hatte Bedenken wegen der Dachgestaltung, gab jedoch schließlich die Zustimmung für das markante Bauwerk. Wahrscheinlich auch, weil die Anwohner müde sind. Am anderen Ende des Blocks, selbe Straße, nur eine Ecke weiter südlich, am Eingang zur Fraunhoferstraße, hatten sie sich erfolglos gegen die Glockenbachsuiten gewehrt.

Sie sind gebaut worden, trotz Farbbeuteln, Protestt-Plakaten und Onlinepetition. Und auch das ehemalige Heizkraftwerk in der Müllerstraße – The Seven genannt und die teuerste Adresse in München – ist keine zehn Minuten Fußweg entfernt.

Man kann diese Bauten als in Beton gegossene Denkmäler für die Gentrifizierung der Stadt verbuchen, oder sie als architektonisch anspruchsvolle Aufwertung des Viertels betrachten. Ob die neue Erhardstraße ebenso vor allem ein Zweit- oder Drittwohnsitz von Super-Reichen wirdm, bleibt abzuwarten.

Dass dem Gärtnerplatzviertel nämlich auch bald die Menschen ausgehen, wünschenswert wäre das nicht.

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