Pasing Krippenplatz - eine Mutter sucht vergeblich
Daniela Transiskus, 01.08.2012 14:00 Uhr
Lange bevor ihre kleine Marlene zur Welt kam, bemühte sich Heike Gerhard (34) schon um einen Krippenplatz. „Ein Albtraum“, sagt die Mutter. Und: „Was zum Teil angeboten wird, ist eine Frechheit“.Foto: Gregor Feindt
Lange bevor ihre kleine Marlene zur Welt kam, bemühte sich Heike Gerhard (34) schon um einen Krippenplatz. „Ein Albtraum“, sagt die Mutter. Und: „Was zum Teil angeboten wird, ist eine Frechheit“.
PASING - Heike Gerhard war früh dran. Sehr früh. Etwa zum gleichen Zeitpunkt, an dem sie ihrer Familie erzählte, dass sie ein Baby erwartete. Und noch bevor sie überhaupt wusste, ob es ein Bub oder ein Mädchen werden würde, machte sich die Redakteurin auf die Suche nach einem Betreuungsplatz für die Zeit nach der Elternzeit. Der Marathon begann bereits in der elften Schwangerschaftswoche.
„Ich ließ uns bei insgesamt 14 städtischen Krippen in Pasing und Neuhausen listen“, erinnert sich die 34-Jährige. In der Folge bekam die angehende Mutter „Rückmeldescheine“ von den Krippen zugeschickt, die sie zu einem Stichtag einsenden sollte, falls dann noch immer Bedarf nach einem Platz herrsche. „Seltsamerweise war das nicht ein Schein pro Einrichtung, sondern es waren Scheine bis Januar 2015. Da kommt die Kleine schon fast in den Kindergarten,“ sagt Gerhard.
Ihr schwante Übles. Als Töchterlein Marlene im Februar auf die Welt kam, waren die junge Mutter und ihr Verlobter noch keinen Schritt weiter gekommen. Nun begann das Paar, die privaten Träger zu beackern, sagt Heike Gerhard: „Ich habe im Internet über eine Woche lang 53 Krippen angesehen, mir die Konzepte und die Preislisten angeschaut und eine Auswahl getroffen.“ Dann begannen die „Besichtigungen“. Das Fazit der Frau: „Was da zum Teil angeboten wird, ist eine Frechheit. Ich habe mir Krippen angesehen, die an vielbefahrenen Straßen lagen, in einem lieblos umgebauten Einfamilienhaus notdürftig untergebracht waren und kaum Grünfläche hatten. Dafür sollte man ein horrendes Geld zahlen.“
Heike Gerhard ist der festen Überzeugung: „Viele Eltern sind so verzweifelt, dass sie ihr Kind am Schluss in eine Einrichtung stecken, die sie eigentlich ätzend finden.“ Verlangt würden teilweise Fantasiepreise: „Einfach weil es sich die Betreiber auf dem knappen Markt leisten können.“ Erst vor wenigen Tagen bekam die junge Familie die Nachricht, dass für Marlene eventuell ein Platz bei einem privaten Träger frei würde. Sicher ist das noch nicht.
Aber wenn es klappt, dann zahlt Heike Gerhard knapp 600 Euro für die Krippe – und an drei Nachmittagen müssen die Großeltern jeweils drei Stunden einspringen. „Ohne die wäre das ganze Konstrukt nicht möglich.“ Das Fazit der 34-Jährigen: „Die Suche nach einem Krippenplatz ist ein Albtraum – ich hätte gerne erstmal mein Kind bekommen, ehe ich mich um die Betreuung kümmern muss.“
Die Pläne der Stadt: „4100 zusätzliche Plätze bis Ende 2013“
Wenn nächstes Jahr der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kommt, will die Stadt für 70 Prozent der Ein- bis Dreijährigen einen Krippenplatz bereitstellen können. Momentan liegt der Versorgungsgrad für Null- bis Dreijährige bei 37 Prozent und der für Ein- bis Dreijährige bei 51 Prozent. „15277 Plätze existieren bislang, bis Ende 2013 sollen 4100 zusätzliche Plätze entstehen – durch Bauvorhaben von freien Trägern und der Stadt“, sagt Ursula Oberhuber, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport.
Insgesamt sind im städtischen Mehrjahresinvestitionsprogramm von 2011 bis 2015 in der Investitionsliste der gesicherten Bauvorhaben rund 304 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen. Durch Eltern-Befragungen habe die Stadt einen Kitaplatz-Bedarf von etwa 70 Prozent ermittelt – der Wert, den sie jetzt erfüllen möchte. „Ob die geschaffenen Plätze dann tatsächlich ausreichen, wissen wir nicht“, sagt Oberhuber. Schließlich könne es eine Geburtenexplosion geben, oder das Eltern-Interesse ist doch höher als ermittelt. Fakt ist – und das schreibt die Stadt in einer Mitteilung:
„Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ist ein individuelles Recht, das unabhängig davon, ob durchschnittliche Versorgungsgrade erreicht werden, eingeklagt werden kann.“ Sollte es zu einer Klagewelle kommen, hat die Stadt noch keinen Plan B (etwa pauschale Zuschüsse für die Zusatzkosten einer Tagesmutter). „Da gibt es kein Patentrezept“, meint Oberhuber. „Aber wir tun, was wir können, wir bauen wie die Weltmeister.“
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Ich schliesse nicht aus das der papa zu hause bleibt. Im gegensatz wohl zu ihnen. Und falls sie es nicht verstanden haben noch mal: finanziell lohnt sich das arbeiten beider eltern wenn ein krippenplatz bezahlt werden muss nur in den wenigsten fällen. Und nach meiner erfahrung sind das zum grossen teil eltern die eben genau wie ich es schon beschrieben habe ihr familienleben mit kind leben. Und das ist für mich, so ist nun mal meine meinung, nicht schön für das kind das ich in die welt gesetzt habe. Und jetzt bitte nicht von alleinerziehenden reden und von den wenigen die auf die paar hundert euro angewiesen sind die nach abzug der krippenkosten übrig bleiben... wenn ich meine wohnung und einen anständigen lebensunterhalt bezahlen kann wieso arbeiten? Drei jahre sag ich kann man es durchaus aushalten auf selbstverwirklichung zu verzichten. Das ist meine altkluge meinung. Dreifache mama, akademikerin, arbeitend seid alle kinder im kindergarten waren. Und mir ist nicht mal ein zacken aus meiner emanzipierten krone gebrochen...
???
Natalie, da frag ich mich ja schon in welcher Realität Du so lebst. Die zwei Jahre hin oder her - wie Du das schreibst - sind durchaus für eine Familie relevant, wenn ein Einkommen wegfällt! Es ist eine Frechheit, dass die Kinderbetreuung so dermassen schlecht geregelt ist und Frauen besser auf ein Einkommen verzichten sollen (oder auf ein Kind, wenn sie eben nicht auf das fehlende Einkommen verzichten wollen oder können.) Und das liest man von einer Frau! Peinlich, peinlich! Versteh doch erst mal die Zusammenhänge, bevor Du hier so altkluge Vorschläge machst, die absolut unsinnig sind!
...so schauts aus in München...
...vielbefahrene Straßen und wenig Grünfläche?? Ja, so schauts nun mal aus in einer Stadt! Lieblos? Kann ich das nach einer Besichtigung tatsächlich beurteilen? Hmm... dann soll sie halt ihre Elternzeit auf drei Jahre verlängern und dann ihr Kind in einen sicheren Kindergarten schicken. Auf die zwei Jahre hin oder her.... Die Krippenplätze kosten eh so viel, dass sich das doch nur für die wenigsten tatsächlich lohnt, oder?? Aber Wochenendmama sein, und spät nachmittags mein Baby abholen um es dann daheim bald ins Betti zu stecken... Ja, da hab ich auch genug Zeit viiiele Krippenplätze lieblos zu finden....