Panorama Auf die Vornamen kommt es an: Funkt es oder kracht’s?

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Liebe ist keine Frage der Chemie, sondern hängt vom Vornamen ab, heißt es in einem neuen Buch. Klingt komisch, ist aber so – sagt der Autor und erklärt im AZ-Gespräch, was dahinter steckt

Von wegen Schönheit, Reichtum, innere Werte: Bei der Suche nach dem passenden Partner kommt's womöglich auf was ganz anderes an: Auf den Vornamen! Clemens Beöthy, seit 13 Jahren Single- und Paarcoach, will nach tausenden Gesprächen mit Männern und Frauen herausgefunden haben, dass Namen in der Liebe mehr sind als Schall und Rauch. Sie verraten, wer der beste Zuhörer ist, wer im Bett die besten Tricks kennt, wer zur Treue neigt oder wer einfach zu kompliziert ist für die Ehe. Wer mit wem harmoniert und bei welchem Namenspaar garantiert bald die Fetzen fliegen, ist jetzt in seinem neuen Buch zu lesen: „Heirate nie einen Udo“ (Knaur Verlag, 9,95 Euro - siehe Auszüge unten).

AZ: Herr Beöthy, Sie sagen, Andreasse sind fade Brocken? Der Udo ist ein rücksichtsloser Macho? Die Ute ein Sex-Maniac? Schon ein bisschen frech, oder?

CLEMENS BEÖTHY: Wieso, das kann man beobachten. In tausenden Gesprächen als Single-Coach habe ich mir die Leute sehr genau angeschaut. Als mir der zwanzigste Wolfgang eine Geschichte erzählt hat, die denen seiner Namenskollegen mal wieder verblüffend ähnelte, hat's bei mir geklingelt. Ich fing an, gezielt nachzufragen und Gemeinsamkeiten zu extrahieren.

Mit Fragen wie: „Sie heißen Markus – gehen Sie auch dauernd fremd?

So ähnlich (lacht). Ich beobachte, wer mit wem gut zurechtkommt. Wie Leute versuchen, Partner kennen zu lernen. Welche sexuellen Vorlieben sie haben. Ich erfahre viele Sub-Geschichten über deren Partner. Wie sich wer bei Trennungen verhält, ob es Rosenkriege gibt, wer die Kinder aufhetzt...

... wie Ulrikes das angeblich oft machen? Jetzt sind wir aber mal auf die Erklärung gespannt.

Ich glaube, dass Eltern ihrem Kind über den Namen, den sie auswählen, unbewusst einen Auftrag mit ins Leben geben und dann entsprechend erziehen, fördern und dem Kind eine Richtung geben – oder eben auch nicht. Ein Literatur- oder Philosophie-Professor nennt sein Kind einfach nicht Kevin.

Sondern lieber Heinrich oder Arthur? Wie Heine und Schopenhauer?

Sicher. Wie viele Lehrer und Erzieher klagen darüber, wie schwer sie mit Marvins, Kevins oder Dustins zurechtkommen, wie hart die sich beim Lernen tun. Diese Namen sind Klassiker – meist in einfacheren Elternhäusern.

Ein Marvin wäre demnach anders, wenn er Moritz hieße?

Möglich wäre das. Wo da Ursache und Wirkung liegen, habe ich allerdings nicht erforscht.

Was ist an den Klischees dran, dass Sabines immer blond, Elkes spröde und Rüdigers furchtbar langweilig sind?

Nichts, das ist in großen Teilen Quatsch. Es gibt unzählige brünette Sabines – die färben sich bloß meistens die Haare. Elkes sind eher leichtsinnig naiv und lassen sich zu schnell auf One-Night-Stands ein. Und der Rüdiger ist zwar brav im Alltag. Aber im Bett explodiert er geradezu und verrenkt sich mit seiner Partnerin wie das Paarungsknäuel der Anakonda.

Da müsste er ja gut mit der liebestollen Stefanie harmonieren.

Im Bett vielleicht. Im Alltag ist er sehr verständnisvoll und kommt auch gut mit komplizierteren Charakteren wie mit der Renate aus.

Welche zwei geben ein gutes Alltagspaar ab?

Andrea und Werner. Beide sind nicht so emotional, der Werner ist staubtrocken, die Andrea eher spröde. Beide sind materialistisch eingestellt, die Andrea kauft ihre Semmeln nur beim besten Bäcker der Stadt. Und beide legen nicht viel Wert auf großes Brimborium beim Sex.

Was geht gar nicht?

Barbara und Frank – der Frank ist ihr viel zu provinziell. Christian und Uschi – die lockere Uschi hält seine komplizierten depressiven Verstimmungen schlecht aus. Und Susanne und Ralf – beide narzisstisch, die liegen im Schützengraben und hoffen, dass der jeweils andere sie mit Aufmerksamkeit und Bewunderung überschüttet. Das passiert natürlich nicht.

Das erotische Super-Traumpaar?

Thomas und Ute! Oh, da knistert es ordentlich. Beide sind sehr aktive Liebhaber, haben viel Erfahrungsschatz. Ob das lange anhält, ist die Frage – mit der Treue nehmen sie es beide nicht so genau.

Kinder mit modischen Namen wie Neo oder Lara – welche Perspektive haben die?

Da fehlt noch die Erfahrung, die jagen ja nur im Sandkasten und sind noch nicht alt genug für Single-Coaching.

Ihr Namenstipp für Eltern, die wollen, dass ihr Kind ganz bestimmt eine kluge, glückliche, erfolgreiche, beliebte und sexy Frohnatur wird?

Hm. Laura klingt für mich gut dafür, die wird weite Wege gehen und Glück haben. Nikolas wird ein bodenständiger, aber pfiffiger Erfolgstyp. Luis dürfte ein lebenslustiger Mensch werden. Tina frech und ehrgeizig.

Wie heißt eigentlich Ihre Frau?

Timea.

Lateinisch die „Furchtsame“.

Ungarisch! Kommt vom griechischen Eftimea – Freude, Frohsinn.

Und passt Timea zu Clemens - laut ihren Erhebungen?

Wir sind seit 20 Jahren sehr glücklich verheiratet – aber ehrlich, bei ihr und mir habe ich nichts recherchiert. In unserem Fall bin ich betriebsblind.

Interview: Irene Kleber

„Bitte nicht gleich auswandern, wenn Sie nicht so gut abschneiden!“

Grundlage seines „kleinen Namenslexikons der Liebe“ sind, so schreibt Autor Clemens Beöthy in seinem Vorwort, seine „beruflichen wie auch privaten Beobachtungen und Erfahrungen.“ Wer aufgrund seines Namens nicht so gut abschneidet als erwartet, sei die berühmte Ausnahme von der Regel. Und „kein Grund, gleich auf die Fidschi- Inseln auszuwandern“. Hier ein paar Beispiele ...

Julia: Viele Julias haben die Anmut eines Schwans und die Grazie einer Gazelle. Sie unterliegen oft dem Schicksal der schönen Frau: Die Männer, die sie ansprechen, sind nicht gut für sie, und Mr. Right traut sich nicht an sie heran. Im Bett sind Julias eher zurückhaltend, nicht selten deshalb, weil sie in jungen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die Julia ist ein Naturtalent im Küssen. Scheitert die Liebe zum Vater ihrer Kinder, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch die Disziplin verbietet ihr, sich das öffentlich anmerken zu lassen. Ideale Namenspartner: Peter, Gerhard, Stefan, Joachim, Wolfgang

Stefan: Diese Männer sind sind unkonventionelle Spaßund Paradiesvögel. Mitunter bringen sie durch ihr kesses Mundwerk andere in Verlegenheit. Hemmungen kennen sie in horizontaler Sicht überhaupt keine. Jede Spielart der Lust, die ihnen gerade einfällt, versuchen sie, gleichmit der Partnerin umzusetzen. Da im Bett der Alltag nur schwer zu vermeiden ist, werden Stefans nicht selten untreu. Sie sind die Typen, die oft "kurz" zum Bäcker fahren und nie mehr zurückkehren. Ideale Namenspartnerin: Bettina, Uschi, Petra, Stefanie, Ute, Kerstin.

Susanne: Frauen mit diesem Vornamen sind ausgesprochen karitativ und eloquent, haben aber auch einen Hang zur Geltungssucht. Häufig sind sie mit einem deutlich jüngeren Partner liiert. Ihr Flirtverhalten ist geprägt von lasziver Sinnlichkeit. Doch Susannes haben oft Furcht vor Bindung und körperlicher Nähe. Eine Bindung, die länger als fünf Jahre dauert, geht die Susanne oft nur einmal ein, und zwar mit dem Vater ihrer Kinder. Danach halten Beziehungen selten länger als drei Monate, sie beginnt Nähe-Distanz-Spielchen, das klassische On-Off-Muster nimmt seinen Lauf. Ideale Namenspartner: Paul, Markus, Günter

Christian: Fast alle Christians sind charismatisch und überdurchschnittlich attraktiv. Sie haben viele Talente, tun sich deshalb oft schwer, sich beruflich zu orientieren und neigen zu depressiven Verstimmungen. Ihr Charme ist oft spröde. Komplimente kommen ihnen fast nie über die Lippen

Sie bestechen vielleicht durch ihr Geld, aber nicht durch ihre Lässigkeit. Beim Geschlechtsverkehr haben viele Christians ein genitales "Luxusproblem". Christians brauchen viel Sex, um sich ausgeglichen zu fühlen. Ideale Namenspartnerin: Anna, Bettina, Karin, Julia, Ute, Stefanie

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