Normalerweise stellt Paolo Tanone Post zu – jetzt hat er einer Werbefachfrau ihre verlorene Tasche wiedergebracht. Nicht mal hineingeschaut hat er vorher: Dabei waren 5700 Euro drin

Es ist der Tag nach dem Feiertag, und da gibt’s immer viele Pakete auszutragen. Paolo Tanone ist für die Deutsche Post am Bahnhof unterwegs. Gerade will er über die Arnulfstraße rüber, da sieht er sie auf dem Parkstreifen liegen: Eine schöne, blaue Ledertasche.

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„Ich habe sie nicht einmal aufgemacht – ich wollte nicht wissen, ob Geld drin ist, damit ich gar nicht erst auf blöde Gedanken komme“, sagt der 41-jährige Italiener. Tanone gibt die Tasche bei der nahen FOM, einer Hochschule in der Arnulfstraße ab, weil er vermutet, dass sie einer Schülerin dort gehört.

Gerade als er los will zum nächsten Kunden, sieht er noch den Stadtviertelpolizisten: „Magst du nachschauen, ich habe da eine Tasche abgegeben, falls die doch keiner Schülerin gehört?“ ruft Tanone ihm zu. Man kennt sich vom Sehen, Paolo Tanone ist einer, der immer freundlich ist.

Der Polizist macht eine irre Entdeckung: In der Tasche sind neben Ausweisen, EC- und Kreditkarten 5700 Euro in bar. Die Besitzerin der Tasche, eine 42-jährige Werbefachfrau, ist mehr als erleichtert über die Rückgabe.

Sie war gestresst auf der Arnulfstraße unterwegs, mit dem Auto. Fand die richtige Straße nicht, stellte die Tasche ab, bekam einen Anruf – fuhr los und verlor die Tasche.

Einen Computer wollte sie kaufen, deswegen so viel Bargeld. Drei Prozent, also 171 Euro, hätten Tanone an Finderlohn zugestanden, die erleichterte Dame rundet auf 200 auf und lässt keinen Widerspruch zu. „Sie war wahnsinnig nett am Telefon, hat sich sicher zehnmal bedankt – und weil sie nicht daheim war und ich das Geld bei ihrem Bruder abgeholt habe, will sie mich unbedingt noch persönlich kennenlernen“, sagt Tanone.

Er glaubt: „Auch wenn ich gewusst hätte, wie viel Geld da drin ist – ich hätte es abgegeben. Schon als Zeichen, dass es noch ehrliche Menschen gibt in unserer Gesellschaft.“ Geld bedeute ihm nichts, zufrieden sein viel mehr. Und das ist er.

Für die 200 Euro hat er locker Verwendung: „Am Wochenende bekommt mein Sohn Besuch von Freunden aus Italien – es wird traumhaft schönes Wetter, da lade ich sie, meine Frau und meine Tochter in den Biergarten ein.“