Beim FC Bayern soll sich diese Saison Geschichte wiederholen: 2013 gelang dem Klub das Triple – nachdem der Abschied von Heynckes schon feststand. Guardiola ist nun in der gleichen Situation.

Doha - Der lange, junge Mann musste sich auch noch auf einen Stuhl stellen beim Abendessen. Mit 1,90 m ist Torwart-Talent Christian Früchtl (15) ohnehin schon richtig groß, so überragte er alle im Mannschaftshotel „The Grand Heritage“. Früchtl musste singen. Dieses Ritual muss jeder Spieler hinter sich bringen, wenn er im Kreis der Profis aufgenommen wird. Der Keeper wählte DJ Ötzi und performte „Ein Stern“ – wobei er den Text vom Handy ablesen musste.

„Es war so medium“, beurteilte Thomas Müller die Einlage, „der Stimmbruch ist gerade da bei ihm.“ Von den Youngstern, die in dieser Woche mit der ersten Mannschaft in Katar trainierten, mussten auch „Teenager-Oldie“ Milos Pantovic (19), der aufgrund seiner Herkunft ein serbisches Volkslied präsentierte (Juror Müller: „Das hat sich ganz gut angehört“) und Marco Friedl (17) ran. Der Tiroler sang „I am from Austria“ von Rainhard Fendrich, einem von Philipp Lahms Lieblingskünstlern. Weil Fabian Benko (17) schon auf der China-Reise im Sommer dran war, blieb schließlich Niklas Dorsch. Der ebenfalls 17-Jährige machte es sich leicht. Man könnte auch sagen: sehr clever. „Niklas hat den Stern des Südens gesungen“, berichtete Müller, „nach der ersten Strophe war er fein raus. Beim Refrain haben wir ihn entlastet und dann hat die gesamte Mannschaft miteingestimmt. Die Stimmung war richtig gut.“

Die Bayern sind gut drauf nach sechs Tagen in der Wüste. Kein Lagerkoller, beste Bedingungen. „Bis jetzt ist alles perfekt. Wir haben weniger verletzte Spieler. Es sind alle gesund, das ist am wichtigsten“, sagte Trainer Pep Guardiola bei „fcb.tv“. In Doha kehrten die zum Ende der Hinrunde verletzten David Alaba, Arjen Robben, Douglas Costa, Philipp Lahm und Juan Bernat ins Mannschaftstraining zurück. Medhi Benatia, Franck Ribéry und Mario Götze absolvieren in der Reha den „letzten Schritt“, mit ihnen rechnet der Spanier ab Februar.

Mit dem Rückrundenstart am 22. Januar beim Hamburger SV geht es in die entscheidenden Wochen und Monate auf der Jagd nach dem Triple. „Es ist die gleiche Motivation wie die letzten zwei Jahre. Die Spieler spielen am Ende für sich selbst, für die Mannschaft, den Verein, für die Fans. Der Trainer ist nur ein Teil dieser Gruppe. Es ist eine Periode“, sagt Guardiola. Und Abwehrchef Jérôme Boateng meint: „Ich hoffe, dass wir hier einen guten Grundstein für die Rückrunde gelegt haben.“ Für die Wiederholung des maximalen Triumphes von vor drei Jahren.

Die Parallelen sind da: 2013 verkündete der FC Bayern die Verpflichtung von Pep Guardiola und ging mit dem – nicht ganz freiwillig – scheidenden Jupp Heynckes in die Rückrunde. Der Coach, 2012 noch mit dem Vize-Triple unrühmlich in die Geschichte eingegangen, raffte sich auf und konnte die Mannschaft auf das große Ziel einschwören.

Mit dem Triple verabschiedete sich Heynckes. „2013 lief es einfach gut für uns“, erinnert sich Torhüter Manuel Neuer, „wir haben zwar in den anderen Jahren davor und danach auch nicht weniger trainiert oder waren weniger motiviert. Aber wir waren eine verschworene Gemeinschaft, jeder hat gemerkt, dass er wichtig für die Mannschaft ist.“ Das ist der Plan fürs erneute Triple. Durch die Abgänge von Kirchhoff, Gaudino und Kurt ist der Kader kleiner geworden – wie es Guardiola schätzt. Zieht man Julian Green und die fünf Azubis dieses Trainingslagers ab, bleiben 23 Profis, darunter drei Torhüter.

Thomas Müllers Vertrag: "Statement vom Verein und mir"

„Wir wollen eine gute Rückrunde spielen und nach den Titeln greifen – mal sehen, was übrig bleibt. Am besten alles“, meinte Müller, der mit seinen Mitspielern Guardiola den bestmöglichen Abgang bereiten will. Die Situation sei „sicher nicht schädlich“. Müller weiter: „Es kann ganz gut sein, dass es uns hilft, weil jeder weiß: bis dahin und dann endet die Reise.

Jeder haut sich rein. Ich hoffe, dass es wiederholbar ist, dass es wieder in die Richtung geht, in die es mit Jupp Heynckes ging.“ Zum Teambuilding hat auch das Mannschaftsessen auf der Insel vor Doha beigetragen. Gibt es gar den Geist von Banana Island? „Ja, das kann man dann schreiben“, sagte Boateng und schränkte ein: „Wenn wir am Ende erfolgreich sind.“