Organisation von Lesben und Schwulen innerhalb der Partei Homosexuelle in der CSU: „Wird Zeit, sich endlich zu öffnen“

Schaltet die CSU um auf mehr Respekt? Homosexuelle wollen sich erstmals innerhalb der Partei organisieren und für Gleichstellung kämpfen. Foto: Montage: AZ

Patrick Slapal erklärt im Interview, warum die CSU bereit ist für eine eigene Organisation von Lesben und Schwulen.

 

 

AZ: Herr Slapal, Schwule und Lesben wollen sich innerhalb der CSU endlich organisieren. Warum gerade jetzt?

Patrick Slapal: Natürlich weil Parteitag ist und der immer eine Plattform zur Diskussion ist. Und die vorrangigen Themen bei diesem Parteitag sind Immigration, Integration und Leitkultur – die besten Voraussetzungen für die CSU, sich dem Thema Homosexualität endlich zu öffnen.

 

Warum bieten gerade diese Themen eine Plattform für Ihre Anliegen?

Für mich gehört die Gleichstellung von Frauen und Homosexuellen zur Leitkultur und zu deutschen Werten. Wenn wir in der CSU jetzt darüber diskutieren, ist das doch die beste Möglichkeit, sich dem Thema Homosexualität endlich zu öffnen und so einen riesigen Ballast über Bord zu werfen.

Ballast?

Ja, Ballast. Dass die CSU sich in diesem Bereich so unoffen zeigt, ist wie eine Achillesferse für unsere Partei. Es wird Zeit für uns, sich dem zu stellen. Wir haben lesbische und schwule Parteimitglieder, die sich benachteiligt fühlen, weil sie immer wieder von ihrer eigenen Partei durch verschiedene Äußerungen an den Rand gedrängt werden.

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Geht es Ihnen auch so?

Wenn man sich so manche Dinge im Parteipogramm oder auch so manche Forderung durchliest, bekommt man natürlich Hemmungen. Aber es ist kein Grund, nicht in der CSU zu sein. Im Gegenteil. Für mehr Offenheit und Gleichheit zu kämpfen ist ein Grund, um in der CSU zu bleiben.

Sie haben also keine negativen Erfahrungen gemacht?

Letztlich habe ich gesehen, dass man sich nicht fürchten muss. Weder in meinem Orts- noch in meinem Bezirksverband habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in irgendeiner Weise Vorbehalte gibt. Homosexualität ist innerhalb unserer Partei bereits zur Normalität geworden.

Ist die CSU intern offener, als sie sich nach außen gibt?

Das kann man durchaus so wahrnehmen, ja. Die Akzeptanz innerhalb der Partei ist da. Ich hatte schon viele Ämter innerhalb der CSU und meine Homosexualität war nie ein Thema. Es war auch völlig normal, dass ich meinen Partner mit auf Veranstaltungen genommen habe.

Haben Sie negative Reaktionen aus der Partei auf Ihre Treffen bekommen?

Ich habe gehört, dass es wohl einen Antrag gegen unsere Forderung von Gleichstellung gibt. Die Antragsteller wollen eine Festschreibung des Status Quo.

Von wem ist der Antrag?

Er kommt von einem Kreisverband.

Und was halten Sie davon?

Ich weiß nicht, was man ihnen mit der Gleichstellung wegnimmt.

Was versprechen Sie sich von dem neuen Netzwerk?

Es soll homosexuellen Parteimitgliedern eine Stimme geben. Und wir wollen Einfluss nehmen auf das kommende Grundsatzprogramm, in dem auch solche Themen wie die Ehe behandelt werden. Wir werden unsere programmatischen Punkte bündeln und wollen sie in das neue Grundsatzprogramm einbringen. Dazu gehört das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare genauso wie die Gleichstellung bei der Ehe.

Definieren Sie die Ehe genauso wie Ihre Partei?

Ehe ist für mich noch kein Wert an sich. Ich sehe sie als Zeichen für den Wert des Zusammenhaltes zweier Menschen. Da ist es für mich egal, ob das zwei Männer, zwei Frauen oder Mann und Frau sind.

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