Opfer des U-Bahn-Baus Haltestelle Poccistraße wird zum Geisterbahnhof

Für mindestens die nächsten zehn Jahre bleibt an der Poccistraße alles beim Alten. Dann aber wird die U-Bahnstation wohl zum Geisterbahnhof. Der Grund: Wenn die geplante U9 fertig ist, wird der Bahnhof nicht mehr gebraucht. Foto: Daniel von Loeper

Die Zeit des Bahnhofes an der Poccistraße läuft ab. Auch an der Implerstraße sollen eines Tages keine U-Bahnen mehr halten. Als Ersatz ist ein neuer Super-Bahnhof geplant.

Isarvorstadt - Der U-Bahn-Bau in München nimmt wieder Fahrt auf. Der Stadtrat will sich heute mit einem Vorratsbeschluss grundsätzlich zum Bau der U9 durch das Pinakothekenviertel bekennen. Im Laufe des Jahres sollen dann weitere U-Bahn-Beschlüsse folgen. Doch auch diese erste Strecke hat es gleich einmal in sich.

Im südlichen Verlauf der gut zehn Kilometer langen Neubau-Linie soll der Tunnel nach derzeitigen Planungen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) vom Hauptbahnhof zur Theresienwiese führen (siehe Karte). Dort soll am Esperantoplatz ein zweiter Wiesn-Bahnhof entstehen.

So soll die neue Linie verlaufen.

Gegenüber vom KVR, auf der anderen Seite der Gleistrasse, soll zudem ein neuer Super-Bahnhof gebaut werden. Dieser soll die jetzigen U-Bahnhöfe Poccistraße und Implerstraße ersetzen und den ebenfalls dort geplanten Regionalzughalt anbinden.

Partys im Bahn-Tunnel? Die MVG wiegelt ab

Fix ist noch nichts. Nach Angaben der MVG spricht jedoch sehr viel für diese Planung. Der U-Bahnhof Poccistraße ist schwer sanierungsbedürftig. Statt die Millionen dort zu vergraben, könnte man auch gleich in einen ganz neuen Bahnhof investieren, heißt es aus der Konzernzentrale.

Die gesamte Neubaustrecke der U9 wird ersten Schätzungen zufolge um die drei Milliarden Euro kosten - den neuen Super-Bahnhof schon mit eingerechnet. Sollte der tatsächlich kommen, hätten die U-Bahnhöfe Poccistraße und Implerstraße dann also ausgedient. Keine Züge mehr, keine Fahrgäste: Es wären ganz klassisch Geisterbahnhöfe.

In der Münchner Kulturszene dürfte dieser Begriff viele Fantasien wecken: Geisterbahnhof. Was könnte man in solchen stillgelegten Katakomben nicht alles machen? Konzerte, Untergrund-Partys - vieles ist da denkbar.

Die MVG schiebt solchen Überlegungen aber schon vorsorglich gleich mal den Riegel vor: "Vollkommen unrealistisch", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Nicht aus jedem Loch könne man einfach so einen Veranstaltungsraum machen. Im Fall der U-Bahnhöfe Poccistraße und Implerstraße sprächen zudem ganz handfeste Argumente gegen eine kulturelle Nutzung.

Zwar würde an den Bahnhöfen tatsächlich kein Fahrgastbetrieb mehr stattfinden - ganz stillgelegt würden die Gleise aber wohl nicht werden.

MVG rechnet mit einer Bauzeit von etwa zehn Jahren

Man könne den Tunnel nicht einfach so vom Netz nehmen, erklärt Korte. Sonst werde die Verbindung zu der Abstellanlage an der Theresienwiese gekappt. Und auch den Geistertunnel selbst würde die MVG gerne zum Zwischenparken von Zügen nutzen.

Bis die Trasse ausgedient hat, wird ohnehin noch einige Zeit vergehen. Die MVG rechnet mit einer Bauzeit von etwa zehn Jahren. Erst dann wird in den U-Bahnhöfen Poccistraße und Implerstraße wohl weitgehend Ruhe einkehren.

Es wären nicht die ersten Geisterbahnhöfe in München. Der U-Bahnhof Goetheplatz war schon 1941 im Rohbau fertig, bevor ihm der Zweite Weltkrieg dann das Schicksal eines Bombenbunkers zudachte. Der alte Olympia-Bahnhof gammelt seit 1988 vor sich hin.

Und auch die Poccistraße war schon einmal mehr oder weniger ein Geisterbahnhof: Der Bahnhof wurde 1978 bei laufendem U-Bahn-Betrieb erst nachträglich ins Netz eingebaut. Allerdings gab es damals Ärger mit der Stahlkonstruktion. Bis die Behörden der Station die Freigabe erteilten, rauschten die Pendler auf der Linie U3/U6 durch einen Geisterbahnhof.

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