Opernfestspiele Eine Sache der Nerven

Jonas Kaufmann rettete den „Lohengrin“ und Annette Dasch als Elsa im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Jonas Kaufmann sprang als Lohengrin ein und ist am Freitag als Manrico in Verdis "Il trovatore" im Internet zu hören

Gestern rettete er den „Lohengrin“ der Opernfestspiele im Nationaltheater. Jonas Kaufmann sprang am Mittwoch kurzfristig für den indisponierten Klaus Florian Vogt ein. Am Freitag singt Kaufmann wieder wie in der Premiere den Manrico in Verdis „Il trovatore“.

Dass ein Sänger beide Rollen im Repertoire hat, ist eine Rarität – in den letzten Jahren fällt einem da höchstens Plácido Domingo ein. Und der sang, als er als Schwanenritter unterwegs war, den Manrico kaum noch. Der Spanier hatte übrigens auch nur an sehr schönen Tagen ein hohes C, das bei jedem Sänger eine Sache der Nerven ist.

Das sei jenen Melomanen gesagt, die auf diesem Ton herumreiten. Auch ich glaubte in der Premiere am Ende von „Di quella pira“ ein C gehört zu haben. Mittlerweile hat die Staatsoper zugegeben, dass die berüchtigte Stretta um einen Halbton nach unten transponiert wurde und Kaufmann nur ein H gesungen hat.

Das ist in der Theaterpraxis üblich. Auf einer hübschen CD mit 34 historischen Aufnahmen der Stretta singen nur 17 Tenöre in der Originaltonart. Und den Unterschied hören nur Menschen mit der Gabe eines absoluten Gehörs. Und in Verdis Partitur steht der Ton ohnehin nicht. Kaufmann hat dafür beide Strophen der Stretta gesungen – eine Rarität, wie jeder Liebhaber von Live-Mitschnitten weiß.

Nicht jedes hohe C am Ende der Stretta klingt übrigens auch schön. Dass Kaufmann mit seinem H der weltbeste Manrico ist, lässt sich heute abend auch ohne Karte nachprüfen: Ab 19 Uhr wird die heutige Aufführung ins Internet übertragen. Auf der bald erscheinenden Verdi-CD singt Kaufmann dem Vernehmen nach das C. Aber eine Platte ist eine Platte und live eben live.

„Il trovatore“ am Freitag, den 5. Juli ab 19 Uhr unter www.staatsoper.de/tv. Die CD mit 34 Aufnahmen von „Di quella pira“ bei Bongiovanni

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