Open Air im Olympiastadion AC/DC in München: Mit Dynamit und Höllenglocken

Der „neue“ Sänger Brian Johnson (seit 1980), der tatsächlich neue Schlagzeuger Chris Slade und der ewige Schuljunge: Angus Young. Foto: dpa

Dienstag und Donnerstag spielt AC/DC erstmals seit 2009 wieder im Olympiastadion in München - es gibt noch Karten, aber Regenkleidung ist ratsam

München - AC/DC ist schon so lange so erfolgreich, dass es wenig Sinn macht, sie mit anderen existierenden Bands zu vergleichen. Da würden die Dimensionen einfach nicht stimmen. AC/DC ist eher so populär wie Bier oder Fußball. Und so wie der FC Bayern die Arena gegen Barcelona wohl mehr als einmal hätte füllen können, so auch AC/DC.

Die Australier spielen gleich zwei Mal im Olympiastadion: Dienstag und  Donnerstag.

Es gibt noch Restkarten, aber die Konzerte sind weitgehend ausverkauft. Dabei hat AC/DC erst vorletzte Woche 75 000 Zuschauer auf das Nürnberger Zeppelinfeld gelockt. Im österreichischen Spielberg kamen 105 000, am Hockenheimring am Wochenende 100 000 Fans.

 

Man weiß, was man kriegt

 

Das Geheimnis dieses Erfolgs? AC/DC-Fans wissen seit Äonen exakt, was sie bekommen – und davon kriegen sie jedes Mal eine gigantische Überdosis. AC/DC spielen keine schnöden Konzerte, sondern feiern Messen. Zur Liturgie gehören Flammen, Feuerwerk, Teufelshörner, eine übergroße Frauenpuppe (bei „Whole Lotta Rosie“) und die Schuluniform: In der tritt Lead-Gitarrist Angus Young auf, seitdem er Teenager war. Damals wurde die Band schon berühmt.

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Jetzt ist er sechzig und das letzte verbleibende Urmitglied. Sein Bruder Malcolm, als Rhythmus-Gitarrist Triebwerk der Band, ist dement. Schlagzeuger Phil Rudd ist nicht dabei, weil in Australien ein Prozess gegen ihn läuft, wegen Morddrohungen und Drogenbesitzes. Anderen Bands würde das den Garaus machen. Aber so lange Angus Young harte Blues-Licks aus seiner Gibson friemelt, wird es wohl AC/DC geben.

 

Auch der Gesang zwingt die Trittbrett-Tribute-Bands in die Knie

 

Nicht unwichtig ist dabei auch der Neue: Brian Johnson, 1980 eingestiegen, nachdem Ur-Sänger Bon Scott sich zu Tode gesoffen hatte, und somit für pedantische Fans auf ewig Neuzugang. Doch auch sein gekreischter Sound ist es, der die unzähligen Trittbrett-Tribute-Bands regelmäßig in die Knie zwingt und die Distanz zum Original unüberwindlich macht. Dazu kommt Bassist Cliff Williams, immerhin schon seit 1977 dabei. Ihnen zur Seite stehen Schlagzeuger Chris Slade und Stevie Young, der seinen Onkel Malcolm ersetzt (der gerade mal drei Jahre älter ist als er).

Aber egal, wer da im Detail auf der Bühne steht, der Sound ist der Gleiche, damals, jetzt und in aller Ewigkeit: Gitarrenriffs, so hart, simpel und zwingend, dass sie auch schon – und vielleicht gerade – die Menschen in der Steinzeit überzeugt hätten. Dazu eine grundsolide rockende Rhythm Section, Angus Youngs Blues-Pentatonik-Soli und eben Johnsons Kreischgesang. Mehr Reduktion auf das Wesentliche geht nicht. Aber wie sehr das rocken kann, weiß jeder, der schon mal „Hell’s Bells“, „Back in Black“, „Highway to Hell“, „T.N.T“ oder „For those About to Rock (We Salute You)“ gehört hat. Und das hat wahrscheinlich jeder in der westlichen Welt, ob er will oder nicht. Für alle, die wollen: AC/DC grüßen sie, im Olympiastadion.

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