Maskat - Qaboos ist überall. Ob in quirligen Souks oder winzigen Supermärkten, ob in pompösen Hotelfoyers oder schlichten Restaurants - omnipräsent lächelt der freundliche Mann mit dem gestutzten silbrigen Bart und dem traditionellen omanischen Kopfschmuck seinen Landsleuten zu. Das Besondere daran: Qaboos regiert mit absoluter Macht und genießt dennoch ein unvorstellbares Maß an Beliebtheit, Verehrung und Popularität. Was nämlich der Sultan in 40 Jahren Regentschaft für den Oman geleistet hat, ist ohne Beispiel in der arabischen Welt. Als er 1971 seinen Vater unblutig aus Amt und Palast putschte, war das Land ein bettel­armer isolierter Feudalstaat.

Heute verbinden mehrspurige Nationalstraßen entfernteste Bergregionen, verfügt selbst das kleinste Dorf über eine Schule, erhalten alle Bürger kostenlose medizinische Versorgung in bestens ausgestatteten Krankenhäusern - und viele andere Sozialleistungen mehr. Den Oman in ein modernes Land mit Wohlstand für alle zu verwandeln und dabei keineswegs die Traditionen aus dem Auge zu verlieren, ist ein weiteres Verdienst des Landesvaters. Beispielhaft etwa die aufwendige Restaurierung diverser Burgen, Forts und Wachtürme, von denen es im Nord-Oman geradezu wimmelt. Nakhal zum Beispiel. Eine Stunde westlich der Hauptstadt Maskat thront inmitten einer üppigen Oase am Fuß des Hajar-Gebirges die mächtige Festung mit sechs Wehrtürmen, deren Ursprünge mehr als 1000 Jahre zurückreichen.

Die Sultan Qaboos Grand Moschee bietet Platz für 20 000 Gläubige

Vollständig und vorbildlich restauriert, erstaunt die wuchtige Anlage nicht nur durch ihre Trutzhaftigkeit; sie gehört auch zu den wenigen Forts im Oman, deren Räume möbliert und mit Exponaten wie traditionellen Küchengerätschaften und Waffen ausgestattet sind. Ein herausragendes Beispiel für die ganze Pracht moderner islamischer Baukunst repräsentiert die Sultan Qaboos Grand Moschee in Maskat. Das imposanteste und einzige Gotteshaus im Oman, das auch Nichtmuslime betreten dürfen, bietet Platz für 20 000 Gläubige und steckt voller Superlative. Fünf Minarette etwa symbolisieren die fünf Säulen des Islam. Der Kuppel-Kronleuchter ist ein 15 Meter hohes und acht Tonnen schweres Unikat aus Swarovski-Kristall. Und der 4263 Quadratmeter riesige Teppich - ein Meisterwerk persischer Webkunst - zählt zu den größten der Welt. Frappierend ist aber auch die Freundlichkeit des Omaners im kleinen Moschee-Infocenter.

Erst serviert er Datteln und Kaffee, dann folgt ein entspanntes Gespräch über Sultan, Islam, Koran und Oman generell. Und sogar gegen ein Abschiedsfoto hat er nichts einzuwenden - so eine Chance auf ein schönes Porträt bekommt man im Oman nicht immer so schnell. Manche seiner Schätze gibt das Land aber auch nicht so leicht preis. Eben noch auf schnurgerader Autobahn unterwegs, rumpelt der Wagen jetzt über rauen Schotter durch wilde Kulissen. Guide Rachim und sein Jeep zeigen, was in ihnen steckt, und zur Belohnung gibt’s eine dicke Überraschung. Im Wadi Arbayeen nämlich strahlt eine ganze Kette von Naturpools in verschiedenen Grün- und Blautönen um die Wette - ein entzückender Kontrast zu den schroffen Bergen drum herum. Zauberhafte Plätzchen zudem für ein erfrischendes Bad und ein ausgiebiges Picknick unterm Schattendach der Dattelpalmen. Auch im Wadi Bani Khalid tanzen hauchzarte Libellen über glasklares Wasser, sonnen sich blaue Echsen auf heißen Steinen, betteln langhaarige Ziegen um ein paar Bröckchen Futter - auch diese natürliche Poollandschaft ist ein perfektes Idyll. Zumal hier unter der Woche so gut wie kein Betrieb herrscht. „Freitags sieht das ganz anders aus, dann kommen die omanischen Familien in Scharen zum Picknicken und Baden“, erzählt der Bademeister. Auch für die Wüstenlandschaft der Wahiba Sands bleibt der Land Cruiser obligatorisch. Rachim „schwimmt“ durch den rot-gelben Sand und hat sichtlich Spaß dabei.

Oman bietet gigantische Oasen mit Abertausenden von Dattelpalmen

Düne rauf mit Vollgas und Düne wieder runter, stundenlang könne er das am Stück, überkräht er fröhlich den Motorenlärm - bei einigen Passagieren hält sich dieses Vergnügen in überschaubaren Grenzen. Nach dem Nervenkitzel der Dünen-Achterbahn jedenfalls geht es in eine friedfer­tige und blitzsaubere Palmstroh-Hütte, die mit großen Teppichen ausgelegt und mit bunten Sitzkissen möbliert ist - eine alteingesessene Beduinenfamilie verwöhnt hier ihre Gäste mit Kaffee, Datteln und der nationalen Süßspeise Halva. Wie bei omanischen Beduinen üblich trägt die Herrin des Hauses eine schnabelartige Gesichtsmaske. Dazu kommen die mit Henna bemalten Hände und Füße und eine ausladende Leibesfülle unter dem knallblauen Gewand: Das hiesige Weiblichkeitsideal weicht diametral ab von westlichen Schönheitsmustern.

Die Schatzkammer Oman hat aber noch wesentlich mehr Perlen im Collier: gigantische Oasen mit Abertausenden von Dattelpalmen und ausgeklügelten Bewässerungssystemen; bizarre Berglandschaften mit Ruinenstädten und verlassenen Lehmdörfern; das religiöse Zentrum Nizwa mit seinem einmaligen kreisrunden Fort sowie dem Silberschmuck- und Antiquitäten-Souk; die Palastfestung von Jabrin mit prachtvollen Holzdecken und kalligrafischen Wanddekorationen; die Hafenstadt Sur mit rustikalem Leuchtturm und traditionellen Dhau-Werften; und nicht zuletzt das Weihrauchland im Süden rund um die zweitgrößte Stadt Salalah. Alles in allem Programm genug für eine gut ausgefüllte Woche im Reich des einzigartigen Sultans Qaboos.