Jennifer Lopez zeigt in der Olympiahalle eine feurige Pop-Show. Die Konzertkritik aus München, die Bilder ihrer Europa-Tournee.

Dass Jennifer Lopez ein echter Superstar ist, das erkennt man besonders gegen Ende ihres Konzerts in der Olympiahalle. Natürlich inszenierte sie sich 90 Minuten lang als RnB-Latina-Queen ohne Gleichen, inmitten eines Spektakels voller Pyro- und Windmaschineneffekte (ihr wehendes Haar!), Glitzerkostümwechseln (ihr Körper!), perfekter Choreographien (ihre Tanzboys!), und mutiger, da wirklich live gesungener, bei "If you had my love" gar nur mit der Akustik-Gitarre begleiteter Einlagen (naja, ihre Stimme!).

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Doch nachdem JLo den alten Dancefloor-Kracher „Let's get loud“ gesungen und die dreiviertelvolle Halle zum Hüftschwingen gebracht hat, nachdem sie sich hinter den roten Flauschefächern ihrer Tänzer versteckt hat, um in einem umwerfenden Nichts von einem roten Kleid wieder aufzutauchen - da macht sie genau das, was jemanden ausmacht, der sich nichts mehr beweisen muss: Sie nimmt sich Zeit. Steht einfach da. Lacht. Nimmt die Begeisterung auf. Und fordert erstmal die Frauen, dann die Männer zum Jubeln auf (wobei die Frauen lauter sind).

Lopez hat für jeden etwas zu bieten, ist sexy, selbstbewusst, betreibt ein eigenes Mode- und Parfümlabel, ist mehrfache Mutter (die vierjährigen Zwillinge Max und Emme werden Backstage betreut von Jennys Mutter). Und die Männer haben sowieso ihr Vergnügen, wobei es schon unfassbar ist, wie der Hintern von La Lopez in den Mittelpunkt gerückt wird. Immer wieder Rückenansichten, fast wie bei Caspar David Friedrich, bevorzugt auf der Rampe, zur Krönung einer Nummer. Und dass wirkt nicht ordinär, sondern fügt sich nahtlos in den leichtfüßigen Spaß ein. Als ob Lopez uns sagen möchte: Ja klar, ich habe den berühmtesten Arsch im Showbiz. Wir wissen es alle. Also, hier habt ihr ihn!

Es ist ein frei- wie großzügiges Geben, hinter dem der Ausverkauf lauert, aber auch die Lust an der Show steckt. Beginnt der 90-minütige Reigen mit einer Hollywood-Musical-Nummer ihrer Jungs, so endet er damit, dass sie mit dem Einen unter den acht tanzt, ihrem 18 Jahre jüngeren Lover Caspar Smart, der sich mit einem Salto rückwärts aus der Pas-de-deux-Affäre zieht. Was für ein Mann! Was für eine Frau!

Die Showtreppe steigt die 43-Jährige hoch, um sich auf einen roten Thron zu setzen und „On the floor“ zu singen, jenes Lied, mit dem sie 2011 an die Spitze der Euro-Charts aufstieg. Das US-Magazin „Forbes“ erkor sie heuer zur mächtigsten Berühmtheit der Welt. Und man denkt, ja, stimmt. Und nach dieser unermüdlichen Performance mit sympathischen Ich-und-ihr-Momenten gönnt man ihr das auch noch.