Hochkarätige Gäste auf dem Olympia-Podium von AZ und BMW. Joschka Fischer outet sich als Abfahrts-Fan, eine junge Grüne provoziert OB Ude und Kati Witt wirbt mit Emotionen

München - Katarina Witt hat recht. „An Emotionen kann man kein Preisschild hängen”, sagt sie, und es ist einfach unbezahlbar, wenn sich Deutschlands ewige Eisprinzessin mit einem Schlag aufs Knie von AZ-Chefredakteur Arno Makowsky das Wort verschafft: „Es gibt nur zwei Ereignisse, wo man wildfremde Menschen aus aller Welt zusammenbringt: die WM und die olympischen Spiele.” Deshalb, das muss jetzt mal raus, müssten die Spiele 2018 nach München.

Die schlagkräftige Charme-Offensive ist ein Höhepunkt der großen Podiums-Diskussion, die Abendzeitung und BMW in der BMW-Welt organisiert haben. Ein anderer ist es, als ein energischer Christian Neureuther die Spiele einfordert, weil „Deutschland eine führende Wintersport-Nation” sei, „weil wir stolz auf Magdalena Neuner sein wollen”, weil „diejenigen, die München 1972 miterlebt haben, heute noch positiv davon reden”, und weil „es mir dann egal ist, wenn ein Grundstück mal zwei Jahre belastet ist”. Das mit den Kosten, das könne ja nicht so schlimm sein, „wir zahlen ja auch für Portugal und Griechenland”, da könne man sich ja wohl auch die Spiele leisten.

Der Verweis auf Portugal und Griechenland bringt Joschka Fischer auf den Plan, der an diesem Abend mal Chefdiplomat ist, mal emeritierter Ober-Grüner: „Diese Länder haben auch Stimmen bei der Entscheidung”, mahnt er. Er gebe „doch den Rat”, man solle sich überlegen, wen man vergraule. Ja, auch der schwergewichtige Ex-Jogger ist „mit ganzem Herzen” für die Spiele: „Vierschanzen-Tournee, Abfahrt”, das schaut er sich an, sagt er.

Die Pro-Olympia-Meinung ist nicht Konsens, nicht in München, nicht in Garmisch, nicht an diesem Abend: Im luftigen Glaspavillon nimmt es Katharina Schulze, Chefin der Münchner Grünen, fast allein auf mit den Podiumsgästen und der Mehrheit des überaus fairen Publikums: „Das einzig Grüne an den Spielen 2018 werden die Hänge sein”, sagt die 25-Jährige. „Spiele zwischen 600 und 1600 Metern Höhe in Zeiten des Klimawandels” seien nicht vertretbar, der grüne Anstrich sei „Greenwashing”, ein Feigenblatt für Naturzerstörung.

Die 25-Jährige ist redegewandt in der Höhle des Löwen, sie ist mutig, und sie ist trotz ihres sympathischen Lächelns mühelos in der Lage, OB Christian Ude zu reizen: „Es wird der Eindruck erweckt, als würden hier Berghänge abgeholzt”, sagt er und betont, dass 70 Prozent der Einrichtungen bereits vorhanden seien. Wenn die Spiele aber nicht kommen, dann seien 1300 Wohnungen in München gefährdet, weil es kein olympisches Dorf gebe. Die Kosten von drei Milliarden seien „leider richtig”, aber „ein Konjunkturprogramm” für München.

Dass Rechthaberei eine gewisse Gefahr darstellen, hat Christian Stückl erlebt. Als Regisseur der Passionsspiele in Oberammergau kennt er sich aus mit Zweifeln und Leidenschaft. Zwar bekennt sich „der unsportlichste Mensch der Welt” zu seiner Begeisterung für die Spiele: Aber als Gemeinderat habe erfahren, wie eine 20:1-Mehrheit für die Bewerbung verpuffte, weil zu wenig Überzeugungsarbeit geleistet wird. Und man soll doch bitte aufpassen, „dass es keine Knebelverträge gibt”. Er kenne zwar nicht das IOC, aber mit Sportfunktionären hat der Gestalter der Eröffnungsfeier der Fußball-WM seine Erfahrungen: „Die nehmen sich schon viel raus.”