Nach der Bewerbung ist vor der Bewerbung: Würde sich München wieder um Olympia bemühen, wäre Katarina Witt dabei. „Zuerst muss eine grundsätzliche Entscheidung gefällt werden”
MÜNCHEN Vor vier Monaten musste Katarina Witt in Durban als Münchens oberste Olympia-2018-Werberin eine bittere Niederlage hinnehmen. In den noch verbliebenen Büros der Bewerbergesellschaft war sie seitdem nicht mehr. Ein paar Steinwürfe entfernt, in der BMW Welt, sprach sie nun als Botschafterin des Unternehmens über dessen Engagement bei der Premiere der Olympischen Jugend-Winterspiele, die vom 13. bis 22. Januar 2012 in Innsbruck stattfinden. Die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1984 und 1988 über:
Die Vergabe von Olympia 2018 nach Südkorea: „So was kann man nicht abstreifen. Das wird mich sicher für den Rest meines Lebens begleiten. Es war ein sehr, sehr interessanter Prozess. Bei den vielen Reisen, vor allem nach Asien, all die verschiedenen Traditionen kennenzulernen, hat mein Bewusstsein erweitert, obwohl ich ja auch vorher schon sehr viel unterwegs war. Es ist immer noch ein kleiner Tropfen Wehmut da, und das bleibt auch noch ein bisschen. Aber wir wissen alle, dass es keine Entscheidung gegen München war, sondern für Pyeongchang. Wir hätten nichts besser machen können. Das, was wir der olympischen Bewegung zu bieten hatten, war schon einmalig. Aber der Wunsch, die Spiele in Asien auszurichten, war wohl schon eher da – und Respekt zu zollen, dass sich jemand zehn Jahre lang so intensiv bewirbt, sich von Bewerbung zu Bewerbung ständig verbessert und dann bei der dritten Bewerbung belohnt wird.”
Die Zeit nach der Niederlage: „Nach diesen zwei intensiven Jahren habe ich erst mal Abstand gebraucht. Viele hatten emotional damit zu kämpfen. Das dauert dann einfach ein bisschen. Wenn man so mit dem Herzen dabei ist, kann man das nicht einfach abhaken und zum Nächsten übergehen. Ich war dann nach Durban tatsächlich erst mal zuhause, was auch schön war, weil ich ja immer nur kurz daheim war: zum Aus- und Umpacken.”
Eine Bewerbung München 2022: „Das kann man nicht wirklich vorweg nehmen. Diese Entscheidung muss erst mal politisch getroffen werden. Auch, ob man sich für Winter oder Sommer bewirbt – ich würde natürlich eine Winter-Bewerbung mit unterstützen. Aber das muss man jetzt einfach mal sehen.”
Ihren Einfluss bei der Entscheidung: „Das Schöne ist ja, dass hier in Bayern und in München sehr viel positives Feedback kommt, dass ein Interesse da ist und der Wunsch, wir sollten nochmal Olympische Spiele ausrichten. Wenn das weiterhin einfach vorhanden ist, ist das für uns schon mal sehr gut. Was ich da jetzt machen kann, ist schwer zu sagen. Entscheiden muss das der DOSB und die Politik hier vor Ort: Wie wichtig sind uns die Spiele? Und: Wie sehen die Chancen aus?
Eine Mitarbeit bei einer weiteren Bewerbung: „Das war eine sehr intensive Zeit, sehr nervenaufreibend, sehr spannend. Ich würde sicherlich versuchen, da wieder mitzuhelfen. Aber dazu muss zuerst mal eine grundsätzliche Entscheidung gefällt werden.”