Deutschlands Schwimmer bleiben erstmals seit Olympia 1932 in Los Angeles ohne Medaille. Franzi van Almsick geht mit dem Team hart ins Gericht – und erntet Kritik von Britta Steffen.

LONDON In einem Punkt, da würde wohl auch Britta Steffen der ARD-Schwimmexpertin nicht widersprechen, hat Franziska van Almsick Recht. „Schlimmer geht es eigentlich gar nicht mehr”, hatte die frühere Weltmeisterin am Samstagabend gesagt. Da war auch der letzte deutsche Athlet erfolglos aus dem olympischen Bassin gestiegen – und es stand fest: Erstmals seit 80 Jahren blieben Deutschlands Schwimmer ohne Olympia-Medaille, das hatte es zuletzt 1932 in Los Angeles gegeben.


Eine katastrophale Bilanz, die diesmal auch Vorschwimmerin Steffen, die in Peking noch zweimal Gold geholt hatte, nicht retten konnte. Die Berlinerin, über 100 Meter Freistil bereits im Halbfinale gescheitert, verpasste über 50 Meter Bronze um mickrige sieben Hundertstelsekunden.


Die direkte Folge des kollektiven Abtauchens: Am Rande des Beckens entbrennt ein – auf Entfernung ausgetragener – Zickenkrieg. Zwar beteuerte van Almsick, die ihre Sätze im TV gerne mit „Ich als Expertin” beginnt, dass sie alle Schwimmer ja mögen würde, dass es sich ja um ihren Sport handeln würde, dass sie es ja nur gut meinen würde. Dennoch fiel die Analyse der mittlerweile 34-Jährigen, die bemerkenswerterweise bei keinem ihrer drei Olympiastarts eine Goldmedaille gewonnen hat, ziemlich gnadenlos aus.


Der deutschen Mannschaft attestierte sie ein „gemeinschaftliches Nicht-auf-den-Punkt-Fitsein”. Und weiter: „Das sieht nach einem Fehler im System aus.” Ihre Forderung: „Es muss eine Veränderung her.” Van Almsick empfahl eine Orientierung an den im Schwimmen auch diesmal in London enorm erfolgreichen USA: „Es kann doch nicht so schwer sein, mal nach Amerika zu schauen und zu schauen, wie machen die es denn?” Das Ziel sei es, „Olympiasieger zu werden und nicht reich und berühmt zu werden”. Van Almsick selbst war viermal Olympia-Zweite.


Peking-Doppelsiegerin Steffen hingegen ging mit ihrer neuerlichen Enttäuschung sehr souverän um. Sie kletterte nach den 50 Metern als Erste aus dem Pool und gratulierte – mit einem Lächeln – ihrer jungen niederländischen Nachfolgerin Ranomi Kromowidjojo und verließ ohne Blick zurück das Aquatics Centre. Es dauerte eine Weile, ehe sich die 28-Jährige äußerte – und zumindest indirekt Kritikerin van Almsick in die Parade fuhr. Da sagte Steffen, dass sie selbst – wie übrigens auch van Almsick – „ein Kind der Sportschul-Zeit” sei: „Heutzutage ist es ein bisschen schwieriger mit den Sportschulen. In Amerika ist man ein Held, wenn man im Sport gut ist, dann kann man sich sein Studium damit finanzieren. In Deutschland ist das nicht ganz so einfach. Man sollte vielleicht mit den ganzen Experten die Systeme analysieren.” Und dann fügte sie voller Ironie hinzu: „Aber ich bin nur ein dummes Sportlerchen und will mich nicht aus dem Fenster hängen, weil mir das dann eh nur wieder negativ ausgelegt wird.”


Das klang kämpferisch. Steffen denkt ans Weitermachen. „Ich verspüre noch immer die Leidenschaft fürs Schwimmen”, sagte sie. Zudem sei die EM 2014 in Berlin. Entschieden habe sie sich aber noch nicht. Dies wird sie im anstehenden Ostsee-Urlaub mit ihrem ebenso erfolglosen Schwimmer-Freund Paul Biedermann tun. Und so sagte sie recht charmant: „Jetzt gehe ich erstmal in den Urlaub, nicht so richtig wohlverdient – und entscheide dann dort, was ich zukünftig möchte.”