O du unfröhliche! Zoff um Weihnachtsmärkte am Hans-Mielich-Platz

Weihnachtsmarkt am Hans-Mielich-Platz, Teil 2: Eine Elterninitiative will es hier schon vor dieser Veranstaltung festlich werden lassen. Foto: S. Müller

Heuer gibt’s auf dem Hans-Mielich-Platz zwei Christkindlmärkte – bei den Betreibern herrscht Zoff statt Besinnlichkeit.

München - Ein schöner Platz in einem netten Viertel, ein bevorstehendes besinnliches Fest, zwei freie Wochenenden und zwei gutmeinende Gruppen, die an jeweils einem der Wochenenden auf diesem Platz gern dieses Fest feiern würden – was kann da schiefgehen? Eine ganze Menge.

Die Betreiber der beiden Christkindlmärkte, die auf dem Hans-Mielich-Platz am ersten und zweiten Adventswochenende stattfinden sollen, und der Bezirksausschuss (BA) streiten nämlich nun ausgiebig.

Darüber, wer von wem die Idee mit dem Christbaumschmücken abgekupfert hat, ob sich zwei Christkindlveranstaltungen nicht gegenseitig finanziell schaden und wer von beiden den anderen mit mehr Recht als "kommerzialisiert" beschimpfen darf.

Seit vergangenem Jahr veranstaltet die Bürgerinitiative "Mehr Platz zum Leben" auf dem Hans-Mielich-Platz einen Weihnachtsmarkt mit zeremoniellem Baumaufstellen und -schmücken – die Baumtradition gemeinsam mit der Feuerwehr gibt es sogar schon seit 2007. Nun hat aber die Elterninitiative "Karl & Liesl" ebenfalls einen Christkindlmarkt geplant – am Wochenende vor dem der Bürgerinitiative. Auch mit Baumschmücken.

Die Bürgerinitiative – nämlich deren Initiatorin und gleichzeitig BA-Vize Melanie Kieweg (Grüne/parteilos) – und der BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) sind empört. "Ich finde das moralisch nicht in Ordnung und auch vom Kreisverwaltungsreferat eine geschäftsschädigende Entscheidung", sagt Kieweg.

Als Kinderflohmarkt getarnt?

Der Vorwurf: der Markt von "Karl & Liesl" habe sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auf dem Platz eingenistet. Die Veranstaltung sei beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) als Kinderflohmarkt angemeldet worden.

Der Flohmarkt mit Christbaumschmücken ist dann aber größer geworden: Es wird fünf Standl geben, eine Bühne, auf der zwei regionale Bands spielen sollen, es werden außerdem alkoholische Getränke angeboten und Steckerlfisch.

Das geht, weil einer der Elterninitiative-Vorstände, Markus Müller, gut befreundet ist mit dem Wirt Fritz Kustatscher, der unter anderem den Giesinger Garten betreibt. Kustatscher übernimmt die Organisation der Veranstaltung und verkauft an einem der Christkindlmarktstandl. Was er an Überschuss einnimmt, so erklärt Müller, spendet der Wirt dann "Karl & Liesl".

"Wir bieten 100 Betreuungsplätze für Kinder! Wir haben 20 Arbeitsplätze geschaffen für Erzieher und Pädagogen! Wir bieten 170 Menschen aus dem Viertel die Möglichkeit, einer geregelten Arbeit nachzugehen", sagt Müller. "Wenn einer der Märkte rein kommerziell ist, dann sicher nicht unserer."

Das ist nämlich auch ein Vorwurf: dass der gemeinnützige Verein herhalte als Feigenblatt für einen auf Umsatz ausgelegten Markt. "Äpfel sind angekündigt worden und Birnen sind drinnen", kritisiert Kieweg. "Das Viertel gibt keine zwei Weihnachtsmärkte her. Einen Euro kann man nur ein Mal ausgeben."

Und wären die tatsächlichen großen Pläne von "Karl & Liesl" früher deutlich gewesen, wäre vielleicht der Organisator des "Mehr Platz zum Leben"-Marktes, Roland Henn, von seinem Plan abgerückt. Melanie Kieweg sagt, auf Nachfrage habe man ihr beim KVR erklärt, ein Kinderflohmarkt sei schließlich keine Konkurrenzveranstaltung zum eigenen Christkindlmarkt.

BA-Chef Baumgärtner schimpft: "Ich lasse nicht zu, dass eine Bürgerinitiative, die sich seit 20 Jahren um den Platz kümmert, da so deutlich einer kommerziellen Veranstaltung untergeordnet wird." Allerdings wird er nicht viel ausrichten können: Das KVR wird beide Märkte genehmigen. "Warum es das tut, verstehe ich nicht", sagt Baumgärtner, "die Wahrheit ist auf jeden Fall anders als der Antrag." Nämlich seiner Ansicht nach beim Initiativen-Markt: kommerziell statt gemeinnützig.

Das KVR erklärte auf AZ-Nachfrage: Veranstalter des Marktes sei der Verein "Karl & Liesl", nicht der Wirt des Giesinger Gartens. Der Verein habe außerdem seine Gemeinnützigkeit nachgewiesen. Da es sich also um eine gemeinnützige Veranstaltung handele, werde das Genehmigungsverfahren wie bei einem Flohmarkt angewendet – die Auflagen richteten sich aber nach "Erscheinungsbild, Aufbauten und Programm der Veranstaltung". Beantragt worden sei eine weihnachtliche Veranstaltung.

Melanie Kieweg sagt: "Mir persönlich tut der Herr Henn leid, der der Bürgerinitiative und dem Viertel zuliebe den Markt organisiert. Der hat jetzt einen gigantischen Weihnachtsmarkt vor sich, auf dem das Geld schon ausgegeben wird. Der hat jetzt die Arschkarte."

Markus Müller gibt sich betroffen: Man habe "nicht dazwischenhauen" wollen. Schließlich gehe es um das gemeinsame Viertel. "Auf der Bühne werde ich gern sagen, dass am nächsten Wochenende noch ein Markt stattfindet und die Bürger den gerne auch unterstützen sollen." Fürs nächste Jahr könne man sich dann vielleicht besser absprechen.

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