Nymphenburg Hier entsteht ein neues Museum – aber wie?

Der Dino steht dort, wo bald ein neues Museum gebaut werden soll. Foto: ape

Zum Museumstag am Sonntag ist der Eintritt in viele Ausstellungen in der Stadt frei. Die AZ erklärt zu diesem Anlass, wie bis 2023 das Museum "Biotopia" im Nymphenburger Schloss entsteht.

Mehr als 30 Jahre Provisorium, fast 100 Millionen vom Staat und ein Philosoph als Museumsdirektor – so wächst Biotopia:

Die Idee

Schon in den 60ern kommt die Idee für ein neues Naturkundemuseum in München auf. Das einstige Museum für Naturgeschichte in der Neuhauser Straße war 1944 bei einem Bombenangriff zerstört worden. 1970 bekommen die die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns den Auftrag, ein modernes "Naturkundliches Bildungszentrum" aufzubauen. Das soll auf dem südlichen Oberwiesenfeld unterkommen.

Es gibt einen Architekturwettbewerb, es gibt einen Gewinner – nur die 120 Millionen Mark für das Projekt, die gibt es nicht.

Durch den Auszug der Zoologischen Staatssammlung 1985 werden die Räume im Nordflügel des Nymphenburger Schlosses frei. 1990 zieht das Museum Mensch und Natur ein – von Anfang an geplant als Provisorium, auf 2500 Quadratmetern statt der gewünschten 10 000.

1997 gibt es einen Beschluss über eine Erweiterung des Museums. "Die Besucherzahlen reizen die Möglichkeiten des Museums aus", sagt Ulrike Rehwagen, die Leiterin des Aufbaustabs von Biotopia. "In den Depots schlummern noch so viele Exponate, die nicht gezeigt werden können. Darum ist schon lange klar, dass das Museum mehr Raum braucht."

Doch in München gibt es keine passenden Räume – die Anbindung zu Botanischem Garten und Schlosspark sind einzigartig. Als 2008 die LMU aus den Instituten am Schloss auszieht, präsentiert sich der Standort von selbst. 2010 wird der Bauantrag eingereicht.

Finanzierung

Bauherr für das Museum ist der Freistaat Bayern, Biotopia ist der Nutzer. Für die Erweiterung und die Ausstellung sind rund 95 Millionen Euro an staatlichen Investitionen eingeplant. "Damit lässt sich ein Museum realisieren", sagt Rehwagen, "aber im internationalen Vergleich ist es relativ knapp bemessen, was da pro Quadratmeter angesetzt ist. Es ist schon ein Unterschied, ob man eine Vitrine mit einem ausgestopften Tier hinstellt oder ein interaktives Medium zur Verfügung stellen will."

Biotopia will das interaktive Medium und das Elektronen-Mikroskop für 50.000 Euro – der Museums-Förderkreis akquiriert deshalb gerade weitere Sponsoren.

Masterplan

Den Masterplan für das Naturkundemuseum Bayern entwickelt das Museums-Team 2016 gemeinsam mit den internationalen Museumsberatern Lordculture und Ralph Applebaum Associates. Dafür werden Machbarkeitsstudien und inhaltliche Konzepte erstellt, Workshops veranstaltet mit der LMU und den Architekten.

Im Januar 2017 wird der Masterplan präsentiert: Biotopia soll die Besucher interaktiv interessieren für die Natur und den Mensch darin – mit Fokus darauf, wie er mit seinem Verhalten die Umwelt beeinflusst.

Museums-Team

Im November 2015 ernennt Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle den Iren Michael John Gorman zum Gründungsdirektor des Museums. Gorman hat für das Trinity College in Dublin die Science Gallery aufgebaut – eine Plattform für die kreative Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst. Er zieht im Mai 2016 nach Bayern. Gorman ist auch Inhaber des LMU-Lehrstuhls für "Life Sciences in Society".

Im Juni 2016 kommt die Diplomkauffrau und Kunsthistorikerin Ulrike Rehwagen dazu.

Zwei angestellte Wissenschaftler und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter sind für die Ausstellungen zuständig (siehe "Inhalte"). Eine Assistenz des Aufbaustabs soll bald eingestellt werden, ein Finanzverwalter ist schon da. Seit Mai gibt es eine Baubeauftragte als Schnittstelle zwischen der Nutzerseite – dem Museum –, dem Bauamt und den Architekten.

Biotopia kann auf das Personal des Museum Mensch und Natur zurückgreifen – Museumsleiter Michael Apel ist bereits zu 50 Prozent zuständig und schon eingeplant als stellvertretender Direktor.

Das Team arbeitet bis zum Baubeginn in einem Raum in der Maria-Ward-Straße 1a. Dann geht es bis zur Eröffnung in ein Gebäude auf dem Gelände des Botanischen Gartens.

Inhalte

Für die Ausstellungen zuständig sind Gorman, Apel und die Wissenschaftler. Gemeinsam mit den Ausstellungs-Gestaltern Event Communication aus London erarbeiten sie die Präsentation der Inhalte, deren Rahmenbedingungen bereits feststehen (siehe "Masterplan"). Einmal im Monat kommen die Gestalter nach München, ebenso die Berliner Architekten.

Die Exponate aus dem Museum Mensch und Natur kommen zum Teil bei Biotopia unter – wie "Problembär" Bruno. Andere werden verteilt auf Regionalmuseen und die Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns.

Architektur

Den Wettbewerb zur Realisierung der Erweiterung schreibt 2013 das Staatliche Bauamt München I aus. Eine Jury wählt 2014 aus 31 Entwürfen den des Berliner Büros Staab Architekten aus (siehe auch Text unten).

Nächste Schritte

Der Gebäudekomplex an der Maria-Ward-Straße 1a wird definitiv abgerissen, voraussichtlich 2019. Sobald der Umbau beginnt, entsteht im selben Haus, in dem das Team dann sitzt, das Biotopia Learning Lab – 350 Quadratmeter für Schulklassen. "Unsere Devise ist: Kein Tag ohne Museum", sagt Rehwagen.

Der Bau soll 2023 fertig sein – als Museum nutzbar würde er dann erst 2024. Denn vor der Einrichtung muss das Gebäude klimatisieren, mindestens acht Monate, sagt Rehwagen. Es sind Standards einzuhalten für Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit je nach Objekten. Dann erst beginnt das Team mit der Innenarchitektur und Einrichtung.

Um mit Anwohnern und Interessierten in Dialog zu kommen, hat Biotopia einen Pavillon auf dem Stadtteilfest Neuhausen-Nymphenburg am 24./25. Juni – mit Vortrag zum Masterplan am Samstagabend.

Und ab 2018 soll es einmal im Jahr ein Biotopia-Festival geben, auf dem Ideen und Programme vorgestellt werden. Vielleicht gibt es da dann auch Tausendfüßler zum Anfassen so wie bei der Vorstellung des Masterplans im Januar.

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