Entgegen der Aussagen von Nürnbergs Tiergarten-Direktor Dag Encke soll die Delfin-Mama Sunny wochenlang mit Diazepam ruhiggestellt worden sein.

Nürnberg - Die 30-Millionen teuere Delfin-Lagune sollte der Publikums-Magnet für den Nürnberger Tiergarten werden. Doch die Haltung der Meeressäuger gerät mehr und mehr in die Kritik. Tierschützer werfen Tiergarten-Direktor Dag Encke Vertuschung und Verschleierung vor, damit die „skandalösen Zustände“ den Betrieb der Anlage nicht gefährden.

„Das am 31. Oktober im Tiergarten der Stadt Nürnberg geborene weibliche Delfin-Kalb ist gesund und munter. Mutter Sunny kümmert sich vorbildlich um ihren Nachwuchs“, ließ der Tiergarten drei Wochen nach der Geburt wissen. Genauso positiv sind die offiziellen Statusmeldungen aus dem Lagune-Becken bis zum heutigen Tag.

Nach Erkenntnissen des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) sieht die Wirklichkeit aber ganz anders aus. Geschäftsführer Jürgen Ortmüller beruft sich dabei auf die internen tierärztlichen Berichte des Nürnberger Tiergartens und stellt klar: „Von Wohlbefinden kann keine Rede sein.“

In den Berichten ist nach WDSF-Angaben von Hautverletzungen am Kopf des Delfinbabys die Rede, die unmittelbar nach der Geburt festgestellt worden seien. Gut eine Woche später findet sich im Tagesbericht über Delfinmutter Sunny: „Hat Kalb gebissen, spuckt Fisch.“ Im Bereich des Unterkiefers sei bei dem Delfinbaby zudem eine Bisswunde festgestellt worden, in den Folgetagen war das kleine Tier laut den internen Protokollen „sehr zappelig“ und „zitterte stark während der Blutabnahme“.

Am 21. November, an dem Tag als der Tiergarten das Wohlbefinden-Bulletin veröffentlichte, seien zwei Dellen, vermutlich Injektionsstellen, im Bereich der Schwanzflosse, festgestellt worden, sowie eine „Doppelatmung“ während der Blutabnahme. Eine Woche später sei schließlich beobachtet worden, wie die Delfin-Mutter ihr Baby mehrfach auf den Boden gedrückt habe. Jürgen Ortmüller: „Das ist alles andere als ein normales Verhalten.“

Aus den tierärztlichen Berichten geht aber auch hervor, dass der Tiergarten entgegen seiner offiziellen Darstellungen massiven Medikamentierungsbedarf bei Mutter und Baby sah.

WDSF-Geschäftsführer Ortmüller: „Das Baby musste wochenlang mit Antibiotika behandelt werden.“ Für noch bedenklicher hält der Tierschützer allerdings den Umstand, dass Delfin-Mutter Sunny zwischen dem 4. und 28. November mit Diazepam im Griff gehalten werden musste. Ortmüller: „Die Delfinmutter mit Psychopharmaka zuzupumpen, ist unverantwortlich.“

Unter Bezug auf die Herstellerangaben weist der WDSF-Geschäftsführer auf das Suchtpotenzial der Droge hin – und auf die möglichen Nebenwirkungen: Angstzustände und Wutanfälle. Die WDSF ist nicht die einzige Organisation, die sich für ein Ende der Delfinhaltung im Nürnberger Tiergarten stark machen. Diese Forderung erheben zum Beispiel auch Peta und ProWal.