Die Polizei warnt vor Schreiben, in denen dem Empfänger Dollar-Millionen in Aussicht gestellt werden

MÜNCHEN Ein Stück Papier wie das oben auf dieser Seite hat einen Münchner Autohändler eine halbe Million Euro gekostet. Er dachte, er würde von einem entfernten Verwandten ein Vermögen erben und ging dabei der so genannten „Nigeria Connection” auf dem Leim. Die Gauner kassierten den Geschäftsmann ab und verschwanden spurlos.

Wöchentlich verschicken Gangster aus Afrika – daher auch der Name „Nigeria Connection” – weltweit 30000 Briefe und E-Mails. Auch bei Ihnen könnte jederzeit eines dieser Schreiben landen. „Allein seit Januar haben 15Münchner derartige Schreiben an uns übergeben”, berichtet Kriminalhauptkommissar Christian Männer vom Betrugskommissariat K77.

Die Briefe stammen aus Spanien, Portugal oder Großbritannien. Absender sind meist Anwaltskanzleien wie beispielsweise Abrahamson Associates in London. Der Brief ist eine plumpe Fälschung. Ein angeblicher Anwalt behauptet, er agiere im Namen eines verstorbenen Mandanten. Immer geht es um ein Millionenvermögen, für das er einen Erben suche. Nahe Verwandte gebe es nicht. Deshalb sei die Reihe jetzt an ihnen, wird gutgläubigen Menschen weisgemacht.

Die Sache mit dem Millionen-Erbe hat allerdings einen Haken: um an die Kohle heranzukommen, müssen die Angeschriebenen immer in Vorkasse gehen. „Sie sollen für Zollgebühren, Rechtsanwaltskosten, Transportgebühren oder Vorsteuern zahlen”, erklärt Christian Männer.

Eine Münchnerin überwies 2009 insgesamt 400000 Euro, ihr gesamtes Vermögen, bis sie endlich begriff, dass sie Betrügern aufgesessen war.

Der Münchner Autohändler fuhr sogar nach Brüssel und nach Berlin, um das Geld eigenhändig zu übergeben. Schließlich wurde er misstrauisch und ging zur Polizei. Bei einem Treffen in Berlin konnte einer der Kontaktleute aus der „Nigeria Connection” gefasst werden. Das zuvor gezahlte Geld war natürlich längst ins Ausland transferiert und verschwunden.

Beliebt ist bei der „Nigeria Connection” die Geschichte vom gefallenen US-Soldaten im Irak. Einem Captain der US-Army, der in den Kriegswirren an ein vermögen kam.

Die Summen sind atemberaubend. Mal geht es um 10, mal um 20 oder sogar 30 Millionen US-Dollar, die in einer Kiste liegen und nur darauf warten abgeholt zu werden. Die Geschichten sind erfunden. „Doch Gier macht die Leute blind und unvorsichtig”, warnt Kriminalhauptkommissar Männer.

Der Schaden geht in die Millionen. Alleine in München melden sich jedes Jahr 100 Opfer. Die niederländische Firma „Ultrascan” schätzt den Schaden, der 2009 alleine in Deutschland entstand, auf 522 Millionen Euro.