Zandvoort ist einer der beliebtesten Ferienorte der Niederlande. Wie hat sich das ehemalige Fischerdorf zur heutigen Touristenattraktion gemausert? Die Geschichte einer unaufhaltsamen Verwandlung mit Starthilfe aus Österreich.

Zandvoort - Sie blickt über den feinen Sandstrand auf das tiefblaue Meer hinaus. Regungslos steht die wohl populärste Zandvoort-Touristin jeden Tag auf dem Boulevard de Favauge und lässt das pittoreske Nordsee-Panorama auf sich wirken. Die Büste der ehemaligen Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt unter ihrem Spitznamen Sissi, ist seit August 2004 eine weitere Touristenattraktion im kleinen niederländischen Badeort Zandvoort, dessen Bekanntheitsgrad kaum hinter Amsterdam, Rotterdam und Den Haag zurück bleibt.

Wie aber kommt die Büste einer österreichischen Kaiserin in ein so charmantes wie unauffälliges Küstenstädtchen in den Niederlanden? Die Antwort liegt fast 200 Jahre zurück und ist wohl das einzige, was sich bis heute in Zandvoort nicht verändert hat: Das Meer. Während sich die Zandvoorter Bevölkerung dank des flachen Sandstrandes schon gute 700 Jahre lang auf Fischfang als Lebensunterhalt spezialisiert hatte, kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine wichtige neue Einnahmequelle hinzu. Das Aufkommen des Seebadens als Entspannungs- und Heilmethode war der Startschuss für Tourismus und Prominenz.

Nach der Eröffnung des ersten Badehauses im Jahr 1828 machte sich Zandvoort als ruhiger und abgelegener Kurort innerhalb weniger Jahre einen Namen. Viele Einheimische erkannten die Chance auf ein einfaches Zubrot, zogen bei Verwandten ein und schrieben Ihre eigene Bleibe als Ferienwohnung in Zandvoort aus. Bald schon mussten die Fischerbote den am Strand flanierenden Besuchern weichen und ihre Anlegestellen abseits des Zentrums verlegen.

1884 war die Mundpropaganda über Laufwege, Pferdekutschen und die damals erst drei Jahre alte Bahnanbindung sogar bis nach Österreich vorgedrungen und überzeugte die junge Kaiserin, während ihrer Therapie bei dem damals in Amsterdam praktizierenden Physiotherapeuten Dr. Johann Georg Mezger, in Zandvoort zu gastieren. Begeistert von Seeluft, Strand und Meer kehrte Sissi bereits ein Jahr später wieder nach Zandvoort zurück, um Ihre Therapie fortzusetzen.

Nachdem der zweite Weltkrieg den stetigen Touristenstrom zu einem jähen Erliegen gebracht hatte, wurde bereits wenige Jahre nach dessen Ende wieder das erste Ferienhaus in Zandvoort nicht weit von den Resten der ehemaligen Wallanlagen gebaut. 1949 konnte dann die bis heute wohl größte Touristenattraktion Zandvoorts fertig gestellt werden: Die Motorsport-Rennstrecke „Circuit Park Zandvoort“, auf der bis 1985 30 Mal der „Große Preis der Niederlande“ ausgetragen wurde. Seit 2001 wird die Strecke für die deutsche Tourenwagen-Meisterschaft genutzt wird und zieht jedes Jahr um die 400.000 Rennsport-Enthusiasten in das ehemalige Fischerdorf.

Die Architektur der meisten Hotels in Zandvoort, die während der Nachkriegszeit errichtet wurden, beeinträchtigt zwar teilweise das bis dahin ungetrübte Fischerdorf-Idyll des gemütlichen Städtchens am Meer, doch selbst eine Handvoll Hochhäuser konnten den Tourismus-Boom in keiner Weise stoppen. Mittlerweile stehen fast die Hälfte der Arbeitsplätze Zandvoorts in irgendeiner Weise mit Tourismus in Verbindung.

Doch was macht den ungebrochenen Reiz des Küstenstädtchens Zandvoort aus? „Die Zeit vergeht hier irgendwie langsamer“, beantwortet ein langjähriger Zandvoort-Urlauber diese Frage. „Ich kann an keinem anderen Ort so gut entspannen wie hier.“ Er Wendet den Blick zum Meer und schaut auf die dunkelblaue, glatte Nordsee. Wie Sissi, die es ihm ein paar hundert Meter weiter gleich tut. Und für einen kurzen Moment ist Zandvoort wieder einfach nur ein kleines Fischerdorf.

Auf den Internetseiten zandvoort.nl und zandvoort-urlaub.com finden Sie weitere Informationen rund um Zandvoort mit Tipps zu Hotels, Ferienwohnungen, Sehenswürdigkeiten und Gastronomie.