Bei der Klub-WM nutzt die Fifa ein neues Hilfsmittel – das kommt nicht besonders gut an. "Bei seitlichen Freistößen nur Zeitverschwendung", sagt Matthias Sammer.

Agadir - Kürzlich bekamen die Bayern Post vom Weltverband Fifa, ein Päckchen. Weihnachtsgebäck, Schweizer Patisserie? Nein, Spraydosen für die neueste Regeleinführung der Fifa. „9.15 Fair Play Limit“, hergestellt in Argentinien, heißt das Spray, das Schiedsrichter bei der Klub-WM wie in einer Handytasche an der Hose tragen und bei Freistößen als Mauer-Markierung verwenden.

Nach der Ankunft des FC Bayern in Marokko bekam man am Sonntag im Mannschaftshotel Besuch von der Fifa, der Weltverband brachte den Spielern das Vorgehen noch einmal nahe.

Erstmals kam das Bitte-Abstand-Halten-Spray nun im Halbfinale gegen Evergrande Guangzhou (3:0) zum Einsatz. Die AZ klärt die wichtigsten Fragen zum Freistoßspray.

Warum wird es eingesetzt? 9,15 Meter Abstand bei Freistößen stehen im Fifa-Regelbuch, doch Fußballer neigen dazu, bei der Mauerbildung nach vorne zu trippeln. Nun sprühen die Schiedsrichter eine Schaumlinie auf den Rasen – übertreten verboten, Abstand reklamieren zwecklos. „Es geht auch um Prävention: Wir wollen nicht so viele Gelbe Karten zeigen“, sagte Massimo Busacca, der Leiter der Schiedsrichterabteilung der Fifa, im Radio bei „HR1“.

Wie funktioniert das Spray? Aufgrund der chemischen Zusammensetzung löst sich der weiße Schaum nach 60 Sekunden wieder auf. „Nach dem Freistoß ist die Linie schon wieder weg“, sagt Busacca. In Südamerika wird es ebenfalls schon eingesetzt.

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Wird es bald auch in der Bundesliga gebraucht? Erstmal nicht, die Fifa stellt es den Verbänden frei, ob sie das Spray nutzen. „Grundsätzlich müssen wir aufpassen, dass wir unsere Schiedsrichter nicht mit technischen Hilfsmitteln überfrachten“, sagt Lutz Michael Fröhlich, Leiter der DFB-Schiedsrichterabteilung. „Am Ende ziehen sie Konzentration von der eigentlichen Aufgabe ab.“ Einsatz bei der WM? Wird erst 2014 entschieden.

Wie sind die Erfahrungen der Bayern? Torwart Manuel Neuer: „Damit macht man das Spiel ein bisschen langsam. Wir sind Freunde davon, einen Freistoß manchmal schnell auszuführen. Deswegen ist das eher schädlich.“ Jérôme Boateng: „Das ist nichts, was uns beeinflusst.“ Toni Kroos: „Auf den ersten Blick ist es lustig und ungewohnt. Aber ich glaube nicht, dass uns das entscheidend weiterbringen wird.“ Sportvorstand Matthias Sammer: „Wenn’s 18, 20 Meter vor dem Tor ist, halte ich das für sinnvoll. Bei seitlichen Freistößen ist es nur eine Zeitverschwendung. Für mich war das Spray schon vorher durchgefallen. Ich stelle mir vor, was wohl ist, wenn ein Spiel auf des Messers Schneide steht – und der Schiedsrichter dann noch Zeit fürs Sprühen braucht.“

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