Holiday Inn und Großmarkt werden abgerissen: Jetzt entsteht hier für 400 Millionen ein neues mondänes Quartier mit einem kleinen Theater, Büros, Boutiquen, Restaurants.

Schwabing -  Das Haifischbecken ist trocken gelegt, der legendäre Tanzclub der Versnobten ist verwaist, in den Zimmern logieren schon lange keine Gäste mehr: Das einst mondäne Holiday Inn an der Schwabinger Leopoldstraße ist Geschichte. Genauso wie der hässliche Metro-Markt nebenan. Die Regale sind ausgeräumt. Seit Weihnachten ist für beide Schluss.

Und jetzt? Jetzt kommen die Abrissbagger und machen den Sperrriegel zum „Schwabing am See“ an der Berliner Straße platt. Dann wird dort ein neues, ein durchgängiges Schwabylon mit Luxushotel, feinen Restaurants und neuen Wohnungen entstehen. Ein „Schwabinger Tor“, wie die Münchner Immobilienfirma Jost Hurler ihr ehrgeiziges 400-Millionen-Euro-Projekt nennt. Entworfen hat es das Münchner Architekturbüro 03. Das Quartier soll bis 2016 fertig sein. Hurler wird das ganze Areal nicht nur bebauen, sondern selber behalten und verwalten, wie Sprecherin Stefanie Schusser erläutert.

Weithin sichtbares Kernstück wird ein Luxushotel der Kategorie Fünf-Sterne–Plus, „auf internationalem Top-Niveau“, wie es im Prospekt heißt. Mit einem Betreiber wird noch verhandelt. Statt des alten Riegels mit einem Umfang von eineinhalb Kilometern wird ein offenes Viertel gebaut. Vier Gebäude sind zur Leopoldstraße ausgerichtet und fünf zur dahinter liegenden Berliner Straße.

Ein Drittel der Bauten – das sind vornehmlich die oberen Stockwerke – sind fürs Wohnen reserviert: Das reicht von der familiengerechten Wohnung bis zum Luxusapartment. „Es werden zu einem großen Teil Mietwohnungen“, so die Sprecherin: „Auch im München Modell.“ Also: Wohnen nicht nur für die Reichen.

Das neue Viertel bekommt ein kleines Theater, Büros, Boutiquen, Restaurants, Cafés, Läden und einen großen Konferenz- und Tagungsbereich.

„Das ganze Areal wird horizontal aufgeteilt, damit die Häuser abends nicht leerstehen“, so Stefanie Schusser. Das bedeutet: In den unteren Bereichen sind Geschäfte und Gastronomie – also die Zonen mit viel Publikumsverkehr. Die mittleren Segmente sind als Büros geplant: „Mit modernster Ausstattung und Businessservices, so dass sie Tag und Nacht genutzt werden können“, wie der Prospekt verspricht. Mehrere Architekten sollen die Gebäude entwerfen, damit es kein uniformes Stadtquartier wird.

Als erstes wird ein dreigeschossiger Unterbau hochgezogen. Da das ganze Areal verkehrsfrei und möglichst grün werden soll, wird dort die gesamte Logistik für die Gebäude und der Verkehr abgewickelt. Dann wird man nur noch beim Hotel vorfahren können. Das Konzept und die Gestaltung dafür haben ATP Architekten und Ingenieure übernommen. Außerdem wird im Untergeschoss die Technik für alle Objekte untergebracht, so auch für das Fünf-Sterne-Plus-Hotel.

Das Areal wird ein Öko-Viertel: Mit grünen Dächern, Blockheizkraftwerk und Erdwärme. Energie wird es durch Abwasser und Grundwasser gewinnen.